Christoph Maria Herbst: So wurde er zu Ex-Wirecard-Chef Markus Braun

Start von „Die Wirecard-Story“

Der Wirecard-Skandal hat die Finanzwelt erschüttert. Der Doku-Thriller „Der große Fake – Die Wirecard-Story“ (ab 31. März 2021 via TVNow, am 22. April um 20:15 Uhr bei RTL) zeigt in einer Mischung aus Dokumentation, teils exklusiven Interviews und fiktionalem Thriller ein komplexes Bild und die tiefsten Abgründe der Wirecard AG auf. Christoph Maria Herbst (55, „Stromberg“) mimt im fiktionalen Teil den mittlerweile in Untersuchungshaft sitzenden Wirecard-Chef Markus Braun (52). Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt der Schauspieler, wie er sich auf die herausfordernde Rolle vorbereitet hat, inwiefern ihm seine Ausbildung zum Bankkaufmann geholfen hat und welche Vorteile das Genre „Doku-Fiction“ mit sich bringt.

Wie haben Sie das Aufkommen des Wirecard-Skandals persönlich erlebt?

Christoph Maria Herbst: Mit offenem Mund und großen Augen. Ehrlicherweise hatte ich diesem Braten aber von Beginn an nicht getraut. Wenn etwas so gehyped wird und ein Aktienkurs dermaßen exponentiell wächst, stimmt was nicht. Exponentiell ist immer krank. Ich will mich hier nicht visionärer darstellen als ich bin, aber deren Aktien hatte ich nie gekauft.

Hatten Sie ein mulmiges Gefühl, die Rolle anzunehmen oder waren Sie sofort fasziniert davon?

Herbst: Ich hatte zwei Seelen in meiner Brust. Der Angsthase in mir hatte ein mulmiges Gefühl, da der Figur ein realer, lebender Mensch zugrunde liegt, und das gewisse Gefahren birgt. Das Spielkind in mir fand es einfach nur faszinierend, den Versuch zu unternehmen, sich so jemandem anzunähern.

Wie haben Sie sich auf die Rolle eines medial so präsenten, aber auch geheimnisvollen Mannes vorbereitet?

Herbst: Ich konnte aus den Vollen schöpfen. Viel wurde geschrieben, das Internet ist voll von Berichten über Wirecard, Braun und Marsalek. Das sind dann lauter Puzzlesteinchen, die ich versucht habe, zusammenzusetzen. Das Äußere half mir schon sehr. Unser Kostümbildner hat mich in teuerstes Tuch gesteckt und mir eine Rolex verpasst, rahmenlose Brille und Steve-Jobs-Rollkragen bewirken was. Alles das löst was aus in einem und damit habe ich mich dann auf die Reise begeben. Ich glaube, ich war während der Dreharbeiten ähnlich unerträglich. Eine Figur lässt sich eben nicht einfach an- und ausknipsen.

Sie haben selbst eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert. Hat Ihnen das bei der Vorbereitung geholfen?

Herbst: Das wäre schlimm, wenn ich jetzt sagen würde, dass mich meine Banklehre auf die Rolle des Markus Braun gut vorbereitet hätte. Nein, was aber tatsächlich half, war, dass ich mit diesem Wirtschaftschinesisch nicht so große Probleme hatte. Manchmal muss man Unverständliches geradezu phonetisch auswendig lernen und dann beim Spielen behaupten, man wüsste, was man sagt. Dies war hier nicht nötig. Ich wusste, wovon ich rede, wenn ich von Algorithmen, cash flow und Volatilitäten sprach.

Was war Ihnen bei der Darstellung des inhaftierten Markus Braun wichtig?

Herbst: Ich fand immer, dass ihn was abgehoben-exotisches umgibt, dabei kam er in den wenigen Interviews, die es gibt, eher ungelenk und schwitzig rüber. Mir half auf jeden Fall, ihm sprachlich einen österreichischen Einschlag zu verpassen, und ich ließ mir von einem Schweizer Künstler blaue Linsen anfertigen, die perfekt meine braunen Augen verdeckten. Oft hilft einem so manche scheinbare Äußerlichkeit, um etwas freizulegen.

„‚Stromberg‘ spielt den Wirecard-Chef“ titelten Medien. Hatten Sie Bedenken, dass Ihnen Ihre Comedy-Präsenz für Ihre Rolle im Weg stehen könnte?

Herbst: Zunächst mal hat es mich amüsiert, dass einige noch sechs Jahre nach seiner Beerdigung den Stromberg noch so präsent haben. Ich schätze, Serie und Film werden immer noch rauf und runter geguckt. Ich persönlich habe das längst abgehakt und unser Regisseur Raymond Ley anscheinend auch: Er hat ein Casting gemacht. Wie es aussieht, hatte er, das Casting-Studio und die UFA danach keinerlei Bedenken mehr.

Wie war die Zusammenarbeit mit Franz Hartwig und wie finden Sie seine Darstellung von Marsalek?

Herbst: Franz hat einen guten Humor und kommt vom Theater. Das sind schon mal zwei gute Voraussetzungen, um mich mit jemandem zu verstehen. Wir konnten uns gut absprechen und Dinge entwickeln. Das halte ich für wichtig. Denn Film ist eben auch Verabredung.

Warum ist es wichtig, in der Doku auch einen fiktionalen Teil zu sehen?

Herbst: Das Genre ist Doku-Fiction bzw. Doku-Thriller. Allein mit Interviews wirst du dem nicht gerecht. Da braucht es schon Schauspieler, die zugleich verdichten als auch veranschaulichen. Da man hier dann auch mit ganz eigenen dramaturgischen Mitteln arbeiten kann, lässt sich das krimihafte viel leichter herstellen.

Was wünschen Sie sich, dass beim Zuschauer nach dem Doku-Thriller zurückbleibt?

Herbst: Ich schätze für den Endverbraucher, ist das, was da abging, ziemlich undurchsichtig und strapazierend. Ich hoffe, der Film kann unterhaltend Licht ins Dunkel bringen. Das Genre „Doku-Fiction“ ist ja ungeheuer spannend: Beteiligte Menschen treten in Interviews in den Mittelpunkt und Schauspieler verhelfen dem Hintergrund zu Vordergrund und Transparenz. Ich persönlich gucke Filme dieses Genres immer sehr gerne, da sie mir fast immer bestes Infotainment bieten. Diese Durchmischung von „so könnte“ und „so hat“ finde ich reizvoll und das Publikum hoffentlich auch.

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