Deutsche Bahn macht im ersten Halbjahr 1,4 Milliarden Euro Verlust

Konzern sieht sich dank Lockerungen aber wieder im Aufwind

Die Corona-Pandemie lastet weiter schwer auf der Deutschen Bahn: Der Konzern verbuchte im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von 1,43 Milliarden Euro und rechnet auch für das Gesamtjahr mit einem operativen Minus von rund zwei Milliarden Euro. „Die Verluste schmerzen“, sagte Bahn-Chef Richard Lutz am Donnerstag. Gleichwohl zeige der Trend nach oben, mit den Corona-Lockerungen habe eine spürbare Entspannung eingesetzt.

Insgesamt gebe es inzwischen mehr Reisende, mehr Güter und mehr Umsatz, erklärte die Bahn. Demnach konnte sie ihren Verlust deutlich verringern – im ersten Halbjahr 2020 hatte noch ein Minus von 3,75 Milliarden Euro in der Bilanz gestanden. Der Umsatz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12,2 Prozent auf 21,8 Milliarden Euro.

„Wir sind gewappnet für die Rückkehr von Reisenden und Wachstum“, sagte Lutz dazu. Besonders im stark von der Pandemie getroffenen Fernverkehr ziehe die Nachfrage seit April wieder kräftig an. Die Bahn plant rund 20.000 Neueinstellungen in diesem Jahr.

Schon im kommenden Jahr will der Konzern wieder schwarze Zahlen schreiben, wie Finanzvorstand Levin Holle betonte. Allerdings seien alle Vorhersagen mit „erheblichen Unsicherheiten behaftet“, teilte die Bahn mit.

Insgesamt habe der harte und mehrfach verlängerte Lockdown „tiefe Spuren“ in der Halbjahresbilanz hinterlassen, hieß es weiter. Besonders der Fernverkehr sei hart getroffen worden. „Die Menschen blieben zu Hause“, sagte Holle.

Die Corona-Krise habe zudem länger gedauert als Vertreter in Politik und Wirtschaft dies anfangs gedacht hätten, sagte Lutz. Hinzu kam die Unwetterkatastrophe der vergangenen Wochen: Die Unwetter hätten zum Teil Auswirkungen auf die Verlässlichkeit und Pünktlichkeit der Züge gehabt.

Vor diesem Hintergrund betonte Lutz die Bedeutung der DB für das Erreichen der Klimaziele in Deutschland und Europa: „Das verheerende Hochwasser hat uns einmal mehr bewusst gemacht, wie gravierend die Folgen des Klimawandels bereits sind. Deshalb ist die Schiene wichtiger denn je für eine nachhaltige Entwicklung.“

Um die Ziele der Bahn zu erreichen, müssten nun alle im Konzern ihren „Beitrag leisten“, fuhr Holle fort und wandte sich auch an die Lokführergewerkschaft GDL, mit der derzeit ein Tarifkonflikt tobt. Nötig sei ein „moderater Tarifabschluss“. Auch Lutz sagte, die Bahn habe die Chance, rasch wieder auf Wachstumskurs zurückzukehren. „Was es nicht braucht, sind Versuche, unsere Belegschaft zu spalten.“

Die GDL hat für August Streiks nicht ausgeschlossen, um ihre Forderungen durchzusetzen. Sie lässt ihre Mitglieder derzeit über Arbeitskampfmaßnahmen abstimmen und will am 9. August das Ergebnis mitteilen. Ein Anfang Juli vorgelegtes neues Angebot der Bahn hatte sie als „Scheinofferte“ bezeichnet. Am Donnerstag warf die Gewerkschaft der Bahn erneut vor, die GDL „eliminieren“ zu wollen.

Der Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel wertete die hohen Verluste bei der Bahn „in Teilen“ auch als „Ausdruck politischen Versagens der Bundesregierung“. Die Probleme bei der Bahn hätten nicht erst mit der Corona-Krise begonnen. Es sei versäumt worden, die Trassenpreise zu senken und die Bahn gegenüber der Straße zu stärken. Die Linke forderte unter anderem deutlich mehr Geld zum Ausbau des Güterverkehrs im kommenden Bundeshaushalt.

Auch der FDP-Politiker Torsten Herbst bezeichnete die „tiefroten Zahlen“ des Staatskonzerns als „Weckruf für die Politik“. Nötig seien etwa eine Trennung von Infrastruktur und Verkehrsunternehmen sowie eine deutliche Verschlankung, um die finanzielle Schieflage zu beenden. Der DB-Konzern sitzt derzeit auf einem Schuldenberg von 32 Milliarden Euro.

by DANIEL ROLAND

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.