Mit Botschaften auf Ostereiern gegen die Junta in Myanmar

Maas warnt angesichts anhaltender Gewalt gegen Demonstranten vor Bürgerkrieg

Mit immer kreativeren Mitteln wenden sich die Demonstranten in Myanmar gegen die Militärmachthaber: Am Ostersonntag verteilten Aktivisten mit politischen Botschaften versehene Ostereier in ihrer Nachbarschaft. In mehreren Städten des Landes gab es erneut Proteste, bei denen Augenzeugen zufolge auch wieder Menschen getötet wurden. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) warnte vor einem Bürgerkrieg.

In den Onlinediensten veröffentlichten Nutzer Ostereier mit dem Konterfei der abgesetzten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Auch Eier mit Aufschriften wie „Demokratie“ oder „Rettet unser Volk“ wurden verteilt.

Seit dem Militärputsch am 1. Februar gehen die Sicherheitskräfte in Myanmar mit großer Brutalität gegen pro-demokratische Demonstranten vor. In der Stadt Pyinmana nahe der Hauptstadt Naypyidaw eröffneten Sicherheitskräfte am Sonntag das Feuer auf die Protestierenden. „Ein Mann in der Menge wurde getroffen und getötet. Ein anderer wurde ebenfalls erschossen“, berichtete ein Bewohner der Nachrichtenagentur AFP.

Auch in einer kleinen Stadt im nördlichen Bundesstaat Kachin wurde ein 30-jähriger Demonstrant laut einem Augenzeugen erschossen. „Sie haben am Straßenrand auf ihn geschossen. Er wurde verletzt und starb später“, berichtete der Augenzeuge. Auch am Samstag waren in den Städten Bago und Monywa vier Protest-Teilnehmer getötet worden.

Die myanmarische Menschenrechtsgruppe AAPP bezifferte die Zahl der seit Beginn der Proteste von Polizisten oder Soldaten getöteten Demonstranten am Sonntag auf 564. Mindestens 2658 Zivilisten befinden sich demnach im Gewahrsam der Behörden. Die myanmarischen Behörden stellten am Wochenende auch Haftbefehle für 60 Prominente aus, von denen die meisten jedoch untergetaucht sind.

International wächst wegen der anhaltenden Gewalt der Junta die Angst vor einem Bürgerkrieg in dem südostasiatischen Land. „Die Militärs haben Myanmar innerhalb weniger Wochen an den Rand einer Katastrophe getrieben“, sagte Maas der Funke Mediengruppe.

„Alle Akteure“ müssten jetzt „den Druck auf das Regime erhöhen, damit es endlich auf die Gesprächsangebote der Partner im Staatenbund Asean eingeht“, forderte der Bundesaußenminister. Niemand in der Region könne ein Interesse daran haben, „dass Myanmar im Bürgerkrieg versinkt – auch diejenigen nicht, denen es nicht um die Rettung der Demokratie geht“.

Papst Franziskus äußerte in seiner Osterbotschaft im Petersdom am Sonntag seine Unterstützung für die Menschen in Myanmar, „die sich für die Demokratie starkmachen und sich friedlich Gehör verschaffen“. Myanmars ranghöchster katholischer Geistlicher, Kardinal Charles Bo, schrieb auf Twitter: „Jesus ist auferstanden, Hallelujah – Myanmar wird wieder auferstehen!“

Während der Druck auf Unternehmen wächst, sich aus Protest gegen die Gewalt gegen friedliche Demonstranten aus Myanmar zurückzuziehen, erklärte der französische Ölriese Total, er werde seine Gasproduktion in dem Land nicht stoppen.

Geschäftsführer Patrick Pouyanne sagte dem „Journal du Dimanche“, Total habe eine Verpflichtung für die Menschen in Myanmar. „Kann ein Unternehmen wie Total entscheiden, die elektrische Versorgung für Millionen Menschen zu beenden – und damit den Betrieb von Krankenhäusern und Firmen zu unterbrechen?“, fragte Pouyanne.

Er sei „empört“ über die Unterdrückung der Zivilgesellschaft in Myanmar, betonte der Total-Chef. Er sei jedoch nicht bereit, „zum Schaden unserer lokalen Beschäftigten“ und der myanmarischen Bevölkerung zu handeln.

Zuvor hatte die französische Elektrizitätsgesellschaft EDF ihre Aktivitäten in Myanmar gestoppt. Im März hatten auch die italienische Modemarke Benetton und der schwedische Bekleidungskonzern H&M erklärt, vorerst keine Aufträge mehr in Myanmar zu vergeben.

Zehn myanmarische Rebellengruppen berieten sich am Wochenende per Online-Konferenz über die politische Krise im Land. In einer am Sonntag veröffentlichten Mitteilung forderten sie ein Ende des Blutvergießens und die Freilassung aller politischen Gefangenen. Die insgesamt rund 20 bewaffneten Gruppierungen kontrollieren große Teile des Landes.

by Handout

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