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[Test/Review] Honor Magic 2 – Nicht alles daran ist awesome magic

Vor 3 Jahren hatte Huawei‘s Tochterunternehmen den Vorgänger Honor Magic vorgestellt mit dem Augenmerk auf ein spezielles Design und cleveren Software-Features. Heute würde man das KI nennen. Auch das Honor Magic 2 wurde mit KI-Funktionen ausgestattet, selbst beim Design ist sich Honor treu geblieben. Anstelle eines flachen Designs gibt es nun einen Slider, um ein FullView-Display ohne Notch wie beim Xiaomi Mi Mix 3 zu realisieren. Dazu kommen noch insgesamt 6 Kameras hinzu.Bereits der Vorgänger hatte offiziell nie seinen Weg nach Europa gefunden und so wird es leider auch mit dem Nachfolger sein. Lustigerweise zeigt sich das Honor Magic 2 auf der internationalen Seite von HiHonor – ob dies erste Anzeichen sind, dass es auch irgendwann mal ausserhalb Chinas verfügbar sein soll? Zumindest hoffe ich es, aber dazu später mehr bei der Firmware. Wie sich der Slider mit den 6 Kameras im Alltag geschlagen hat, erfahrt ihr nun in unseren Testbericht.

Mein persönlicher Dank geht an Tradingshenzen für die Bereitstellung des Testsample.

Honor Magic 2 Verpackung und Lieferumfang

Während der Vorgänger Honor Magic noch in einem weißen umweltfreundlichen Karton kam, hat Honor bei der Verpackung des Honor Magic 2 wieder auf einen dunkelblauen Karton umgeschwenkt. Auf der Frontseite wurde der silberne Schriftzug „Honor Magic 2“ sowie die Konturen des Smartphones eingestanzt. Ein kleiner Auszug der technischen Ausstattung befindet auf dem Boden der Verpackung.

Im Bezug auf das mitgelieferte Zubehör beschränkt sich Honor mehr oder weniger nur auf das Nötigste: Das Smartphone selbst, ein USB-Kabel vom Typ-C, ein Adapter für Kopfhörer mit Klinkenstecker, ein Netzteil mit 40 Watt für chinesische Steckdosen, das SIM-Tool zum Öffnen der SIM-Klappe und eine Garantiekarte. Auch die Kurzanleitung in chinesischer Sprache ist wieder mit dabei. Als willkommene Dreingabe gibt es diesmal eine für den Slider passende Silikonhülle.

Design und Verarbeitung

Auf der Frontseite befindet sich das 6,4 Zoll große Display mit der nach wie vor scharfen Auflösung von 2160 x 1.080 Pixel. Das 18:9 Seitenverhältnis bleibt erhalten, womit das Display fast die kompletten Front einnimmt. Wie bei jedem High-End Smartphone von Huawei/Honor wird das Panel durch Corning Gorilla Glas vor lästigen Fingerabdrücken und Kratzern geschützt. Um welches Gorilla Glas von Corning es sich genau handelt, lässt sich leider nicht herausfinden, aber ich gehe davon aus, dass es sich um die damals aktuellste Generation handelt, sprich Gorilla Glas 5. Wobei es mit Kratzern so eine Sache ist: Ich hatte bis jetzt noch kein Corning-Glas was wirklich vor Kratzer geschützt hat. Nach 2-3 Monaten waren nahezu immer schon die ersten kleinsten Mikrokratzer drin. Deshalb ist auch Panzerglas bei meinen privaten Geräten absolute Pflicht. Bei  Fingerabdrücken klappte es hingegen bis jetzt immer recht gut.

Das 6,4 Zoll große Display gehört mit zu den wichtigsten Eckdaten des Modells, welches quasi genauso groß ist wie mein altes Nexus 7. Zumindest mit dem 7 Zoll großen Display, wenn nur dessen Größe hervorgehoben wird. Was man noch vor ein paar Jahren für totalen Blödsinn hielt, ist mittlerweile Standard geworden. Die Geräte werden dank kompakter Bauweise trotz größer werdenden Displays immer handlicher. Spätestens an dieser Stelle wird man hellhörig. Um dieses fantastische Verhältnis zwischen Display und Gerätefront – wir sprechen hier von fast 100 Prozent laut Honor – muss der Rahmen entsprechend schmal sein.

Eigenständigkeit statt Copycat

Von chinesischem Copycat kann da keineswegs mehr die Rede sein, zumindest nicht beim Honor Magic 2. Hier hat sich Honor beim Mutterkonzern Huawei und dessen Huawei P20 Pro das Design übernommen, zumindest was die Rückseite anbelangt. Nur die Frontseite erinnert mich ein wenig an das Xiaomi Mi Mix 3, nur mit noch weniger Rahmen im unteren Bereich. Huawei hat mit der Mate oder P-Reihe und deren Triple-Cam gezeigt , dass sie Innovationen können. Außerdem zeigt sich, das die Technologie irgendwann den Weg zum Tochterunternehmen Honor findet. Nichtsdestotrotz ist der Huawei-Konzern ein Innovationen voran treibendes Unternehmen im Smartphone-Bereich geworden.

Auf der oberen Seite des Displays auf dem Slider befinden sich wie bei nahezu jedem handelsüblichen Smartphone die Sensoren für Annäherung und Helligkeit. Eine kleine Status-LED wie beim Xiaomi Mi Mix 3 gibt es leider nicht. Diese hätte ich mir allerdings gewünscht, damit man die Benachrichtigungen besser wahrnimmt. Anders als noch bei dem Vorgänger, wo die Frontkamera oberhalb des Displays neben der Ohrmuschel verschwunden war, hat sich Honor für den cooleren Slider-Mechanismus entschieden, was zwei Vorteile mit sich bringt: Erstens steht mehr Fläche für das Display selbst zur Verfügung, sprich die Notch wird überflüssig, und zweitens können vernünftige Kameras verbaut werden.

State-of-the-Art Technik

Im Vergleich zum Mi Mix 3 setzen die Macher des Honor Magic 2 auf einen Fingerabdrucksensor im Display, was sich auch in der Usability niederschlägt. So dauert die Erkennung noch immer etwas länger und die Zuverlässigkeit hatte vor dem ersten Update zu wünschen übrig gelassen. Bei 4 von 100 Versuchen hat es nicht geklappt, aber nach dem erwähnten späteren Update wurde die Zuverlässigkeit merklich verbessert. Aber kommen wir zurück zur Kamera, denn im Fall des Honor Magic 2 sind dies sogar gleich zwei Triple-Kameras.

Die Frontkamera besteht aus einem Sensor mit 16 Megapixel und zwei Sensoren mit jeweils 2 Megapixel. Neben der ersten Kamera sitzt noch der Helligkeitssensor, der laut Honor mittels Infrarot funktionieren soll. Laut dem offiziellen Honor-Forum soll über diesen Sensor die IR-Gesichtserkennung laufen. Ich gehe eher davon aus, dass die Gesichtserkennung über den zweiten 2-Megapixel-Sensor funktioniert. Hierbei handelt es sich nämlich um einen Tiefensensor. Oberhalb der Kameras sitzt noch die Ohrmuschel für Telefonate. Beim Display-Bauteil des Sliders sitzt nur eine kleine Öffnung, damit der Klang besser zum Ohr des Nutzer gelangt. Tippt man auf dem Touchscreen schlägt der Slider an die Unterseite des Honor Magic 2, was zu einem leichten Klopfen wird. An dieser Stelle muss ich sagen, das im Vergleich zum Mi Mix 3 das Klopfen kaum bemerkbar ist. Die Konkurrenz hat es einfach besser gelöst.

Allerdings muss ich an dieser Stelle sagen, dass eine gewisse Toleranz zwischen der Display-Einheit und der Unterseite sein muss, damit der Slider überhaupt reibungslos hin und her gleiten kann. Aus Nostalgiegründen hab ich meine alten Slider-Smartphones wie etwa das HTC Touch Pro 2 mit Windows Mobile 6.5, Sony-Ericsson Xperia Mini Pro mit Android 2.3 Gingerbread und das Blackberry Priv mit Android 5.1 Lollipop aus meiner Sammelvitrine genommen und mit den Honor Magic 2 sowie Xiaomi Mi Mix 3 verglichen. Alle Geräte haben etwas Spiel, weswegen ich dieses Verhalten mal ein wenig als normal abstempeln möchte. Wenn man wirklich genau hinsieht und das Honor Magic 2 gegen das Licht hält, erkennt man auch einen minimalen Spalt. Es gibt auch ein leichtes Spiel nach links und rechts, was allerdings recht minimal ausfällt. Es ist nicht weiter störend, aber eine Erwähnung ist es mir trotzdem wert.Zwischen den Mi Mix 3 und dem Honor Magic 2 gibt es hingegen merkliche Unterschiede. Schiebt man den Slider des Mi Mix 3 über einen gewissen Punkt hinaus, verhakt es sich automatisch in die gewünschte Position. Hier verbaut Xiaomi wohl etwas stärkere Magneten als Honor in seinem Magic 2. Beim Magic 2 hat man etwas weniger Widerstand, demzufolge ist der Mechanismus leichtgängiger. Sprich, mit dem Daumen lässt sich der Slider leichter öffnen.Testbericht –

Auf der Kopfseite des Gehäuses befindet sich eines der beiden Mikrofone für die aktive Geräuschunterdrückung. Direkt auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich noch ein IR-Blaster zur Steuerung von TV, Klimaanlagen oder Set-Top-Boxen. Kurzum alles an Multimedia-Technik, was mit einer Fernbedienung steuerbar ist. Auf der rechten Seite des Gerätes befindet sich der Lautstärkeregler sowie Powerbutton. Gegenüber auf der linken Seite ist der Nano-SIM-Schacht verbaut, wo das Honor Magic 2 gleich zwei SIM-Karten schluckt. Die Tasten selbst bestehen wie auch der Rahmen des Gerätes aus Aluminium.

Ohne Hülle

Mit Hülle

Sie besitzen einen hervorragenden Druckpunkt und sind fest im Gehäuse verbaut. Ein Wackeln oder ähnliches konnte ich bei meinem Testgerät nicht feststellen.Auf der unteren Seite des Gehäuses befindet sich der USB Typ-C Anschluss – welcher sich diesmal als kleine Mogelpackung entpuppt, wie es auch schon bei einigen Modellen anderer Hersteller der Fall ist. Der Grund: Die Chinesen setzen auf den USB2.0-Standard, was konkret heißt, dass Daten langsamer durch das Kabel gejagt werden. Lustigerweise fließt der Strom jedoch schneller durch die Buchse in den Akku. Dazu erzähle ich später noch etwas mehr beim Thema Akku. Durch das Wegfallen der klassischen 3,5 Millimeter Audiobuchse muss Honor auf den USB-Typ-C-Standard setzen, da nur dieser auch Kopfhörer über USB unterstützt. Wer noch keine Kopfhörer mit Typ-C-Stecker hat, kann zumindest den beiliegenden Klinken-Adapter verwenden. Rechts vom USB-Port befindet sich der Mono-Lautsprecher, der idealerweise auf der unteren Seite verbaut ist, sodass der Ton direkt auf den Nutzer strahlt, wenn das Gerät auf dem Tisch liegt.

Ohne Hülle

Mit Hülle

Die Rückseite wird ebenfalls von einer Dreier-Kamera bestehend aus zwei 16 Megapixel Sensoren und einem 24 Megapixel auflösenden Sensor geziert, deren Blende bei lichtstarken f/1.8 und f/2.2 liegt. Bei Bedarf kann die Kamera von einem LED-Blitz unterstützt werden. Leider ragt die Kamera selbst ein kleines Stückchen aus dem Gehäuse heraus, was ich ein wenig schade finde. Immerhin liegt das Smartphone dadurch nicht eben auf einer Fläche und wackelt bei der Bedienung immer hin und her.

Mysterium Slider: Ein Blick in das Innere

Aber Moment mal – wie hat Honor denn den Mechanismus für den Slider des Honor Magic 2 überhaupt umgesetzt? Hier geht Honor vom Prinzip her einen ähnlichen Weg wie Xiaomi bei seinem Mi Mix 3. Das Smartphone besteht im Grunde genommen aus zwei einzelnen Teilen! Zum einen aus dem oberen Teil, welches größtenteils nur aus dem Display besteht und dem zweiten Teil, wo sich die ganze restliche Technik wie Prozessor, Akku oder die Kamera-Module befinden. Im Inneren der beiden Teile befinden sich zwei Gleitschienen, welche erst das Rauf- und Runterschieben ermöglichen. Mit Hilfe eines Magneten werden beide Teile zusammen gehalten. Wie lange der Slider störungsfrei laufen wird, da hüllt sich Honor allerdings in Schweigen.

Wasserresistent, aber nicht wasserdicht

Die meisten Oberklasse-Smartphones heutzutage sind gegen eindringendes Wasser geschützt. Viele Hersteller werben mit IP68, womit ein Abtauchen bis zu 30 Minuten lang in Süßwasser möglich ist. Bei einem Slider-Smartphone wäre das fatal – und dennoch ist das Honor Magic 2 zumindest etwas wassergeschützt.

Laut dem IPX2-Standard ist das Smartphone gegen leichte Wassertropfen geschützt, mehr aber auch nicht. Das heißt auch, dass Telefonieren im Regen keine sehr gute Idee ist.

Display

Bei vielen Geräten sagt man ja gerne mal, dass das Display das Highlight sei. Im Fall des Honor Magic 2 stimmt dies aber wirklich und das in mehrfacher Hinsicht. Der auffälligste Punkt: Es erstreckt sich quasi über die gesamte Fläche der Vorderseite und es hat keine lästige Notch. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, wie ich einfach nur ungläubig das Gerät in der Hand hielt, nach all den ganzen Geräten mit Notch. Schließlich ist für mich persönlich die Notch keine große Kunst das Problem wachsender Displays auszugleichen. Stattdessen sind Lösungen wie im Honor Magic 2 oder Xiaomi Mi Mix 3 mit Teil der Highlights, denn dadurch nimmt das Display wirklich fast die komplette Front ein. Und natürlich spielt die Technik, die dahinter steckt, eine wichtige Rolle.Wie bereits erwähnt wird die Front vom 6,4 Zoll großen AMOLED-Panel dominiert. Wie schon im teureren Verwandten Huawei Mate 20 Pro setzen die Chinesen hier auf ein heimisch produziertes Display von BOE. Mit einer Auflösung von 2180 x 1.080 Pixel im 18:9 Format ergibt sich eine Pixeldichte von 403 ppi. Dementsprechend ist das Display kristallklar und gestochen scharf, trotz der auf den ersten Blick großen Displayfläche. Selbst bei genauerem Hinsehen lassen sich keine einzelnen Pixel oder Ausfransungen an den Inhalten erkennen.

Honor gibt leider keinen genauen Helligkeitswert an, aber bei meiner Messung kam ich auf 560 bis 605 cd/m², was ein vergleichsweise guter bis sehr guter Wert ist. Dementsprechend kann die Helligkeit im direkten Sonnenlicht überzeugen. Das Display sowie Inhalte auf dem Bildschirm lassen sich problemlos ablesen. Die automatische Helligkeitregelung klappte stets problemlos bei meinen Testgerät.Wer häufig auf dem Honor Magic 2 lesen will, weil das Display dafür mehr als eignet ist, kann hierfür den Lesemodus verwenden. Dieser reduziert den Blaulichtanteil des Panels drastisch, wodurch die Augen geschont werden.

Der automatische Kontrast reguliert die Darstellung entsprechend der Umgebungshelligkeit, was im Alltag auch sehr gut funktioniert. Ab Werk ist das Display etwas wärmer eingestellt, jedoch lässt sich die Farbtemperatur in den Displayeinstellungen dem persönlichen Geschmack nach einstellen.Neben dem Lesemodus und automatischen Kontrast gibt noch einen Always-On Modus, dessen Funktionen eher bescheiden sind, da nur SMS oder Anrufe angezeigt werden. Ein Punkt, der schon etwas länger bei der EMUI-Oberfläche von Huawei/Honor kritisiert wird. Andere Apps wie Messenger oder ganz normale Benachrichtigungen aus anderen Apps bleiben hier leider außen vor.Zusätzlich lässt sich die Auflösung von 1080p bei Bedarf auf 720p heruntersetzen entweder per Hand oder automatisch,um Energie zu sparen. Meiner Erfahrung nach bringt das allerdings nur bedingt tatsächlich etwas Spürbares, zumal eine 720p-Auflösung bei 6,4 Zoll schon arg grenzwertig sind, Stromsparen hin oder her.

Ein AMOLED zum schwärmen

Das von BOE Displays hergestellte Panel soll den DCI-P3-Farbraum zu 108% abdecken. Leider kann ich das aufgrund fehlender Messtechnik nicht selbst testen. Grundsätzlich bin ich kein AMOLED-Fan aus verschiedenen Gründen, aber das verbaute BOE-Display im Honor Magic 2 hat es mir als IPS-Fan richtig angetan. Für AMOLED ist die Farbdarstellung endlich natürlich, dazu ist die Blickwinkelstabilität auch hervorragend. Bei der Displayfertigung wurde das Display laminiert, wodurch Reflexionen vorne und von der Seite geringer ausgeprägt sind als bei anderen Display-Panels. Umgekehrt verbessert dies auch die Ablesbarkeit von der Seite erheblich. Mittlerweile ist es bei hochwertigen Displays auch zum Standard geworden, dass der Touchscreen bis zu 10 Berührungen gleichzeitig erkennen und auch sehr genau verarbeiten kann.

Der Kontrast ist für ein OLED-Display – AMOLED ist eine spezielle Variante der OLED-Technologie – auf hohem Niveau und Schwarz ist OLED-typisch echtes Schwarz. Das liegt daran, dass einzelne Pixel bei einem OLED-Panel einfach nicht beleuchtet werden, wenn sie schwarz anzeigen. Aufgrund der technischen Grundlage sind alle Arten von OLED-Panels etwas bis deutlich sparsamer als IPS-Displays, da deren Hintergrundbeleuchtung immer aktiv ist, egal ob sie Schwarz anzeigen oder farbige Inhalte.

Kein Gerät für Video-Streaming-Enthusiasten

Das Display des Honor Magic 2 ist sogar HDR-fähig und liefert bei entsprechendem HDR-Content überragende und lebendige Farben. Ich war doch überrascht, als ich auf dem wunderschönen Display zum ersten Mal ein HDR-Video gesehen habe. So schön wie das Display auch ist, aufgrund mangels Widevine L1 Unterstützung können HDR-Inhalte von beispielsweise Netflix oder Amazon nicht in HD-Qualität wiedergegeben werden.

Nunja, daran merkt zum Beispiel, dass das Gerät nur für den chinesischen Markt gedacht ist. Oder Honor überrascht und liefert ein Update, welches Widevine L1 nach reicht, so wie Xiaomi es bei seinem Pocophone F1 getan hat.

Performance: Keine Kompromisse bei der Leistung

Unter der äußerst schicken Hülle werkelt ein hauseigener HiSilicon Kirin 980 mit acht Kernen. Mit dem Kirin 970 hinkte Huawei-Tochter HiSilicon noch dem Qualcomm-Pendant, dem Snapdragon 845, etwas hinterher, doch mit Kirin 980 macht Huawei einen größeren Fortschritt im Vergleich zu Konkurrenz. Der Kirin 980 war der erste angekündigte/vorgestellte SoC (System-on-a-Chip) im 7nm FinFET-Verfahren, während die Konkurrenz noch größtenteils auf 10nm Strukturbreite setzte. Dazu verwendet HiSilicon wie schon beim Vorgänger Kirin 970 auch eine spezialisierte NPU, diesmal jedoch mit gleich zwei Kernen. Vier der acht Kerne bestehen jeweils aus einem angepassten ARM Cortex A76, wovon zwei Kerne mit bis zu 2,6 GHz takten als Big-Cluster und zwei der Kerne mit bis zu 1.92 GHz als Efficieny-Cluster.

Quelle : Huawei

 

Dazu gesellen sich noch vier Kerne auf Basis des ARM Cortex A55 mit bis zu 1.8 GHz Taktfrequenz als Little-Cluster. Dieser Cluster ist vor allem für einfache Aufgaben und solche, die im Leerlauf des Gerätes anfallen gedacht. Sprich da, wo es nicht zwingend auf pure Leistung ankommt. Huawei nennt dieses Prinzip “Big-Middle-Little”-Verfahren. ARMs DynamIQ-Technologie ermöglicht diesen individuellen Aufbau aus gleichen Kernen des gleichen Typs mit unterschiedlicher Anzahl pro CluTestbericht – ster und Taktung. Der Kirin 980 bringt somit bis zu 75 Prozent mehr Leistung und trotzdem sinkt der Energieverbrauch um bis zu 58 Prozent gegenüber dem Vorgänger-Chip, dem Kirin 970.

Neuer IPS-Chip für bessere Bilder

Selbst der Dual ISP (Image Signal Processor) hat im Vergleich zu seinem Vorgänger 46 Prozent mehr Leistung und bietet eine bessere Unterstützung für Multi-Kameras. Eine neue Technologie für die HDR-Farbwiedergabe und zum sauberen Entfernen von Artefakten in Bildern sowie Videos gehört ebenso dazu. Eine weitere Neuerung des Dual ISP ist die verbesserte Bewegungsverfolgung: Der Kirin 980 kann mit einer um etwa 33 Prozent kürzeren Verzögerung bei der Verfolgung von Objekten im Kamera-Modus aufwarten. Durch die bessere Unterstützung für mehrere Kamerasensoren kann auch Huawei/Honor mehr als nur 2 Kameras verbauen – und genau da liegt Huaweis Vorteil bei der eigenen SoC-Produktion. Wie schon die beiden Vorgänger-Generationen kommt im Kirin 980 mit dem HiSilicon i8 ein spezialisierter Co-Prozessor zum Einsatz, der sich um Sensorik und die Bereitschaftsaufgaben kümmert.

Zwei kleine Gehirne

Erstmals kam eine NPU (Neural Proesscing Unit) im Kirin 970 zum Einsatz, was damals äußerst interessant war. Daher ist das eigentlich Interessante am Kirin 980, dass diese NPU in einer Doppelausführung auf dem Chip steckt. Dabei handelt es sich um eigenständige Recheneinheit, die einzig und alleine für den Bereich künstliche Intelligenz genutzt wird. Sprich alles was Honor im Honor Magic 2 mit AI bezeichnet, greift auf die Fähigkeiten der Dual-NPU zurück. Zurzeit wird sie vor allem für die Objekterkennung auf Bildern wie etwa in der Kamera-App verwendet. Die NPU erkennt dabei die dargestellten Objekte und passt dann dementsprechend die Fotoautomatik an. Ähnlich wie Google es mit Google Fotos in der Suche nutzt, kann auch die NPU Objekte wie zum Beispiel Tiere, Personen oder Gegenstände erkennen.

Quelle : Huawei

Mit dem kleinen Unterschied, dass dies alles lokal auf dem Smartphones passiert und nicht in der mit immenser Rechenleistung vollgestopften Google-Cloud. Zudem muss die NPU per Big Data und Machine Learning im Vorfeld antrainiert werden, um diese Fähigkeit zu erhalten. Zusammen mit einer Cloud-Anbindung könnte in Zukunft ein Netzwerk aus zig Tausenden in Smartphones verbauten NPUs dieses Machine Learning weiter fortführen und verbessern, um so die NPU-Fähigkeiten im Laufe der Zeit stetig weiter zu verbessern.Huawei nutzt für die Berechnung der Leistung die Geschwindigkeit bei der Erkennung von Bildern. Hierbei gilt, dass 4.500 Bilder pro Minute einer Leistungssteigerung um 120 Prozent entsprechen verglichen zum Vorgänger-Chip. Die NPUs sollen hierbei nicht mehr nur grobe Umrisse von Objekten erkennen, sondern auch zwischen feinen Details differenzieren können. Im Vergleich zur Single-NPU ist die Dual-NPU nun in der Lage statt nur Bilder auch Videos in Echtzeit zu bearbeiten. Zur Vorstellung des Kirin 980 wurde der Hintergrund bei einem Jogger an der Hafenpromenade gegen einen Park getauscht – nahezu in Echtzeit.

Topaktuelle Grafikhardware

In puncto Grafikeinheit setzen die Chinesen auf eine ARM Mali-G76 und deren Weiterentwicklung der Bitfrost-Architektur. ARM verspricht eine bis zu 46 Prozent gesteigerte Leistung gegenüber der Mali-G72, die auf der ersten Generation der Bifrost-Architektur basiert. Nur beim Wechsel von der ersten auf die zweite Generation belässt es Huawei nicht, denn die Chinesen verbauen die G76-Variante MP10 was nichts anderes bedeutet, dass ganze 10 Cluster vorhanden sind. Jedoch ist deren Rechenleistung so hoch, dass sie mit der ARM Mali-G72 MP20 vergleichbar sind. Huawei verspricht damit dennoch eine um etwa 178 Prozent gesteigerte Effizienz. Der exemplarische Energieverbrauch in dem Android-Spiel NBA2K18 soll bei 43,7 mW pro Frame liegen, eine Adreno 630 GPU des Snapdragon 845 soll für denselben Frame 64,5 mW benötigen.

Genügend RAM für alle Lebenslagen

Damit es mit dem flüssigen Multitasking klappt, setzt Honor auf einen anständig dimensionierten Arbeitsspeicher von 6 oder 6 GB LPDDR4X. Als Datenspeicher kommt schneller UFS2.1-Speicher zum Einsatz, bei welchem die Wahl zwischen 128GB und 256GB liegt. Eine Speichererweiterung mittels microSD gibt es dieses Mal nicht, daher ist die Wahl des internen Speichers durchaus wichtig.

Leistung allererster Güte

Wo es beim Honor V10 und den ersten Firmwares noch leicht geruckelt hatte, wurde beim Honor Magic 2 nachgebessert und vom Start an besser optimiert. Bei ersten getesteten Spielen oder Leistungshungrigen Apps traten bei mir keine Probleme auf. Es scheint mir so, als hätte Honor dieses mal eine bessere Symbiose zwischen Hard- und Software gefunden und aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Nach ersten Tests zeigte sich die Hardware-Kombo als ungemein flüssig. Kurze Pause; Wartezeiten beim Öffnen von Apps, eine ruckelnde Oberfläche? Nix davon habe ich während meines Testzeitraums feststellen können. In den Tagen die ich das Honor Magic 2 nun nutze, habe mich über die Leistung nicht im geringsten beklagen können, eher im Gegenteil. Im Praxiseinsatz zeigt das Honor Magic 2 eine hervorragende Spieleleistung – anspruchsvolle Titel wie Asphalt 9, Need for Speed Most Wanted oder auch Real Racing 3 laufen flüssig und ohne Lags oder Framedrops. Nach einer Stunde erhitzt sich das Honor Magic 2 zudem lediglich auf 36 Grad, dies ist zwar spürbar aber nicht weiter störend.

Hier noch etwas „Zahlenporno“

Audio und Sprachqualität

Der Lautsprecher des Honor Magic2 ist laut, er ist aber etwas leiser verglichen zum Lautsprecher des Xiaomi Mi Mix 3, klingt dafür aber etwas voluminöser. Bei höchster Lautstärke ist der Klang insgesamt ausreichend klar, aber ab ca. 85 Prozent werden Höhen etwas zu deutlich betont. Anders als bei der ersten Generation des Honor Magic muss man beim Magic 2 auf den klassischen Klinkenanschluss für Kopfhörer verzichten. Sprich die Musik für Kopfhörer und Co. kommt entweder über den USB-Typ-C-Anschluss oder über einen Adapter für USB Typ-C. Honor legt einen solchen Adapter glücklicherweise mit dazu. Hier muss allerdings jeder für sich entscheiden, ob dies ein Nachteil oder ein Vorteil ist. Ich persönlich nutze eher USB-Kopfhörer mit Typ-C oder – um solchen Diskussionen zu entgehen – Bluetooth.

Viele Möglichkeiten zum Feintuning

Allerdings erhält man dafür mal wieder eine Vielzahl an Audio-Optionen. Man hat jetzt zum Beispiel die Wahl zwischen mehreren Bluetooth-Codecs wie SBC, AAC, LDAC, oder auch HWA. Trotz des Kirin 980 verwendet Honor die Codecs von Qualcomm. sprich das Honor Magic 2 unterstützt die Qualcomm-eigenen Codecs aptX und aptX HD. Lediglich auf aptX Adaptive muss das Honor Magic 2 verzichten. Der Klang über Kopfhörer bzw über den Typ-C-Klinkenadapter ist angenehm klar und dank Equalizer lässt sich der Sound bestmöglich an den eigenen Kopfhörer oder Geschmack anpassen.

 

 

Die Sprachqualität über den Telefon-Lautsprecher selbst ist angenehm klar und die Lautstärke der Ohrmuschel ist ausreichend laut. Störgeräusche während eines Telefonats gab es zu keinem Zeitpunkt, mein Telefonpartner konnte mich laut und deutlich hören sowie verstehen. Die Geräuschunterdrückung hat ebenfalls hervorragend funktioniert.

Konnektivität

Bei den Kommunikationsschnittstellen lässt sich Honor nicht lumpen und verbaut so ziemlich alles was es derzeit gibt und dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Neben den Smartphones Xiaomi mit seinen Modellen Mi 8, Mi 9 und Mi Mix 3 ist Honor erst der zweite Hersteller überhaupt, der auf Dual GPS zurückgreift.

Das bedeutet, dass der HiSilicon Hi1103 GPS-Chip simultan GPS-Signale von zwei Frequenzen verarbeiten kann: E1/E5a des europäischen Galileo-Systems und L1/L5 des amerikanischen GPS. Durch die zusätzliche Nutzung der E5a/L5 Frequenzen sorgt dies für eine deutliche Reduzierung des sogenannten Multipathing-Effektes, sprich die Reflektion von Satellitensignalen an Häusern oder Felswänden. Vereinfacht gesagt sorgt diese Eigenart für eine erheblich bessere Genauigkeit, wie sie sonst normalerweise nur im kommerziellen Flugbetrieb zur Anwendung kommt.

Die Frequenzen laut HiSilicon

  •     BeiDou (China): B1
  •     Galileo (Europa): E1 und E5a
  •     GLONASS (Russland): L1
  •     GPS (USA): L1 C/A und LA
  •     QZSS (Japan): L1 und L5

In der Praxis hat das Ganze auch überraschend gut funktioniert, der Fix gelang bei guten Wetter nach etwa einer Sekunde und bei bewölkten Himmel waren es ebenfalls sehr flotte vier Sekunden. Es wurden in der Regel immer zwischen 20 und 27 Satelliten gefunden, was ein sehr stabiles Signal garantiert. Meiner Meinung nach sollten wesentlich mehr Geräte in Zukunft auf Dual GPS setzen.

 

Mobilfunk State of the Art

In Sachen Mobilfunk selbst werden zahlreiche Handynetze unterstützt: Vier Frequenzen im GSM-Standard, neun UMTS-Frequenzen und 13 weitere Frequenzen wenn man über LTE surft. Jedoch ist das Honor Magic 2 für den chinesischen Markt entwickelt, somit fehlt wieder das LTE-Band 20, womit das Honor-Smartphone nur bedingt weltweit LTE-tauglich ist. Vor allem in Deutschland wird das fehlende LTE-Band 20 eine Rolle spielen. Kurzum, Kunden von o2 und zum Teil auch von Vodafone müssen sich damit abfinden, dass das schnelle Surfen über LTE nicht überall genutzt werden kann, wo auch LTE tatsächlich verfügbar ist.

Der mobile Empfang über LTE an sich oder H+ klappt problemlos. Als weltweiter Ausrüster für Kommunikationstechnik darf im Honor Magic 2 weder VoLTE noch das immer populärer werdende Wifi Calling nicht fehlen. Noch ein weiter Vorteil wenn die SoC- Entwicklung und -Produktion in eigener Hand ist: Man kann neue Features mit einbauen wie etwa LTE auf beiden SIM-Karten und daszeitgleich im Dual-SIM-Betrieb. Es funktionierte sogar erstaunlich gut, ich war doch sehr positiv überrascht. Damit könnte man das fehlende LTE-Band 20 mit einer SIM-Karte der Telekom zumindest etwas kompensieren. So rein theoretisch natürlich. ;)

Empfangsprobleme gleich Null

Der mobile Empfang über LTE, H+ oder Edge klappte stets problemlos. Ich hatte im städtischen Raum genauso wie auf dem Land fast immer volle Signalstärke in Netzen mit LTE und H+, selbst in einer Hochhaussiedlung und in Innenräumen. Zudem kann der Kirin 980 mit dem 5G-Modem von HiSilicon, dem Balong G501 kombiniert werden – womit das Honor Magic 2 theoretisch auch mit 5G funktionieren würde. Soweit ich informiert bin gibt es in Shenhzen bereits erste Stadtteile, in denen mit 5G-Netzen im kommerziellen Probebetrieb experimentiert wird. Der Weg für ein Honor Magic 2 5G ist damit durchaus geöffnet.

WLAN und die Theorie

Das Dualband-fähige WLAN-Modul mit MU-MIMO unterstützt die WLAN-Standards 802.11 a/b/g/n bis hin zum schnelleren ac-Standard. Dank dem HiSilicon Hi1103 und dem 2×2-160MHz-Aufbau sollte theoretisch eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 1,7 Gigabit pro Sekunde möglich sein. Ich schaffe mit meinen Router, welcher auch WLAN-ac unterstützt, knappe 900 MBit/s – Stichwort Theorie und Praxis. Außerdem unterstützt das Modul auch Miracast, DLNA und Wifi Direct. Letzteres allerdings durchaus hin und wieder etwas zickig mit anderen Geräten, die auf ein nacktes Android ohne größere Veränderungen setzen. Das kann mitunter echt nervig werden.

Im Bereich Bluetooth setzen die Chinesen auf den aktuellen Bluetooth 5.0 Standard. Auch NFC gibt es wieder, dem drahtlosen Bezahlen per Smartphone und Google Pay steht damit nichts im Wege.

Akku

Beim Honor Magic 2 setzen die Chinesen auf einen 3500 mAh großen Akku, was laut PC-Mark für gut 13 Stunden und 14 Minuten Ausdauer reicht. Allerdings sollte man sich immer vor Augen halten, dass es sich nur um einen synthetischen, sprich einen simulierten Test handelt. Durch die gute Optimierung der Hardware-Treiber und dem sparsamen AMOLED-Display (wir erinnern uns, bei schwarzen und beleuchteten Inhalten) hält das Honor Magic 2 länger durch als Smartphones mit vergleichbar großen Akkus. Während meiner realen Nutzung des Honor Magic 2 musste ich fast alle 2 bis 3 Tage an die Stromtanke, dabei lag der DoT-Wert (Display on Time) zwischen 4-10 Stunden, je nachdem wie ich das Magic 2 genutzt habe.

Die Krux mit den Schnelllade-Standards

Das mitgelieferte Netzteil liefert 2A bei 5V, 2A bei 9V und 4A bei 10V, was nach der Formel für die Leistungsberechnung (P = U x I) etwa bis zu 40 Watt ergibt. Und ja, das Netzteil liefert in der Tat 40 Watt in der Spitze und dementsprechend sollte das Honor Magic 2 schnell geladen sein. Während das Honor V10 mit Kirin 970 noch mit Quick Charge 3.0 von Qualcomm kompatibel war, funktioniert das Magic 2 nicht mehr mit QC3.0-kompatiblen Netzteilen. Stattdessen klappen nur noch Netzteile mit USB Power Delivery ab 20 Watt. Weil ich es einfach wissen wollte, habe ich das Honor Magic 2 mit unterschiedlichen Netzteilen geladen. Einmal mit einem 40-Watt-Netzteil, ein weiteres Mal per Quick Charge 4 Plus und einmal mit meinem eigenen Standardnetzteil (2,5A).

Mit SuperCharge von Huawei ist das Honor Magic 2 sogar in nur 43 Minuten vollgeladen. Interessant zu wissen, dass das 40-Watt-Netzteil nur 13 Minuten braucht, um die Hälfte des Akkus im Honor Magic2 wieder aufzuladen. Während das Honor Magic 2 bei einem Netzteil mit Quick Charge 4 Plus gerne etwas herum zickt, braucht es mit einem Netzteil und QC 4.0 Plus als Schnellladetechnik eine knappe Stunde. Immerhin erkennt es die Schnelllade-Technologie. Zu guter Letzt habe ich es noch mit meinem privaten 2,5A Standardladegerät getestet und da war das Smartphone in gut 2 Stunden und 20 Minuten vollgeladen.

Kein Wireless Charging

Trotz „Glasrückseite“ hat Honor beim Magic 2 auf Wireless Charging verzichtet. Ob das jetzt ein Nachteil ist, muss jeder für sich entscheiden. Mich persönlich stört es nicht, da Honor eh das 40-Watt-Netzteil dazu legt und damit schließlich verdammt schnell geladen werden kann. Wenn es Abends mal etwas später wird, kann der Stromsparmodus aktiviert und somit die Akkulaufzeit etwas verlängert werden.

Mehr Saft aus dem Akku quetschen

Mit vielen Features war Huawei/Honor und seiner Magic-Oberfläche dem Stock Android von Google schon immer recht weit voraus. Insbesondere bei den Einstellungen für Teilaspekte des Betriebssystems und da im Speziellen den Optionen zum Akku. Im Einstellungspunkt „Energieverbrauch verwalten“ lässt sich der Stromverbrauch einzelner Apps beeinflussen. Man kann zum Beispiel Hintergrunddaten, Internetaktivitäten und den Ortungsdienst beschränken. Solche Feinheiten waren erst nach und nach in das Kernsystem von Android eingeflossen.

Im Akkumanager lässt sich wiederum der Energieverbrauch einzelner Apps beeinflussen, was sich auf die Leistung von CPU/GPU bezieht. Außerdem kann man hier der Ultrastormsparmodus aktivieren. Mit dem Modus werden die Displayauflösung von FullHD+ auf HD herunterskaliert, die Leistung der CPU beschränkt, sowie etliche Hintergrunddienste beendet, der mobile Datenverbrauch von Apps erheblich eingeschränkt und Apps noch aggressiver geschlossen – kurzum, Honor versucht das System auf ein Minimum der Leistungsfähigkeit zugunsten eines besonders geringen Stromverbrauchs zu trimmen..

Kamera

Die Hauptkameras des Honor Magic 2 besteht aus gleich zwei 16 Megapixel auflösenden RGB-Sensoren und einem 24 Megapixel auflösenden Monochrom-Sensor. Leider lassen sich die genauen Sensor-Bezeichnungen beim Honor Magic 2 nicht herausfinden, zumindest nicht von offizieller Seite. Allerdings konnte ich nach tagelanger Recherche herausfinden, dass es sich im Magic 2 wohl bei den beiden Farbsensoren um einen Sony IMX519 und einen Sony IMX481 mit jeweils 16 Megapixel Auflösung handeln muss. Der Monochrom- Sensor mit 24 Megapixel Auflösung wiederum scheint ein Sony IMX550 zu sein. Zumindest behauptet dies ein Forenteilnehmer. Ob das der Wahrheit entspricht kann ich leider nicht sagen. Ich hatte zwar auch meinen Kontakt bei Huawei/Honor angefragt, aber auch er konnte mir leider nichts genaueres zu den Kamera-Chips sagen.

Beim IMX519 und IMX481 kommt jeweils eine Blende mit f/1.8 zum Einsatz, die Pixelgrößen der Sensoren liegen bei 1.22 μm (IMX519) und 1.0μm (IMX481). Der IMX550 wiederum muss sich mit einer Blende von f/2.2 und 0.9 μm Pixelgröße zufrieden geben. Hinweis: Je größer die Pixel der Sensoren, umso mehr Licht können sie aufnehmen unabhängig von der Blende und umso heller und detailreicher werden die digitalen Aufnahmen. Dank des IMX481 lässt sich beim Honor Magic 2 bis zu 2x optisch Zoomen dank eines Teleobjektivs. Außerdem wird über den zweiten Sensor der so beliebte Bokeh-Effekt ermöglicht. Weitwinkelaufnahmen und richtige Monochromaufnahme sind dank des IMX550 und dessen Weitwinkelobjektiv möglich. Auf einen optischen Bildstabilisator muss man leider verzichten, denn dafür nutzt Honor einen „AIS“, kurz einen AI-gestützten elektronischen Bildstabilisator.

Bei der Frontkamera setzen die Chinesen auf eine 16-Megapixel-Knipse. Zur Unterstützung bei Selfies kommen zudem noch zwei zusätzliche 2-Megapixel-Kameras zum Einsatz. Diese sollen für Bokeh-Effekte und Gesichtserkennung sowie weitere Spielereien zum Einsatz kommen.

Klasse Fotos

Fotos des Honor Magic 2 fallen scharf und detailreich aus. Farbkontraste fallen im Vergleich zum Xiaomi Mi Mix 3 etwas schlechter aus, jedoch spielt hierbei die Software eine große Rolle. Nach den ersten Updates wurde die Bildqualität allmählich besser. Der AI-Modus versucht aufgenommene Fotos zu verbessern und erkennt auch das aufzunehmende Motiv, teilweise sogar besser als das Mi Mix 3 im direkten Vergleich. Bei dem Versuch bleibt es dann aber auch meistens. Denn: Im AI-Modus werden Fotos zu bunt und die Schärfe ist dann übertrieben hoch. Kurzum, die KI von Honor greift für meinen GEschmack zu aggressiv in die Aufnahme ein. Gegenlicht aus dem Schatten heraus sowie Makroaufnahmen meistert das Honor Magic 2 meistens problemlos. Dank DualPixel-Technologie, die man als professionell ausgerichteter Fotograf bereits aus digitalen Spiegelreflexkameras wie der Canon EOS 80D her kennt, klappt das Fokussieren von Motiven sehr schnell. Die DualPixel wirken sich auch positiv auf Bildschärfe sowie Belichtung aus, denn diese sind sehr ausgewogen. Auch das Bildrauschen hält sich dadurch weitgehend in Grenzen.

Aber was bedeutet das jetzt genau? Alle Pixel auf der Sensorfläche des Kamerasensors besitzen zwei getrennte Fotodioden, wovon eine für den Autofokus mit Phasenerkennung zuständig ist und die andere das eigentliche Bild generiert. Bei schlechtem Licht kommt die technische Neuerung bezogen auf größere Pixel und Blende erst richtig zur Geltung, daher sind größere Pixel und zwangsweise ein größerer Sensor immer besser.

Huawei/Honor hatte schon in der Vergangenheit eine starke Low-Light Performance bei seinen Kameras und dem sind die Chinesen auch beim Honor Magic 2 treu geblieben. Dank des weiter verbesserten Nachtmodus lassen sich recht gute Low-Light Aufnahmen mit dem Magic 2 schießen, vorausgesetzt man verwendet ein Stativ. Grund ist, dass die Macher des Honor Magic 2 auf einen konventionellen Nachtmodus setzen, sprich durch lange Belichtungszeiten. Allerdings funktioniert dieser semiautomatisch: Entweder überlässt man der KI die Entscheidung wie lange die Belichtungszeit gehen soll oder man legt diese selbst fest. In der Praxis lag die KI zu 90 Prozent richtig mit der Belichtungszeit. Ich hatte das Gefühl, je öfter man sie nutzt, umso treffsicherer wird sie. Anscheinend lernt die KI wirklich dazu, was Huawei und Honor zu dem Kirin 980 immer wieder behaupten.

Ich hab die Bilder mit der orignalen Auflösung in unseren Google Foto Account hochgeladen.
Der Link befindet sich immer unter der Galerie der Fotos.

Foto mit der Standardlinse

Fotos mit der Standardlinse (Honor Magic 2)

Weitwinkelaufanahmen

 

Weitwinkelaufnahmen (Honor Magic 2)

Bokehaufnahmen

 

 

Bokehaufnahmen (Honor Magic 2)

Nachtaufnahmen

 

Nachtaufnahmen (Honor Magic 2) 

Bei Dämmerung

 

Bei Dämmerung (Honor Magic 2)

Schwarzweisssaufnahmen

 

Schwarzweissaufnahmen (Honor Magic 2)

Panoramaaufnahme

Videos sind besser geworden

Auch bei Videoaufnahmen hat Honor auf den ersten Blick dazugelernt. Eine der Neuerungen des Honor Magic 2 im Videobereich ist die Unterstützung von 4K-Aufnahmen, auch wenn diese es leider nicht mit der Konkurrenz aufnehmen können. Aber immerhin ist 4K endlich auch möglich.

Timelapse Video des Magic 2

Honor Magic 2 Timelapse

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Neben 4K gibt es auch Modi mit 1080p bei 60fps oder 30fps, FullHD Plus (1080 mal 2340 Pixel) und 720p. Für Fans der Zeitlupe gibt es Aufnahmen mit bis zu 480 fps und 120fps. Die Aufnahmen werden jeweils in 720p oder 1080p abgespeichert.Neben Zeitlupe gibt es noch Zeitraffer in 720p.

Neue Kamera-App mit mehr Features

Bei der Kamera-App handelt es sich um die gleiche App mit wie beim Huawei Mate 20 Pro, mit Monochrom-Modus und dem bei Food-Bloggern beliebten Food-Modus. Die App ist recht einfach und verständlich aufgebaut, bietet viele Modi wie zum Beispiel Panorama, HDR, Nachtaufnahme, Lichtmalerei, Online-Übersetzung, Objektiverkennung, 3D-Panorama (Google PhotoSphere lässt grüßen) und AR-Objekt (Modus).

Wer sich nicht auf die Automatik verlassen möchte oder mehr aus der Kamera herausholen möchte, für den gibt es einen manuellen Pro-Modus. Im Gegensatz zur Xiaomi Kamera-App bietet dieser sehr viele Einstellmöglichkeit wie Belichtungszeit, Fokus, Weißabgleich und so weiter. Neu ist hingegen ein professioneller Video-Modus, in dem fast die gleichen Einstellungen zu finden sind wie im manuellen Modus für Fotos. Nur auf die Belichtungszeit muss man verzichten.

Firmware: Mehr Emanzipation von Huawei

Huawei ist einer der wenigen Hersteller, die eine relativ aktuelle Firmware auf ihren Smartphones nach dem Release ausliefern. Denke ich zum Beispiel an LG, dann ist das sogar richtig schnell. So auch das Honor Magic 2, welches direkt mit Android 9 Pie und der aktuellen hauseigenen Oberfläche Magic UI in der Version 2.0 kommt. Moment mal – war das früher nicht EMUI? Richtig, aber das war einmal, Honor möchte sich künftig etwas stärker vom Mutterkonzern Huawei abheben und das geht nunmal auch über die Oberfläche.

Die Krux mit den Hersteller-Oberflächen

Mit Android und Hersteller-eigenen Nutzeroberflächen ist das ja so eine Sache. Es gibt zig verschiedene Oberflächen, egal ob HTC Sense, Samsung Experience respektive jetzt One UI, Xiaomi’s MIUI, Flyme OS von Meizu und so weiter und so fort. Entweder man mag sie, oder eben nicht.

Features, die auch sinnvoll sind

Darüber hinaus hat das Honor Magic 2 bewiesen, dass die Chinesen in der Lage sind, eigene Software-Features mit einen gewissen Mehrwert im Gerät zu integrieren. So zum Beispiel die bessere Rechteverwaltung für Apps als zum Beispiel unter Stock Android oder die bereits weiter oben erwähnte Energieverwaltung. Außerdem gibt es im Honor Magic 2 auch viele nützliche Gimmicks wie die WLAN+, womit sich bei schlechter mobiler Internetverbindung automatisch das WLAN zusätzlich verbinden lässt. Ein weiteres positives Beispiel ist die vorinstallierte Bloatware, die sich vollständig deinstallieren lässt. Übrigens zieht Honor mit dem dem Honor Magic 2 zum Teil ihr Motto durch „Wir brauchen keine App-Übersicht“. Wobei ich nach wie vor sagen muss, dass ich davon nicht wirklich ein Freund bin. Von Haus aus ist kein App-Drawer aktiviert, aber in den Einstellungen lässt sich der App-Drawer wieder auf Wunsch aktivieren. Immerhin.

Einrichtung von Magic 2

Rundgang und Einstellungen 

 

Löschbare Bloatware

 

 

Trügerische (Software)Freiheit

Hier kommt auch der größte Vorteil seitens Android zum Tragen – die Freiheit eigentlich (fast) alles anzupassen. Hier liegt die Betonung auf eigentlich: Unter der China-Version der Magic UI sowie EMUI 9.0 werden Drittanbieter-Launcher wie zum Beispiel der Nova Launcher, Apex Launcher usw. blockiert. Huawei/Honor begründen dies mit „Sicherheit“. Allerdings lässt sich über Umwege dennoch ein Drittanbieter-Launcher installieren. Dazu muss man über ADB den Huawei Launcher löschen und anschließend beispielsweise den Nova Launcher per APK manuell nachinstallieren. Dabei gehen leider ein paar Sonderfunktionen der Magic UI verloren wie zum Beispiel die Gesten zur Bedienung.

Wobei das meiner Meinung nach nur eine Ausrede ist um zu kontrollieren, was installiert werden kann und was nicht. Wer sich dann überlegt mit Root etwas mehr machen zu können, den muss ich an dieser Stelle leider enttäuschen: Seit 2018 gibt es keine Möglichkeit mehr den Bootloader zu entsperren, weil Huawei/Honor keinen Unlockcode mehr herausgibt. Hier muss jeder für sich entscheiden, ob dieser Punkt jetzt ein Nachteil ist oder nicht. Für mich ist es einfach eine extreme Einschränkung der Freiheit von Android.

China und der IR-Sensor

Noch ein kleiner Nachteil des „CNMagic2“ ist die Remote-App, welche sich den IR-Sender zunutze macht – oder auch nicht, sofern man sich außerhalb von China befindet. Der Grund ist, dass die App ausschließlich mit einer chinesischen IP-Adresse funktioniert und diese bekommt man nicht so ohne Weiteres in Europa. Zum Glück gibt es im Google Play Store einige brauchbare Alternativen für die Honor-eigene App. Ich befürchte, wenn Huawei bzw Honor noch weitere Einschränkungen einführt, könnten wir die Geräte, die für den chinesischen Markt gedacht sind, nicht mehr in Europa nutzen, was doch ein wenig schade wäre.

Etwas überraschend und einmalig in der Geschichte von Honor/Huawei ist, dass in der chinesischen Firmware das komplette Google-Framework bzw die Google Play Services nebst Google Contact Sync ab Werk integriert sind. Man braucht quasi nur noch den Google Play Store als APK installieren und schon hat man komplett funktionierende Google-Dienste auf dem Honor-Smartphone. Damit es noch mit Synchronisation der Kontakte klappt, muss man der App „Contact Sync“ Leserechte gewähren und das war es schon.

Fazit Technisch spannend mit kleinen Fehlern bei der Software

Mit dem ersten Magic hatte Honor für frischen Wind in einiger Hinsicht gesorgt. Mit dem Honor Magic 2 wird dieser Weg auf andere Weise fortgesetzt: Mit dem Slider-Mechanismus und den beiden Triple-Kameras. Die Performance, sprich die Leistung die man tatsächlich spüren kann, ist über jeden Zweifel erhaben. Selbst bei den Kameraqualitäten kann ich nur wenig meckern, insbesondere im Videobereich. Das die KI gerne mal zu ambitioniert eingreift, ist eine andere Geschichte.

Wo das Honor Magic 2 Federn lassen muss ist bei der Software. Manchmal ist sie etwas zu überladen und greift für meinen Geschmack zu tief in Android ein. Auf der anderen Seite wiederum bietet das Smartphone genügend Features, die es von der Konkurrenz abhebt. Leider sind einige Funktionen nur in China wirklich nutzbar und hier verschenkt honor eindeutig Potenzial. Würde das Magic 2 auch in einer “Worldwide Edition” angeboten, könnte Honor viele neue Fans gewinnen, die nach etwas Besonderem suchen.

So bleibt mir nur zu sagen, dass das Honor Magic 2 vieles richtig macht, sofern man bereit ist Einschränkungen in Kauf zu nehmen und bereit ist, auch an der Software etwas herum zu basteln. Der größte Teil der Einschränkungen erblasst aber in meinen Augen definitiv mit dem Blick auf den Slider und der damit einhergehenden Einzigartigkeit im heutigen Einheitsbrei der Android-Smartphones.

9.1
Score
[Test/Review] Honor Magic 2 – Nicht alles daran ist awesome magic
Positiv
hervorragendes Display
sehr gute Performance
Gute Akkulaufzeit
Gutes Zusammenspiel zwischen Kamerasensor und Kamerafirmware
schnelle Aufladung dank 40 Watt Ladegerät
Gute Firmware
Negativ
Kein Unlock des Bootloader mehr möglich
Kein Launcherwechsel mehr möglich ohne Umwege
slider etwas wackelig
AI Funktionien nur zum Teil für Europa nutzbar

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