Digitalisierung während Corona: Experte erwartet „enorme Fortschritte“

Über Chancen und Gefahren

Auch fast acht Jahre nach Angela Merkels (66) mittlerweile legendärem Ausspruch, dass das Internet „für uns alle Neuland“ sei, hat Deutschland mit der Digitalisierung zu kämpfen. Wie kürzlich aus einer Umfrage im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom hervorging, haben deutsche Verbraucher sich jedoch während der Corona-Pandemie intensiver mit Technologie beschäftigt – und im Schnitt auch deutlich mehr Geld dafür ausgegeben.

Der Digitalexperte und Autor Holger Volland, dessen neues Buch „Die Zukunft ist smart. Du auch?“ (Mosaik Verlag) seit Mitte März erhältlich ist, erklärt im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news, wie neuartige Technologien auch ihm während der Corona-Pandemie geholfen haben, worin er den größten Nutzen sieht und welche Gefahren es gibt.

Die Digitalisierung ist während der Pandemie deutlich vorangeschritten. Für wie wichtig halten Sie während der Krise die Möglichkeit, Lebensmittel online zu bestellen, Serien zu streamen und Freunde per Video-Chat kontaktieren zu können?

In „Die Zukunft ist smart. Du auch?“ liefert Holger Volland „100 Antworten auf die wichtigsten Fragen zu unserem digitalen Alltag“ Mosaik Verlag

Holger Volland: Für viele von uns wurde das Leben in der Krise dadurch erträglicher und einfacher. Gerade Menschen, die alleine leben, oder körperliche Einschränkungen haben, eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten, um das eigene Privatleben, aber auch wichtige Dienste wie Videosprechstunden zu organisieren. Ich selbst konnte ein gesundheitliches Problem während des ersten Lockdowns mit Telemedizin lösen. Ich freue mich sehr, dass wenigstens dieser Aspekt ein positives Ergebnis der Corona-Pandemie ist. Endlich scheinen wir Deutschen der Digitalisierung gegenüber aufgeschlossener und experimentierfreudiger zu sein als bisher.

Aus einer Bitkom-Umfrage ging kürzlich hervor, dass die Befragten während der Pandemie im Schnitt täglich 10,4 Stunden vor dem Bildschirm verbringen. Ist das nicht ein bisschen viel?

Volland: Schon vor Corona waren das ungefähr acht Stunden pro Tag. Wenn Sie Wissenschaftler fragen, war auch das bereits zu viel. Es ist schlecht für unsere Augen, für unsere Konzentration und unsere Fähigkeit, abzuschalten. Oft können wir es uns bei der Arbeit aber nicht aussuchen, ob wir an Meetings in Zoom teilnehmen oder am Bildschirm arbeiten. Umso wichtiger ist es deshalb, Bildschirmpausen einzulegen, wann immer das möglich ist und privat die Screentime einzuschränken. Dabei können auch Apps helfen.

Wo sehen Sie für Menschen den größten Nutzen in der Digitalisierung?

Volland: Insbesondere im Bildungsbereich erwarte ich durch die Digitalisierung enorme Fortschritte in den nächsten Jahren. Der Zugang zu Inhalten und Dienstleistungen wird dadurch viel einfacher und auch günstiger für uns Nutzer. Schon heute kann man für wenig Geld alle Sprachen der Welt lernen oder aus dem heimischen Wohnzimmer an Universitätsvorlesungen in Yale teilnehmen. Das ist phantastisch! Auch im Gesundheitsbereich wird die Digitalisierung zu ganz neuen Behandlungsmethoden und dem leichteren Zugang zu medizinischen Leistungen führen. Schon in wenigen Jahren wird etwa eine erste Meinung zu einer Hautveränderung per App Standard sein, während man heute noch Monate auf einen Arzttermin warten muss.

Und welche Gefahren sehen Sie besonders?

Volland: Die größte Gefahr der weiteren Digitalisierung unseres Lebens besteht im Missbrauch unserer persönlichen Daten. Diese Gefahr lässt sich aber nicht mit einer plumpen Datenschutzkeule lösen, die jede neue App erst einmal ungeachtet ihres Nutzens verbietet. Wir brauchen eine besser informierte Öffentlichkeit und auch mehr Wissen in der Politik, um beispielsweise zwischen Datenschutz und Infektionsschutz besser abwägen zu können. Warum wird unsere Corona-App an die kürzest mögliche Leine genommen, während gleichzeitig Mark Zuckerberg über WhatsApp und Instagram bei Millionen Deutschen intimste Details sammeln kann?

Wir müssen an das Thema viel differenzierter herangehen – übrigens auch im Privatleben. Die meisten Menschen sichern ihre Staubsauger-Roboter oder smarten Glühlampen nicht gut gegen Datenklau ab, obwohl das sehr einfach wäre. Die Einrichtung einer elektronischen Patientenakte hingegen lehnen viele aus Datenschutzgründen ab. Dabei ist das System bestens überwacht und allemal besser als die bisher praktizierte Übermittlung von Patientendaten per unsicherer E-Mail oder Fax. Sie sehen, am Ende geht es darum, sich ein bisschen mehr mit den verschiedenen Aspekten der Digitalisierung unseres Alltags auseinanderzusetzen. So lassen sich viele Gefahren abschätzen oder sogar vermeiden.

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