Israelische Soldaten dringen in Gazastreifen vor

Auch aus dem Libanon mehrere Raketen auf Israel abgeschossen

Israelische Bodentruppen sind am Donnerstagabend in den Gazastreifen vorgedrungen. „Israelische Luft- und Bodentruppen führen derzeit einen Angriff im Gazastreifen aus“, hieß es in einer kurzen Mitteilung der Armee. Armeesprecher Jonathan Conricus äußerte sich zunächst nicht zur Zahl der beteiligten Soldaten und zur geplanten Dauer des Einsatzes. Zuvor hatte Israel nach tagelangem Raketenbeschuss aus dem Palästinensergebiet heraus zusätzliche Truppen an die Grenze verlegt.

Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas hatte vorab vor einer „heftigen Reaktion“ auf eine mögliche israelische Bodenoffensive gewarnt. Im Nordosten des Gazastreifens wurden Gebiete wegen drohenden israelischen Beschusses geräumt, wie Fotografen der Nachrichtenagentur AFP und Augenzeugen berichteten. Hunderte Menschen mussten fluchtartig ihre Häuser verlassen.

Zuletzt war die israelische Armee 2014 in den Gazastreifen eingerückt. Bei dem 50-tägigen Konflikt mit der Hamas starben auf palästinensischer Seite 2251 Menschen, zumeist Zivilisten, und israelischer Seite 74 weitere Menschen, größtenteils Soldaten.

Seit Montagabend wurden aus dem Gazastreifen mehr als 1600 Raketen auf Israel abgefeuert. Die israelische Armee bombardierte ihrerseits rund 600 Mal Ziele im Gazastreifen. Die Eskalation löste international Befürchtungen eines erneuten Krieges im Nahen Osten aus.

In der Nacht zum Freitag gab es Artilleriegefechte zwischen Israelis und Palästinensern. Über der dicht besiedelten Stadt Gaza stiegen Feuerbälle auf, wie AFP-Reporter berichteten. Aus dem Gazastreifen wurden erneut Dutzende Raketen auf die südisraelischen Küstenstädte Aschdod und Aschkelon sowie in die Umgebung des Ben-Gurion-Flughafens von Tel Aviv abgeschossen.

Zudem seien aus dem Süden des Nachbarlandes Libanon drei Raketen auf Israel abgefeuert worden, teilte die israelische Armee mit. Eine Quelle aus dem Umfeld der Hisbollah versicherte, die schiitische Miliz habe nichts damit zu tun. Aus libanesischen Militärkreisen hieß es, die Geschosse seien unweit eines palästinensischen Flüchtlingslagers abgeschossen worden.

Seit Beginn der jüngsten Gewalteskalation zwischen militanten Palästinensern und der israelischen Armee wurden im Gazastreifen nach Angaben der dortigen Behörden mindestens 103 Menschen getötet, darunter 27 Kinder, und mehr als 580 weitere Menschen verletzt. Auf israelischer Seite starben sieben Menschen durch Raketen aus dem Gazastreifen, darunter ein sechsjähriges Kind. Dutzende weitere Menschen wurden verletzt.

Zu dem Konflikt soll am Sonntag eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats in New York stattfinden. Die virtuelle Sitzung sei auf Antrag von China, Norwegen und Tunesien für Sonntag um 16.00 Uhr MESZ angesetzt worden, teilten Diplomaten bei den Vereinten Nationen am Donnerstag mit. Auch die USA, die die Absage einer für Freitag geplanten Sicherheitsratssitzung bewirkt hatten, seien einverstanden.

Es ist die dritte Sitzung des UN-Gremiums zur Eskalation der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern binnen einer Woche. Bei den zwei vorherigen Sitzungen hatte es keine Einigung auf eine gemeinsame Erklärung gegeben. Dies lag Teilnehmern zufolge an den USA, die eine Verurteilung ihres Verbündeten Israel ablehnten.

Zehn Ratsmitglieder, darunter Tunesien, Norwegen und China, hatten die dritte Sicherheitsratssitzung zum Nahost-Konflikt zunächst für Freitag beantragt. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen sollten auch Vertreter Israels und der Palästinenser an der öffentlichen Sitzung teilnehmen. Der Antrag scheiterte demnach aber am Widerstand der Vereinigten Staaten. US-Außenminister Antony Blinken argumentierte für eine spätere Sitzung, um der Diplomatie etwas Zeit zu verschaffen.

by Von Guillaume LAVALLÉE

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