Aserbaidschan nimmt nach eigenen Angaben Stadt Schuscha in Berg-Karabach ein

Kämpfe um strategischen Knotenpunkt im Südkaukasus dauern laut Armenien weiter an

Aserbaidschan hat nach Angaben seines Präsidenten Ilham Alijew die strategisch wichtige Stadt Schuscha in der Konfliktregion Berg-Karabach im Südkaukasus erobert. In einer Fernsehansprache sprach Alijew am Sonntag „mit großem Stolz und Freude“ von der „Befreiung“ Schuschas durch aserbaidschanische Streitkräfte. Armenischen Angaben zufolge hielten die heftigen Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt allerdings an. Die Eroberung Schuschas wäre für Aserbaidschan ein wichtiger Erfolg über die pro-armenischen Kämpfer.

Der 8. November werde in die Geschichte als der Tag eingehen, an dem „wir nach Schuscha zurückgekehrten“, sagte Alijew, der während seiner Rede eine Militäruniform trug. Der Präsident kündigte an, dass der „Befreiungsmarsch“ bis zur Befreiung aller besetzten Gebiete andauere.

Nach Alijews Ansprache säumten viele Aserbaidschaner in Baku die Straßen; sie schwenkten Fahnen und hupten mit ihren Autos.

Artsrun Howhannisjan vom armenischen Verteidigungsministerium dementierte die Angaben Alijews: „Der Kampf geht weiter“, sagte er. Ministeriumssprecherin Schuschan Stepanjan sagte, dass es über Nacht „die heftigsten Gefechte“ gegeben habe. Die Regierung in Eriwan erklärte darüber hinaus, dass die Eroberung von Schuscha für Aserbaidschan ein „unerreichbarer Wunschtraum“ sei. Trotz schwerer Zerstörungen halte „die Festung der Stadt den Schlägen des Gegners stand“, hieß es weiter.

Schuscha ist eine Hügelstadt, die an einer strategisch wichtigen Hauptstraße in der Südkaukasus-Region liegt. Die Straße verbindet Berg-Karabachs Regionalhauptstadt Stepanakert mit dem Gebiet Armeniens. Zwischen Schuscha und Stepanakert liegen etwa 15 Kilometer.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gratulierte Baku zur angeblichen Eroberung Schuschas. „Die Befreiung von Schuscha ist auch ein Zeichen dafür, dass die Befreiung der anderen besetzten Gebiete nahe ist“, sagte er in einer im Fernsehen ausgestrahlten Rede. Erdogan fügte hinzu: „Aserbaidschans Freude ist unsere Freude“.

Alijew wollte am Sonntag den Außenminister und den Verteidigungsminister der Türkei in Baku empfangen, wie sein Büro mitteilte. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt Aserbaidschan.

Wegen des Konflikts in Berg-Karabach telefonierten am Samstag bereits Russlands Präsident Wladimir Putin und Erdogan. Wie der Kreml weiter mitteilte, fand in der Sache auch ein Telefonat zwischen Putin und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron statt. Russland unterhält gute Beziehungen zu Aserbaidschan wie auch zu Armenien; jedoch gilt Moskau als militärische Schutzmacht Armeniens.

Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 90er Jahren ein Krieg mit 30.000 Toten. Die selbsternannte Republik Berg-Karabach wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt.

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die umstrittene Kaukasus-Region war Ende September wieder voll entbrannt. Seit Beginn der Kämpfe wurden nach offiziellen Angaben beider Konfliktparteien mehr als 1200 Menschen getötet.

by Von Emil GULIYYEV und Hervé BAR

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