Taliban und Regierung erklären Feuerpause zum Ende des Ramadans in Afghanistan

Mindestens elf Tote bei Anschlag auf Bus in Provinz Sabul

Die radikalislamischen Taliban haben anlässlich des Eid-al-Fitr-Festes zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan eine dreitägige Waffenruhe angekündigt. Auch die afghanische Regierung stimmte der am Montag verkündeten Feuerpause zu. In den vergangenen Tagen war das Land von schweren Anschlägen erschüttert worden. Nach der Attacke vor einer Mädchenschule in Kabul wurden in der Nacht zum Montag bei einem Bombenanschlag auf einen Bus mindestens elf Menschen getötet.

Die Taliban wollen den Angaben zufolge vom ersten bis zum dritten Tag des islamischen Festes landesweit alle Angriffe unterlassen. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani wies das Militär an, die Waffenruhe ebenfalls einzuhalten. Der Staatschef habe die Aufständischen zudem zu einem dauerhaften Waffenstillstand aufgerufen, teilte der Präsidentenpalast mit.

Seit dem 1. Mai – dem ursprünglich anvisierten Abzugsdatum der US-Truppen – hat die Gewalt in Afghanistan stark zugenommen. Dabei richteten sich die Angriffe nicht gegen die US-Streitkräfte, sondern gegen das afghanische Militär und die Zivilbevölkerung.

Bei dem Bombenanschlag auf einen Bus in der Provinz Sabul im Südosten des Landes kamen mindestens elf Menschen ums Leben, 28 weitere wurden nach Angaben des Innenministeriums verletzt.

Am Samstag waren bei einem Anschlag vor einer Mädchenschule in der afghanischen Hauptstadt bereits mehr als 50 Menschen getötet und über 100 weitere verletzt worden. Dem Innenministerium zufolge detonierte eine Autobombe vor der Schule. Als die Schülerinnen in Panik aus dem Gebäude liefen, seien zwei weitere Sprengsätze explodiert. Es war der schwerste Anschlag in Afghanistan seit über einem Jahr. Die Regierung machte die Taliban für die Tat verantwortlich. Die Islamisten wiesen dies zurück.

Der Anschlag hatte international Entsetzen hervorgerufen. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach am Montag in Berlin von einem Terroranschlag, „wie er nicht bösartiger und nicht niederträchtiger hätte sein können“. Nun komme es darauf an, die Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung fortzusetzen. Eine Waffenruhe „wäre ein guter Beginn“, fügte Seibert hinzu.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Extremisten anlässlich des Eid-al-Fitr-Festes eine Feuerpause verkündet. Die afghanische Regierung hofft auf einen dauerhaften Waffenstillstand. „Wir glauben, dass die beste Lösung für die Beilegung der Krise die Beschleunigung der Friedensgespräche, die Erklärung eines Waffenstillstands und das dauerhafte Ende der Kämpfe ist“, sagte der Vorsitzende des afghanischen Friedensrats, Abdullah Abdullah, am Montag.

Der Politikexperte Fawad Kotschi hält dies jedoch für unwahrscheinlich. „Die Regierung wird mit allen Mitteln versuchen, die Waffenruhe zu verlängern, aber die Taliban werden gleich nach dem Eid-Fest auf das Schlachtfeld zurückkehren“, prognostizierte er. „Die Taliban wissen, dass ein längerer Waffenstillstand sie spalten und ihre Stoßkraft zunichte machen würde. Das werden sie niemals wollen.“

Die US-Regierung hatte im Februar 2020 ein Abkommen mit den Taliban geschlossen, um den längsten Kriegseinsatz der US-Geschichte zu beenden. Die USA sagten darin einen Truppenabzug bis zum 1. Mai zu. Der Termin wurde mangels Fortschritten in den Friedensgesprächen zwischen den Taliban und der Regierung in Kabul nicht eingehalten.

US-Präsident Joe Biden kündigte dann einen Truppenabzug bis zum 11. September an. Im Anschluss beschloss die gesamte Nato das Ende ihrer Afghanistan-Mission bis spätestens September. Die Friedensbemühungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban kommen jedoch noch immer nicht voran.

by Von Jay Deshmukh und Emal Haidary

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