Abitur notfalls auch ohne Prüfung? – Lehrer schlagen wegen Infektionszahlen Verzicht auf Prüfung vor

Schon im letzten Jahr hatte das Coronavirus die Abiturprüfungen in Deutschland beeinträchtigt. Trotzdem konnten die Prüfungen erfolgreich absolviert werden. Doch in diesem Jahr schlägt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vor, die Abi-Prüfungen wegen der hohen Infektionszahlen abzusagen. Allerdings stößt dieser Vorschlag auf wenig Gegenliebe.

Lehrergewerkschaft schlägt vor auf Abitur-Prüfungen zu verzichten

Weil die Infektionszahlen in diesem Jahr ziemlich hoch liegen, schlägt die Lehrergewerkschaft nun vor, auf die diesjährigen Abitur-Prüfungen zu verzichten. Diesen Vorschlag unterbreitete die GEW-Chefin Marlis Tepe gegenüber dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND). Damit sollen also die Schüler der Abschlußklassen der verschiedenen Gymnasien in Deutschland ihren Titel auch ohne Prüfung erhalten.

„Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen“, forderte Tepe. „Dann könnten zum Beispiel die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden“, schlägt die Gewerkschaftschefin weiter vor. Zuvor hatten die Kultusminister sich bereits darauf verständigt, die Abiturnoten auch mit verschiedenen Prüfungsformaten anzuerkennen. Dieser Beschluss müsse unbedingt eingehalten werden, wenn die Prüfungen tatsächlich der Pandemie-Lage zum Opfer fallen sollten. Das Abitur des Jahres 2021 verdiene nach Tepes Ansicht die gleiche Wertschätzung wie die Titel in den vergangenen Jahren

Schüler üben Kritik am Vorschlag der Lehrergewerkschaft

Doch von Seiten der Schüler gibt es Kritik. Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, sieht es beispielsweise sehr kritisch die Abitur-Prüfungen wegen der Pandemie abzusagen. „Dadurch würden die Stimmen wieder lauter, die ohnehin schon sagen, dass die Schülerinnen und Schüler ihren Abschluss dieses Jahr geschenkt bekommen. Was es aber vor allem braucht, sind Zugeständnisse, es braucht mehr Wahlaufgaben und eine bessere Vorabinformation, damit man sich in diesem Jahr gezielter vorbereiten kann“, fordert Schramm im Gegenzug. Außerdem schlägt Schramm vor, im Fall von deutlich schlechteren Prüfungsergebnissen als in den Vorjahren die Noten der Schüler anzupassen. „Diese Sicherheit brauchen die Schülerinnen und Schüler!“, machte Schramm deutlich

„Die Lage ist chaotisch. Noch immer fehlt es flächendeckend an Testangeboten und sicheren Konzepten. Beispielsweise für den Transport (Bus und Bahn) der Schülerinnen und Schüler. Seit Monaten sagt die Politik ‚Bildung hat oberste Priorität‘, davon spüren wir in den Schulen aber nichts!“, kritisierte der oberste Schülersprecher.

Chef des Lehrerverbandes gegen Absage der Abiturprüfungen

Heinz-Peter Meidinger, der Chef des Lehrerverband kann einer Absage der Abiturprüfungen ebenfalls nichts abgewinnen. „Ich halte von solchen Forderungen gar nichts, zumal sie derzeit vor allem eines bewirken: eine noch stärkere Verunsicherung derjenigen, die kurz vor den Prüfungen stehen“. machte Meidinger seinen Standpunkt deutlich. „Es gibt zu einer Absage von Abiprüfungen auch gar keinen Grund. Beim letztjährigen Abitur im Frühjahr 2020 während der ersten Coronawelle gab es ja diese GEW-Forderung auch schon. Ich glaube, die Bundesländer waren gut beraten, die Abiprüfungen damals bei übrigens ähnlich hohen Inzidenzzahlen trotzdem vollumfänglich durchzuführen. Die Schulen haben bewiesen, dass das mit einem guten Hygienekonzept weitgehend problemlos klappt“, ist sich Meidinger sicher. Bleibt zu hoffen, dass die Abiturprüfungen auch in diesem Jahr reibungslos über die Bühne gehen können.

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