Inka Bause: Nach dem Mauerfall war sie verunsichert

„Es ist unumkehrbar“

Heute ist Inka Bause (50, „Mit offenen Armen“) als Moderatorin von TV-Erfolgsformaten wie der RTL-Kuppelshow „Bauer sucht Frau“ bekannt, die Wende erlebte sie jedoch als aufstrebende Schlagersängerin aus dem Osten. Zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls erinnert sich Bause an eine Zeit der Ungewissheit, die zunächst geherrscht habe.

„Ich wusste erst einmal nicht, was passieren wird. […] Als Günter Schabowski am Abend von der Grenzöffnung sprach, war ich vollkommen verunsichert, ob das jetzt Scherz oder Ernst war“, erzählt Bause im Gespräch mit dem Berliner „Tagesspiegel“. „Ich habe mir 30 Pfennig aus der Geldbörse meines Vaters geklaut und bin sofort mit meinem Freund rüber.“ Sie besuchten den abgeschobenen Bruder ihres Freundes im Westen. „Als ich beim Rotwein irgendwo im Wedding saß, war meine größte Angst, ob mich die ‚Organe‘, vor denen uns eine riesige Autorität eingebläut worden war, auch tatsächlich wieder zurücklassen – in meine Heimat, in mein Zuhause, in meine Geborgenheit.“

„Meinen Sie, ich könnte bei RTL sagen, was ich wollte?“

Und wie sollte es mit der Karriere weitergehen? „Mir stand mit Anfang 20 die Welt offen. Ich war relativ attraktiv, bildete mir ein, mein Handwerk zu verstehen, hatte einen Hochschulabschluss, habe im Sommer 1990 den dritten Platz in der ‚ZDF-Hitparade‘ belegt als Künstlerin aus der DDR, hatte sofort einen Vertrag bei der Plattenfirma Virgin.“ Etwa 1993 oder 1994 sei das Erwachen gekommen. „Die Ostler wollten mich nicht mehr hören, die Westler hatten ihre eigenen Künstler.“ Dann habe sie unter anderem Kinder geschminkt und Flyer verteilt. „Ich habe lieber keine Platte produziert, als einen Kompromiss abzuliefern, für den ich mich hätte schämen müssen.“

Während das vereinte Deutschland ihr zwar „unglaubliche Freiheit im Handeln und Tun“ biete, sehe sie es aber gleichzeitig auch als „leichte Diktatur“. Die Moderatorin erklärt: „Eine Diktatur des Geldes, man muss immer nur der Spur der Scheine folgen. Dann sehe ich auch eine spezielle Form der Zensur. Meinen Sie, ich könnte bei RTL sagen, was ich wollte? Natürlich kann ich mich besser dieser Zensur entziehen, als ich es damals in der DDR konnte. Aber und trotz alledem: Für mich ist das neue Deutschland Freiheit, es ist unumkehrbar.“

Im vereinten Deutschland fehle ihr zudem „die Wertschätzung des Ostdeutschen“. Für sie sei es „überhaupt keine Lösung, dass die AfD in den ostdeutschen Ländern gewählt und so stark gewählt wird. Es hat sich abgezeichnet: Zu wenig Arbeit, zu wenig Rentenabsicherung – für mich ist dieser Aufbau Ost blanker Zynismus. Es geht nicht um Geschenke, es geht um Respekt vor dem Anderen, um Liebe, um Wertschätzung, um Wärme – nicht ausschließlich um neue Hotels und neue Straßen.“

(wue/spot)

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