Nordrhein-Westfalen will soziale Brennpunkte schneller impfen – aber die Menschen dort wollen teilweise garnicht!

Weil es einen Zusammenhang zwischen hohen Inzidenzwerten und sozial schwachen Brennpunkt Stadteilen gibt, sollen in Nordrhein-Westfalen die Bewohner von Problemvierteln schneller gegen Covid-19 geimpft werden. Doch dabei könnte es zu Problemen kommen. Denn viele der Bewohner dort vertrauen nicht in die Impfungen und die Behörden.

Menschen in sozial schwachen Vierteln sollen bevorzugt geimpft werden

Zuletzt hatten Experten in der Debatte um die Impfungen einen wichtigen Punkt auf’s Tablett gebracht. Sie hatten vorgeschlagen die Impfreihenfolge so zu verändern, dass bereits jetzt verstärkt Impfungen in sozialen Brennpunkten durchgeführt werden können. Viele Intensivmediziner und Politiker hatten sich zuletzt für die schnelle Impfung der Menschen in sozial benachteiligten Stadtteilen ausgesprochen. Zu diesem Zweck sei der Einzsatz von mobilen Impfteams geplant. Statistiken zeigen deutlich, dass die Infektionszahlen in sozial benachteiligte Stadtteilen deutlich höher liegen, als in Wohngebieten mit höherem Einkommen. „Im Dezember und Januar lag die Covid-19-Sterblichkeit in sozial stark benachteiligten Regionen um rund 50 bis 70 Prozent höher als in Regionen mit geringer sozialer Benachteiligung“, verkündet das Robert-Koch-Institut in einer seiner aktuellen Analysen. Besonders sichtbar wird das Gefälle in Köln. Während die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz mit 500 im Brennpunkt Chorweiler überdurchschnittlich hoch ist, liegt der Inzidenzwert im Villenviertel Hahnwald bei null.

Sozial schwache Menschen deutlich häufiger von Covid-19 betroffen

Die Gründe für die hohen Inzidenzwerte in den Brennpunkten sind vielfältig. Sie liegen darin, dass die Menschen sowohl beengter leben, meist in Jobs ohne Homeoffice-Möglichkeit arbeiten, sowie über einen schlechteren Zugang zu medizinischer Hilfe und Informationen im Zusammenhang mit der Pandemie verfügen. „Fast jeder hat hier einen Corona-Todesfall in der Familie oder im Bekanntenkreis“, erklärt der Psychologe Kazim Erdogan aus Berlin zur Situation im Stadtteil Neukölln. In Köln-Chorweiler erklärte ein Bewohner des Stadtteils am

Freitag beim Nachrichtensender „Welt“: „Von jeder Familie stirbt einer.“ Auch den Mediziner sind die Zusammenhänge bereits aufgefallen. „Auf den Intensivstationen liegen überdurchschnittlich viele Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten, Menschen mit Migrationshintergrund und sozial Benachteiligte“, bestätigt der wissenschaftliche Leiter des Divi-Registers, Christian Karagiannidis, gegenüber der Tageszeitung „Rheinische Post“. Deshalb will nun vor allem NRW in den Brennpunkten impfen, um die Infektionszahlen noch besser in den Griff zu bekommen. „Da wo Menschen in beengteren Wohnverhältnissen leben, ist die Gefahr sich anzustecken größer als bei jemanden, der in einem großzügig angelegten Einfamilienhaus wohnt“, bestätigt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. In Köln sollen deshalb ab Montag die Impfungen in 15 besonders „vulnerablen“ Vierteln beginnen. Ähnliche Aktionen kündigten auch Wuppertal und Essen an.

Angst vor dem Impfstoff und fehlendes Vertrauen in die Behörden

Allerdings wird es bei den Impfaktionen in sozial schwachen Gebieten auch Probleme geben. Denn viele Bewohner der Viertel blicken einer Impfung gegen das Coronavirus ziemlich skeptisch entgegen. So hielten viele Bewohner von sozialen Brennpunkten das Coronavirus für ein Mythos. „Die denken, dass das alles eine Lüge ist“, erklärt eine Bewohnerin von Köln-Chorweiler ebenfalls beim Fersehsender „Welt“. „Alle haben Angst vor dem Impfstoff“, macht auch ein junger Bewohner aus dem Wuppertaler Stadtviertel Oberbarmen-Schwarzbach bei der „Rheinischen Post“ klar. Eine weitere 24 Jahre alte Frau geht so gar so weit zu beteuern, dass sie keine Corona-Leugnerin sei, doch denoch gibt sie offen zu: „Ich traue dem Staat nicht.“ Neben dem logistischen Problem, werden sich die mobilen Impfteams also auch mit der Aufklärungsarbeit der Bevölkerung beschäftigen müssen.

Deshalb hat man nun erste Schritte zur besseren Information der Bevölkerung unternommen. In Duisburg machen Fahzeuge des Ordnungsdienstes immer wieder Lautsprecherdurchsage in den Stadtvierteln mit hohen Infektionszahlen in mehreren Sprachen. So sollen die Menschen über die Corona-Schutzmaßnahmen besser informiert werden. Auch Herne ist nun zu Lautsprecherdurchsagen in neun verschiedenen Sprachen übergegangen, in denen die Menschen zu einer Impfung aufgefordert werden. Um die Menschen in den dicht

besiedelten Hochhausvierteln jedoch zu überzeugen, seien muttersprachliche Unterstützung, eine extrem gute Aufklärungsarbeit sowie die enge Zusammenarbeit mit Sozialraumkoordinatoren und Hausärzten notwendig. „Das wird eine Mammutaufgabe“, vermutet die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

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