[Test/Review] Xiaomi Mi Mix 3: Gelungenes Slider-Comeback

Vor 2 Jahren brachte Xiaomi mit dem Xiaomi Mi Mix ein Smartphone im sogenannten Tri-bezel-less-Design auf dem Markt, welches das erste seiner Art war. Ich hatte es damals auch im Test. Kurzum ein Smartphone mit viel Display und extrem wenig Rahmen.Dann haben ein paar andere Hersteller aus China das Konzept mehr oder weniger gut übernommen, aber so richtig setzte sich das Design bei größeren Herstellern nicht durch. Stattdessen setzte sich die geliebte sowie gehasste Notch durch, weil zahlreiche Produktdesigner im Glauben sind “Wenn bei Apple so etwas geht, dann klappt es sicherlich auch bei uns”. Allerdings könnte vielleicht 2019 Schluss mit dem Trend sein, wenn man sich die aktuellen Leaks der großen Hersteller anschaut.Mit dem Xiaomi Mi Mix 3 wird diese Tradition nun in der mittlerweile dritten Generation weitergeführt. Aber eben sinnvoll verbessert und vor allem auch weitergedacht. Anders als bei dem Oppo Find X mit seiner motorisierten Kamera-Einheit oder dem Vivo Nex mit einer Selfie-Cam, die komplett im Gehäuse verschwindet, setzt Xiaomi auf einen manuellen Slider-Mechanismus. Wie sich der Ansatz mit Slider und das Xiaomi Mi Mix 3 ansich in meinen Alltag geschlagen hat, erfahrt ihr in unserem Testbericht.

 

Verpackung und Lieferumfang

Smartphones aus China brachte man meistens mit günstig oder sogar billig in Verbindung, was sich nicht selten bei tatsächlich günstigeren Modell bei der Verpackung auch zeigt. Inzwischen haben die Chinesen dazu gelernt und wollen ja auch konkurrenzfähig sein gegenüber anderen „westlichen Herstellern”. So zu sehen beim Xiaomi Mi Mix 3, denn hier hat der Vorgänger es bereits vorgemacht, wie ein Premium-Smartphone verpackt sein kann. Der Karton ist in einem mattierten Schwarz gehalten, auf dessen Oberseite nur noch „Mix“ anstelle von „Mix designed by Xiaomi“ eingestanzt ist, wie es noch bei dem allerersten Xiaomi Mi Mix der Fall war. Nimmt man den Deckel ab, erscheint eine chinesische und englische Widmung an die Käufer des Xiaomi Mi Mix 3 und eine Unterschrift, wahrscheinlich vom CEO persönlich. Edles Understatement in Reinkultur, wenn man so sagen will.

Interessant war noch die Schachtel vom ersten Mi Mix: Anstatt einfach den Deckel anzuheben und anschließend das Smartphone zu erblicken, musste man den eigentlichen Inhalt in der separaten Pappbox seitlich herausziehen und diese aufklappen. Beim Nachfolger hat Xiaomi das Konzept aufgegeben und hat sich für eine normale Verpackung entschieden, was ich etwas schade finde.

Im Bezug auf das mitgelieferte Zubehör beschränkt sich Xiaomi diesmal nicht auf das Nötigste – Neben dem wunderschönen Xiaomi Mi Mix 3 befindet sich ein USB-Kabel vom Typ C in der Schachtel, ein Adapter für Kopfhörer mit Klinkenstecker, ein Netzteil mit Quick Charge 3.0 für China, SIM Eject Tool und eine Hülle aus Kunststoff. Früher gab es statt dieser eine Hülle aus Leder. Allerdings legt Xiaomi quasi als „Trost“ ein 10 Watt starkes Wireless Charging Ladepad dazu. Insgesamt hat Xiaomi sich bei dem Zubehör echt ins Zeug gelegt. Aber anders kenne ich es persönlich auch nicht von der Mi-Mix-Reihe.

Design und Verarbeitung

Auf der Frontseite befindet sich das 6.4 Zoll große Display mit der nach wie vor scharfen Auflösung von 2180 x 1.080 Pixel. Das 18:9 Seitenverhältnis bleibt erhalten, womit das Display fast die kompletten Front einnimmt. Wie schon beim Vorgänger Xiaomi Mi Mix 2s wird das Display durch Corning Glas 5 vor lästigen Fingerabdrücken und Kratzern geschützt. Wobei es bei Kratzer so eine Sache ist: Ich hatte bis jetzt noch kein Corning-Glas was wirklich vor Kratzer geschützt hat. Nach 2-3 Monaten waren nahezu immer schon die ersten Microkratzer drin. Deshalb ist auch Panzerglas bei meinen Geräten absolute Pflicht. Bei  Fingerabdrücken klappte es hingegen bis jetzt immer recht gut.

Das 6.4 Zoll große Display ist eine der wichtigsten Eckdaten des Modells, welches quasi genauso groß wie mein altes Nexus 7 ist. Zumindest mit dem 7 Zoll großen Display, wenn nur die Größe des Displays hervorgehoben wird. Was man noch vor ein paar Jahren für totalen Blödsinn hielt, ist mittlerweile Standard geworden. Die Geräte werden dank kompakter Bauweise trotz größer werdenden Displays immer handlicher. Spätestens an dieser Stelle wird man hellhörig. Um dieses fantastische Verhältnis zwischen Display und Gerätefront – wir sprechen hier von satten 93,4 Prozent – muss der Rahmen entsprechend schmal sein.Von chinesischem Copycat kann da keineswegs mehr die Rede sein, zumindest nicht bei der Mi-Mix-Reihe. Bei der Mi Mix 3 ist Xiaomi leider wieder in alte Muster gefallen und hat Apples iPhone unübersehbar ein wenig kopiert. Schade eigentlich, Xiaomi hat mit der Mi-Mix-Reihe bewiesen, dass sie eigenes Design können. Nichtsdestotrotz ist Xiaomi ein Innovationen voran treibendes Unternehmen geworden.

Auf der oberen Seite zwischen Display und Rahmen befinden sich wie bei nahezu jedem handelsüblichen Smartphone die Sensoren für Annäherung und Helligkeit. Trotz kleiner Rahmen schafft es Xiaomi noch zwischen Rahmen und Display eine weiße Status-LED zu verbauen. Hier hätte ich mir wieder eine farbige LED gewünscht, aber das scheint bei Xiaomi-Leuten passé zu sein.Anders als noch bei den Vorgängern, wo die Frontkamera unten am Display im „Kinn“ verschwunden war, hat sich Xiaomi für den cooleren Slider-Mechanismus entschieden. Was zwei Vorteile mit sich bringt: Erstens steht mehr Fläche für Display zur Verfügung, sprich die Notch wird überflüssig, und zweitens können vernünftige Kameras verbaut werden.

Im Fall des Xiaomi Mi Mix 3 ist dies sogar ein Dual-Kamera-Setup, bestehend aus einem Sensor mit 24 Megapixel und einem zweiten Sensor mit 2 Megapixel. Dazu schafft es Xiaomi noch eine Foto-LED zu verbauen. Platz ist im Grunde unter dem Slider ja genügend vorhanden. Oberhalb der Kameras sitzt noch die Ohrmuschel für Telefonate. Beim Display-Bauteil des Sliders sitzt nur eine kleine Durchführung damit der Klang besser zum Ohr des Nutzer gelangt. Tippt man auf dem Touchscreen schlägt der Slider an die Unterseite des Xiaomi Mi Mix 3, was zu einem leichten Klopfen wird.Allerdings muss ich an dieser Stelle sagen, dass eine gewisse Toleranz zwischen der Display-Einheit und der Unterseite sein muss, damit der Slider überhaupt reibungslos hin und her gleiten kann. Aus Nostalgiegründen hab ich meine alten Slider-Smartphones wie etwa das HTC Touch Pro 2 mit Windows Mobile 6.5, Sony Ericsson Xperia Mini Pro mit Android 2.3 Gingerbread und das Blackberry Priv aus meiner Sammelvitrine genommen und mit den Xiaomi Mi Mix 3 vergleichen.

Alle Geräte haben etwas Spiel, weswegen ich dieses Verhalten mal ein wenig als normal abstempel. Wenn man wirklich genau hinsieht und das Xiaomi Mi Mix 3 gegen das Licht hält, erkennt man auch einen minimalen Spalt. Es gibt auch ein leichtes Spiel nach links und rechts, was allerdings recht minimal ausfällt. Es ist nicht weiter störend, aber eine Erwähnung ist es wert. Aber Moment mal – wie hat Xiaomi denn den Mechanismus für den Slider des Xiaomi Mi Mix 3 überhaupt umgesetzt? Das Smartphone besteht im Grunde genommen aus zwei Teilen. Zum einen aus dem oberen Teil, welches nur aus dem Display besteht und dem zweiten Teil, wo sich die ganze Technik wie SoC, Akku oder die Kamera-Module befinden. Im Inneren der beiden Teile befinden sich zwei Gleitschienen, welche überhaupt das Rauf und runter ermöglichen. Über einen Magneten werden beide Teile zusammen gehalten und laut Xiaomi soll sich der Mechanismus weit über 300.000 Mal störungsfrei nutzen lassen.

Wie schon dessen Vorgänger ist auch das Xiaomi Mi Mix 3 quasi als eine Art Meisterstück seiner Zunft zu verstehen, welches Premium durch und durch ist. Damit es trotz seiner enorm kompakten Ausmaße ein vergleichsweise großes Display beherbergen kann und stabil bleibt, haben sich die Ingenieure für eine Rückseite aus Keramik entschieden. Hier geht Xiaomi einen Schritt zurück im Vergleich zum ersten Xiaomi Mi Mix und setzt auf eine Kombination aus Aluminiumrahmen und Keramik-Rückseite. Rein von der Widerstandskraft ist Keramik auch hervorragend, hat aber zumindest im Fall des Xiaomi Mi Mix 3 zwei Nachteile. Es ist wieder rutschig und es splittert aufgrund seiner hohen Festigkeit sehr viel schneller bei Stürzen. An dieser Stelle muss ich sagen, es nicht mehr so extrem rutschig wie noch das erste Modell der Mix-Reihe. Das beiliegende Cover hat also seine berechtigte Existenz und ich kann nur jedem empfehlen es auch zu nutzen.

Auf der Kopfseite des Gehäuses befindet sich eines der beiden Mikrofone für die aktive Geräuschunterdrückung. Auf der rechten Seite des Gerätes befindet sich der Lautstärkeregler sowie Powerbutton. Auf der gegenüberliegenden Seite ist der NanoSIM-Schacht, wovon das Xiaomi Mi Mix 3 sogar gleich zwei schluckt. Unter dem SIM-Slot befindet noch ein AI-Knopf, aber dazu später mehr. Die Tasten selbst bestehen wie auch der Rahmen des Gerätes aus Aluminium. Sie besitzen einen hervorragenden Druckpunkt und sind fest im Gehäuse verbaut. Ein Wackeln oder ähnliches konnte ich bei meinem Testgerät nicht feststellen.

Ohne Hülle

Mit Hülle

 

Auf der unteren Seite des Gehäuses befindet sich der USB Typ-C Anschluss – welcher sich diesmal nicht als Mogelpackung entpuppt wie bei einigen Modellen anderer Hersteller. Hier setzen die Chinesen auf den USB-3.1-Standard was konkret heißt, dass Daten schneller durch das Kabel gejagt werden und theoretisch auch der Storm flotter im Akku landet. Dazu später mehr beim Thema Akku.

Ohne Hülle

Mit Hülle

 

Durch Wegfallen der 3.5mm Audiobuchse musste Xiaomi auf den USB-3-Standard setzen, da nur dieser auch Kopfhörer mit Typ-C-Stecker unterstützt. Wer noch keine Typ-C-Kopfhörer hat, können den beiliegenden 3.5mm Klinken-Adapter verwenden. Rechts vom USB-Port befindet sich der Mono-Lautsprecher, der idealerweise auf der unteren Seite verbaut ist, sodass der Ton direkt auf den Nutzer strahlt, wenn das Gerät auf dem Tisch liegt.Die Rückseite wird von einer Dualkamera bestehend aus zwei 12 Megapixel auflösenden Sensoren geziert, deren Blende bei lichtstarken f/1.8 liegt und bei Bedarf von einem LED-Blitz unterstützt werden. Dieser sitzt zwischen beiden Linsen der Kamera. Leider steht die Kamera selbst ragt ein kleines Stückchen aus dem Gehäuse heraus, was ich ein wenig schade finde. Unterhalb der Kamera ist ein Fingerabdrucksensor, der angenehm flott  reagiert.

Er ist im Vergleich zum Vorgänger sogar besser und schneller bei der Erkennung. Jedoch muss ich bemängeln, dass ich den Sensor nicht so intuitiv treffe wie bei meinem alten OnePlus 5T, obwohl beide Sensoren mittig auf der Rückseite verbaut sind. Dazu trägt der nahezu randlose Übergang zwischen Gehäuse und Sensor selbst bei. Ein weiterer Pluspunkt für das Case, dessen Vertiefung für Kamera und Fingerabdrucksensor bei der Suche nach letzterem unterstützt

 

Display

Bei vielen Geräten sagt man ja gerne mal, dass das Display das Highlight sei. Im Fall des Xiaomi Mi Mix 3 stimmt dies aber wirklich und das in mehrfacher Hinsicht. Der auffälligste Punkt: Es erstreckt sich quasi über die gesamte Fläche der Vorderseite und es hat keine lästige Notch. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, wie ich einfach nur ungläubig das Gerät in der Hand hielt nach den ganzen Geräten mit Notch. Schließlich ist für mich persönlich die Notch keine große Kunst das Problem wachsender Displays auszugleichen. Stattdessen sind Lösungen wie im Xiaomi Mi Mix 3 oder Oppo Find X Highlights beim Display, welches fast die komplette Front einnimmt.

Und natürlich die Technik die dahinter steckt.Wie bereits erwähnt ist die Front vom 6.4 Zoll großen AMOLED-Panel dominiert, welches aus der Produktion von BOE Display stammt. Mit einer Auflösung von 2180 x 1.080 Pixel im 19.5:9 Format ergibt sich dadurch eine Pixeldichte von 403 ppi. Dementsprechend ist das Display kristallklar und gestochen scharf. Selbst bei genauerem Hinsehen lassen sich keine einzelnen Pixel oder Ausfransungen an den Inhalten erkennen.

Das von BOE Displays hergestellte Panel soll den NTSC-Farbraum zu 103.8% abdecken. Leider kann ich das auf Grund eines fehlenden Labors mit passenden Messgeräten nicht selbst testen. Aber zum ersten Mal in der gesamten Mi-Mix-Reihe kommt ein AMOLED-Display zum Einsatz, vermutlich aus Gründen der Platzersparnis, da AMOLED-Panels kompakter sind als IPS-Display.

Grundsätzlich bin ich kein AMOLED Fan aus verschiedenen Gründen, aber das verbaute BOE-Display im Xiaomi Mi Mix 3 hat es mir als IPS-Fan richtig angetan. Für AMOLED ist die Farbdarstellung endlich natürlich, dazu ist die Blickwinkelstabilität auch hervorragend. Bei der Displayfertigung wurde das Display laminiert, wodurch Reflexionen vorne und von der Seite geringer ausgeprägt sind als bei anderen Display-Panels. Umgekehrt verbessert dies auch die Ablesbarkeit von der Seite erheblich. Mittlerweile ist es bei hochwertigen Displays auch zum Standard geworden. Der Touchscreen kann bis zu 10 Berührungen gleichzeitig erkennen und auch sehr genau verarbeiten.Xiaomi gibt eine Helligkeit von 600 cd/m² an. Bei meiner Messung kam ich auf 550 bis 580 cd/m², was dennoch ein guter Wert ist. Dementsprechend kann die Helligkeit im direkten Sonnenlicht überzeugen. Das Display sowie Inhalte auf dem Display lassen sich problemlos ablesen. Die automatische Helligkeitregelung klappte stets problemlos bei meinen Testgerät. Wie ich wirklich per Zufall herausgefunden habe, funktioniert die Helligkeitsregelung über einen Ultraschall-Näherungssensor anstelle eines optischen Sensors wie sonst üblich. Da ich leider keine Bilder von so einem Ultraschall-Näherungssensor gefunden habe, vermute ich, ist der Ultraschallsensor womöglich kompakter als ein optischer Sensor.

Wer häufig auf dem Xiaomi Mi Mix 3 lesen will, weil das Display dafür mehr als eignet ist, kann hierfür den Lesemodus verwenden. Dieser reduziert den Blaulichtanteil des Panels drastisch, wodurch die Augen geschont werden. Der automatische Kontrast reguliert die Darstellung entsprechend der Umgebungshelligkeit.Im Alltag funktioniert diese automatische Regelung auch sehr gut. Ab Werk ist das Display etwas wärmer eingestellt, jedoch lässt sich die Farbtemperatur in den Displayeinstellungen dem persönlichen Geschmack nach einstellen.Neben dem Lesemodus und automatischen Kontrast gibt noch einen Always-On Modus.

 

Zusätzlich lässt sich die Auflösung von 1080p bei Bedarf auf 720p heruntersetzen, um Energie zu sparen. Der Kontrast ist für ein AMOLED-Display auf hohem Niveau und Schwarz ist echtes Schwarz. Das liegt daran, dass einzelne Pixel bei AMOLED einfach nicht beleuchtet werden, wenn sie schwarz anzeigen. Aufgrund der technischen Grundlage sind AMOLED-Panels etwas sparsamer als IPS-Displays, da deren Hintergrundbeleuchtung immer aktiv ist, egal ob sie Schwarz oder farbige Inhalte anzeigen. Das Display des Xiaomi Mi Mix 3 ist sogar HDR-fähig und liefert bei entsprechendem HDR-Content überragende und lebendige Farben. Ich war doch überrascht, als ich auf dem wunderschönen Display zum ersten Mal ein HDR-Video gesehen habe.

So schön wie das Display auch ist, aufgrund mangels Widevine L1 Unterstützung können HDR-Inhalte von beispielsweise Netflix oder Amazon nicht in HD-Qualität wiedergegeben werden. Da ertönte ein innerer Schrei in mir „warum nur Xiaomi?!“ Es ist wirklich verdammt schade und ich hab die Hoffnung, dass irgendwann Widevine L1 per Update nachgeliefert wird.

Performance

Unter der äußerst schicken Hülle werkelt ein Qualcomm Snapdragon 845 mit acht Kernen, aktuell der schnellste SoC von Qualcomm auf dem Markt. Der Chip besteht aus vier angepassten ARM Cortex A55 Kernen (Kryo 385 Silver genannt) und vier ARM Cortex A75 Kernen aka Kryo 385 Gold. Sie arbeiten dabei im big.LITTLE-Prinzip als Quadcore-Einheiten mit 1,8 Ghz respektive 2,8 Ghz abwechselnd.Der Snapdragon 845 bringt somit bis zu 25 Prozent mehr Leistung und trotzdem ist der Energieverbrauch bei gleicher Last um bis zu 15 Prozent geringer gegenüber dem Vorgänger. Die Grafikeinheit Adreno 630 mit bis zu 710 MHz Takt soll sogar bis 30 Prozent schneller und effizienter sein. Genauso wie der Vorgänger-Chip Snapdragon 835 wurde der 845 im 10nm LPP-FinFET-Verfahren hergestellt. Im Vergleich zum 835 betont Qualcomm zum einen die AR- und VR-Fähigkeiten wie Eye-Tracking, sowie Tracking im Raum, was eher für VR-Headsets interessant sein dürfte. Auch die künstliche Intelligenz ist im Snapdragon 845 ein wichtiges Thema. Darum wurde die SoC auch mit speziellen KI-Fähigkeiten ausgestattet, womit die Verarbeitung von Bildern und Videos verbessert werden soll. Auch VR-Spiele und die Spracherkennung soll von diesen Algorithmen profitieren. Damit will Qualcomm das Smartphone zu einem noch persönlicheren Assistenten machen. Allerdings hab ich im Alltags nicht wirklich davon gemerkt und darum hab ich es auch kaum genutzt. Übrigens: Einen dedizierten KI-Chip hat der Snapdragon 845 jedoch nicht, nur entsprechende Algorithmen.Eine interessante Neuerung gibt es im 845 allerdings. denn es kommt erstmals ein angepasster Co-Prozessor zum Einsatz, der sich um Sicherheitsfragen kümmert. Damit sind biometrische Verfahren wie Gesichts-, Fingerabdruck- und Iriserkennung gemeint, deren Daten besonders stark geschützt werden, sowie kritische Daten verschlüsselt.Auch Kameras soll der Snapdragon 845 spürbar verbessern, insbesondere durch die Echtzeitverarbeitung von Aufnahmen und 4k-HDR mit 60 fps ermöglichen. Bis auf Sony in seinen Flaggschiffen nutzt kein anderer Hersteller das Feature, zumindest was mir bekannt ist. Außerdem ermöglicht der Prozessor den Bokeh-Effekt mit nur einer Kamera, was Google in seinen Pixel-Smartphones nutzt.

Noch etwas Ingieneurporn zum Qualcomm 845 :

Noch ein kleiner Benchmark zum Thema „AI“

Auch an der Mobilfunkverbindung hat Qualcomm etwas geschraubt. Das X20 Gigabit-LTE Modem, welches mit dem Snapdragon 845 gebündelt werden kann, erlaubt Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 1,8 GBit/s, auch LTE Cat.18 genannt. Was ich aber leider nicht testen kann, da bis jetzt kein Provider solche Geschwindigkeiten überhaupt anbietet.In Sachen Bluetooth 5 gibt auch Detailverbesserungen, sprich man kann theoretisch gleichzeitig Audio auf verschiedene Audio-Geräte streamen.Damit es mit dem flüssigen Multitasking klappt, setzt Xiaomi auf einen anständig dimensionierten Arbeitsspeicher von 6GB oder 8GB LPDDR4x. Es gibt noch eine besonders exklusive Edition „Verbotene Stadt“ mit unglaublichen 10GB RAM. Hier lässt allerdings Xiaomi meiner Meinung nach etwas seine Muskeln spielen, frei nach dem Motto „weil wir es können“. Notwendig sind diese 10GB jedenfalls keinesfalls.Mit 128GB oder 256GB internem UFS-Speicher kommt man auch nicht so schnell an den Rand eines vollen Speichers. Ist auch besser so: Einen microSD-Slot hat Xiaomi nicht verbaut.

Weiteres Inpieneurporn zum Thema Speicher

Aber genug der „trockenen“ Theorie – wie ist denn nun die Leistung des Xiaomi Mi Mix 3? Die Performance war stets auf hohem Niveau. Es gibt bis jetzt kein Spiel im Google Play Store welches den Snapdragon 845 an seine Grenze bringt. Alles lief stets flott von der Hand. Anspruchsvolle Spiele wie Asphalt 8, Need for Speed oder Real Racing 3 laufen flüssig und ohne Lags oder Framedrops. Selbst nach einer Stunde zocken erhitzt sich das Xiaomi Mi Mix 3 auf vergleichsweise kühle 35 Grad. Dies ist zwar spürbar aber nicht weiter störend. Etwas anderes erwartet man ja nicht von Xiaomi und dem Snapdragon 845.

 

Audio und Sprachqualität :

Der Lautsprecher des Xiaomi Mi Mix 3 ist laut, zum Beispiel lauter als der im OnePlus 6T und hat auch etwas mehr Bass. Bei höchster Lautstärke ist der Klang insgesamt klar, aber ab ca. 70 Prozent werden Höhen deutlich stärker betont. Wie schon beim Vorgänger muss man auch beim Xiaomi Mi Mix 3 auf einen klassischen 3,5mm Klinkenanschluss verzichten. Sprich die Musik für Kopfhörer und Co. kommt entweder über den Typ-C-Anschluss oder über einen Typ-C-Klinkenadpater, den Xiaomi glücklicherweise dazu legt. Hier muss allerdings jeder für sich entscheiden ob es ein Nachteil oder ein Vorteil ist. Ich persönlich nutze eher USB-Kopfhörer mit Typ-C oder Bluetooth.

Allerdings erhält man dafür mal wieder eine Vielzahl an Optionen für Audio. Man hat jetzt zum Beispiel die Wahl zwischen mehreren Bluetooth-Codecs wie SBC, AAC oder auch LDAC. Da im inneren des Xiaomi Mi Mix 3 ein Qualcomm-Chip werkelt, liefert Qualcomm auch gleich seine eigenen Codecs mit wie etwa Qualcomm aptX, Audio HD und Qualcomm aptX Adaptive Audio. Letzteres dürfte besonders interessant sein. Der aptX Adaptive wurde im Herbst 2018 von Qualcomm vorgestellt und ist die Weiterentwicklung von Qualcomms aptX (HD) Bluetooth-Codec für Audio. Der neue Codec hat den Vorteil, dass die Kompression von Audiodaten dynamisch erfolgen kann, je nach Anwendungsfall.

Da die Audioübertragung bei Telefonaten weniger zeitkritisch ist als bei der Wiedergabe von Filmen oder Musik, kann aptX Adaptive selbstständig die Optimierung der Audiokodierung vornehmen.Der Klang über Kopfhörer bzw über den Typ-C-Klinkenadapter ist angenehm klar und dank Equalizer lässt sich der Sound optimal an Kopfhörer oder Geschmack anpassen. In den Soundeinstellungen lassen sich zudem etwaige Tasten des Headsets nach belieben anpassen. So zum Beispiel lässt sich die Lautstärkeregelung des Headsets mit Zurück- oder Vorwärtsspringen neu belegen.Die Sprachqualität über den Telefon-Lautsprecher selbst ist angenehm klar und die Lautstärke der Ohrmuschel ist ausreichend laut. Störgeräusche während eines Telefonats gab es zu keinem Zeitpunkt, mein Telefonpartner konnte mich laut und deutlich hören und verstehen. Die Geräuschunterdrückung hat ebenfalls hervorragend funktioniert.

Konnektivitäten

Bei den Kommunikationsschnittstellen lässt sich Xiaomi nicht lumpen und verbaut so ziemlich alles was es gibt und dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Vor allem ist das Xiaomi Mi Mix 3 das zweite Smartphone überhaupt neben dem Xiaomi Mi 8 mit Dual-GPS. Das bedeutet, dass der Broadcom BCM47755 GPS-Chip simultan Signale von zwei Frequenzen verarbeiten kann: E1/E5a des europäischen Galileo-Systems und L1/L5 des amerikanischen GPS. Durch die zusätzliche Nutzung der E5a/L5 Frequenzen sorgt dies für die Reduzierung des sogenannten Multipathing-Effektes, sprich die Reflektion von Satellitensignalen an Häusern oder Felswänden. Vereinfacht gesagt, sorgt diese Eigenart für eine erheblich bessere Genauigkeit, wie sie sonst normalerweise nur im kommerziellen Flugbetrieb zur Anwendung kommt.

Die Frequenzen laut Broadcom

  • BeiDou (China): B1
  • Galileo (Europa): E1 und E5a
  • GLONASS (Russland): L1
  • GPS (USA): L1 C/A und LA
  • QZSS (Japan): L1 und L5

In der Praxis hat das Ganze auch überraschend gut funktioniert, der Fix gelang bei guten Wetter nach etwa einer 1 Sekunde und bei bewölkten Himmel waren es ebenfalls sehr flotte 5 Sekunden. Es wurden in der Regel immer zwischen 20 und 27 Satelliten gefunden, was ein sehr stabiles Signal garantiert. Ich muss sagen, ich hatte noch kein Smartphone mit einem solch guten GPS-Empfang. Meiner Meinung nach sollten wesentlich mehr Geräte in Zukunft auf Dual GPS setzen.

In Sachen Mobilfunk selbst werden zahlreiche Handynetze unterstützt: Vier Frequenzen im GSM-Standard, neun UMTS-Frequenzen und 25 wenn man über LTE surft. Jedoch gilt das nur für die Variante mit 256GB als Global-Version in allen RAM-Varianten. Für das Modell mit 128GB Speicher und 6GB RAM sind weniger Frequenzen freigegeben. Egal für welche Version man sich letzten Endes entscheidet, diesmal ist das für Deutschland wichtige LTE-Band 20 mit dabei. Ich schätze mal, es werden immer mehr Geräte von Xiaomi ab Werk mit diesem LTE-Band ausgestattet werden, gerade weil sich Xiaomi in Europa niederlassen möchte. Auch in Deutschland sind die Pläne für eine offizielle Verfügbarkeit endlich offiziell bestätigt und gerade da ist LTE auf 800 MHz (Band 20) von enormer Bedeutung!

Der mobile Empfang über LTE, H+ oder Edge klappte stets problemlos. Ich hatte im städtischen Raum genauso wie auf dem Land fast immer volle Signalstärke in Netzen mit LTE und H+, selbst in einer Hochhaussiedlung und in Innenräumen.In China gibt es auch schon eine 5G-Version des Xiaomi Mi Mix 3, wovon wir hier in Europa leider nur träumen können. Soweit ich informiert bin, gibt es in Shenhzen bereits erste Stadtteile, in denen mit 5G-Netzen im kommerziellen Probebetrieb experimentiert wird.Das Dualband-fähige WLAN-Modul mit MU-MIMO unterstützt die WLAN-Standards 802.11 a/b/g/n bis hin zum schnelleren ac-Standard. Damit sollte theoretisch eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 1,5 Gigabit pro Sekunde möglich sein. Ich schaffe mit meinen Router, welcher auch WLAN-ac unterstützt, knappe 500 MBit/s. Theorie und Praxis sind leider immer zwei verschiedene Dinge.Außerdem unterstützt das Modul auch Micracast, DLNA und Wifi-Direct.Im Bereich Bluetooth setzen die Chinesen auf den aktuellen Standard Bluetooth 5.0. Auch NFC gibt es wieder, dem drahtlosen Bezahlen per Smartphone und Google Pay steht damit nichts im Wege.

 

Akku

Beim Xiaomi Mi Mix 3 setzen die Chinesen auf einen 3200mh großen Akku, was im Vergleich zum Vorgänger 200mAh weniger sind. Bevor ihr sagt, was für ein Rückschritt das doch sei, kann ich euch vertrösten. Laut PC-Mark kommt das Xiaomi Mi Mix 3 dennoch auf 13 Stunden und 13 Minuten bei der Akku-Ausdauer. Allerdings sollte man sich immer vor Augen halten, dass es sich nur um einen synthetischen Test handelt. Durch die gute Optimierung und dem sparsamen AMOLED-Display (wir erinnern uns, bei schwarzen und beleuchteten Inhalten) hält das Xiaomi Mi Mix 3 etwas länger durch verglichen zum Vorgänger. Für mich zählt die tatsächliche Laufzeit und die war tatsächlich etwas besser als die des Xiaomi Mi Mix 2s. Während meiner realen Nutzung des Xiaomi Mi Mix 3 musste ich fast alle 2 bis 2,5 Tage an die Stromtanke, dabei lag der DoT-Wert (Display on Time) zwischen 3-6 Stunden, je nachdem wie ich das Xiaomi Mi Mix 3 genutzt habe.

Wenn es Abends mal etwas später wird, kann der Stormsparmodus aktiviert und somit die Akkulaufzeit etwas verlängert werden. Mit vielen Features war Xiaomi und seiner MIUI-Oberfläche dem Stock Android von Google schon immer recht weit voraus. Insbesondere bei den Einstellungen für Teilaspekte des Betriebssystems wie dem Akku. Im Einstellungspunkt „Energieverbrauch verwalten“ lässt sich die Energieverbrauch einzelner Apps beeinflussen, man kann z.B. die Hintergrunddaten, Internetaktivitäten und den Ortungsdienst beschränken. Solche Feinheiten waren erst nach und nach in das Kernsystem von Android eingeflossen.

Das mitgelieferte Netzteil liefert 0.5A -2A bei 5V, 3A bei 9V und 1.2A bei 12V und ist “leider nur” zu Quick Charge 3 kompatibel. Allerdings hab ich noch ein Netzteil mit Quick Charge 4 (Plus) und das Xiaomi Mi Mix 3 mit 4 Ladegeräten zum Vergleich aufgeladen. Einmal mit natürlich Quick Charge 3, ein weiteres Mal mit Quick Charge 4 Plus, einmal mit Wireless Charging (10W) und mit meinem Standardnetzteil (2.5A). Ich muss sagen, Quick Charge 3 ist heute noch immer richtig schnell, dafür, dass es schon über 2 Jahre auf dem Markt ist. Mit Quick Charge 4 Plus ist das Xiaomi Mi Mix 3 sogar in nur einer Stunde voll geladen, während mit Quick Charge 3 eine viertel Stunde länger eingeplant werden muss. Beeindruckend ist auch, dass Quick Charge 4 es schafft, in nur 15 Minuten das Xiaomi Mi Mix 3 um die Hälfte zu laden. Quick Charge 3 brauch da schon 5 Minuten länger.

Mit Fast Wireless Charging braucht das Xiaomi Mi Mix 3 fast 2-3 Stunden, je nachdem welches Lade-Pad man nutzt. In meinem Fall war es das Aukey Fast Wireless Charging Pad und das originale von Xiaomi. Persönlich nutz ich Kabel, eben weil es doch deutlich schneller geht. Zu guter Letzt hab ich es noch mit meinem 2,5A Standardladegerät getestet und da war das Smartphone in gut 2 Stunden vollgeladen.

 

Kamera

Die Hauptkameras des Xiaomi Mi Mix 3 bestehen aus zwei 12 Megapixel auflösenden Sensoren. Hier kommt der Sony IMX363 mit einer f/1.8 Blende und einer Pixelgröße von 1,4 µm für den ersten Sensor zum Einsatz. Der zweite Sensor ist ein Samsung S5K3M3+ mit f/1.8 Blende und 1 µm Pixelgröße. Dank des Samsung-Sensors lässt sich beim Xiaomi Mi Mix 3 bis zu 2x optisch zoomen und der Bokeh-Effekt ermöglichen. Die Bildstabilisierung erfolgt bei Xiaomi schon länger per 4-Achsen-OIS. Das Dualkamera Setup sowie den OIS kennt man schon vom Vorgänger sowie dem Xiaomi Mi 8, was nichts schlechtes heißen will. Bei der Frontkamera setzen die Chinesen auf den Sony IMX576 mit ganzen 24 Megapixel sowie einer Pixelgröße von 1.8 µm. Für Selfies mit Bokeh-Effekt kommt ein 2 Megapixel auflösender OCA10-Sensor mit einer Pixelgröße von 1.75 µm zum Einsatz.

Fotos des Xiaomi Mi Mix 3 fallen scharf und detailreich aus. Farbkontraste liegen im Vergleich zum Xiaomi Mi Mix 2S auch wieder auf hohem Niveau bei guten Lichtverhältnissen. Je nach Szenerie kann der Auto-HDR Modus einen gewissen Mehrwert haben. Der AI-Modus versucht die Fotos zu verbessern und erkennt auch das Motiv, teilweise sogar besser als das Honor V10 im Vergleich. Beim Versuch bleibt es dann aber auch meistens. Teilweise werden Fotos im AI-Modus zu bunt und die Schärfe ist dann übertrieben hoch. Vielleicht kommt seitens Xiaomi ein Update, welches den AI-Modus deutlich verbessert.Gegenlicht aus dem Schatten oder Makro Aufnahmen meistert das Xiaomi Mi Mix 3 meistens auch problemlos. Was ich schon seit ein paar Jahren bei Xiaomi kritisiere, ist das nicht genutzte ganze Potenzial der guten Sensoren. Spätestens seit dem Xiaomi Mi 8 gehört die endlich der Vergangenheit an. Bravo Xiaomi!Dank der Dual-Pixel, die man bereits aus der Canon EOS 80D kennt, klappt das Fokussieren von Motiven sehr schnell und auch Bildschärfe sowie Belichtung sind sehr ausgewogen. Auch das Bildrauschen hält sich dadurch weitgehend in Grenzen.

Aber was bedeutet das jetzt genau? Alle Pixel auf der Sensorfläche des Kamerasensors besitzen zwei getrennte Fotodioden, wovon eine für den Autofokus mit Phasenerkennung zuständig ist und die andere das eigentliche Bild generiert. Bei schlechtem Licht kommt die technische Neuerung bezogen auf größere Pixel und Blende erst richtig zur GeltungBei der Low-Light Performance hat Xiaomi sich echt ins Zeug gelegt. Hierfür gibt es jetzt einen Nachtmodus, der ermöglicht Low-Light Fotos ohne Verwendung eines Statives. Aber wie macht Xiaomi das?Dank der Lichtstarken Blende mit f/1.8 kommt zum einen deutlich mehr Licht auf den Sensor. Zum anderen nimmt das Xiaomi Mi Mix 3 drei Fotos mit unterschiedlichen ISO-Werten auf und setzt anschließend diese Fotos zusammen. Zum Schluss entsteht dann ein Foto mit einem sehr hohen ISO-Wert. Bei der zweiten Variante schießt das Xiaomi Mi Mix 3 nur ein Foto mit sehr hohem ISO-Wert. Welche Variante verwendet wird, erkennt man daran, wie lange das Foto braucht bis es fertig ist. Wenn es schnell geht, dann wurde nur ein Foto mit sehr hohem ISO-Wert aufgenommen und wenn es etwas länger dauert, dann ist es die Variante mit den drei Fotos.

Wenn noch ein wenig Restlicht vorhanden ist, werden Nachtfotos sehr schön mit weniger Bildrauschen. Wenn überhaupt kein Licht vorhanden ist, dann werden Fotos zwar hell, aber leider auch zum Teil sehr unscharf. Allerdings nimmt das Bildrauschen aufgrund des hohen ISO-Wertes deutlich zu. Frei dem Motto „ Die Beste Kamera ist, die du dabei hast“. Für Nachtaufnahmen muss ich jetzt nicht mehr lange an den Einstellungen rumspielen und kann einfach auf den Auslöser drücken. Zack, ein schönes Low-Light-Foto ist entstanden, ganz ohne fotografisches Wissen.Auch bei Videoaufnahmen hat Xiaomi dazugelernt, nun gibt es auch 4K-UHD in 60fps und das sogar stabilisiert. Neben 4K gibt es auch Modi mit 1080p bei 60fps oder 30fps und 720p, jeweils Bildstabilisiert über den 4-achsigen OIS. Für Fans der Zeitlupe gibt es Aufnahmen mit 920fps, 240fps und 120fps. Die Aufnahmen werden jeweils in 720p oder 1080p abgespeichert.

Die Kamera-App von Xiaomi selbst ist recht einfach aufgebaut und bietet nicht übermäßig viele Modi. Zu den verfügbaren Modi gehören z.B. Panorama, der zuvor angesprochene Nachtmodus, Quadrat, Portrait und ein Beauty-Modus zum leichten Anpassen der Hautfarbe bzw. um die Haut “digital zu glätten”. Wer etwas mehr aus der Kamera des Xiaomi Mi Mix 3 herausholen möchte, kann den Pro-Modus verwenden. Dieser ist allerdings recht mager ausgefallen, wenn man die Pro-Modi anderer Hersteller, insbesondere von Huawei, Samsung oder auch LG kennt. Ich hoffe auch, dass Xiaomi einen besseren manuellen Modus anbieten wird in Zukunft.

 

Bei Tageslicht

2fach Zoom

AI-Modus

 

HDR

Bokeh-Modus

Nachtmodus bei Dunkelheit

Nachtmodus bei Rechtlicht

Panorama

Nachtmodus vs Normal

ProModus (Iso100)

 

Nachträgliches Refokusieren

4K/60fps Video

Xiaomi Mi Mix 3 4K Video

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Firmware

Xiaomi ist einer der wenigen Hersteller, die eine relativ aktuelle Firmware auf ihre Smartphones nach dem Release ausliefern. Denke ich zum Beispiel an Samsung oder LG, dann ist das sogar richtig schnell. So auch das Xiaomi Mi Mix 3, welches direkt mit Android 9 Pie und der aktuellen hauseigenen Oberfläche MIUI in der Version 10 kommt.Mit Android und Nutzeroberflächen ist das ja so eine Sache. Es gibt zig verschiedene Oberflächen, egal ob HTC Sense, Samsung Experience respektive jetzt OneUI, HUAWEI mit der Emotion UI, Meizu mit Flyme OS und so weiter und so fort. Entweder man mag sie, oder eben nicht. Seit ich das erste Xiaomi Mi Note in den Händen halten durfte – es war mein erstes Mi-Gerät überhaupt – muss ich mich als großen Fan der MIUI-Oberfläche outen.Es sind diese vielen Kleinigkeiten, die wenn überhaupt erst sehr viel später im Stock-Android Einzug finden, weswegen ich mich jedes Mal freue, ein Xiaomi-Gerät testen zu können. So zum Beispiel die Rechteverwaltung für installierte Apps oder die weiter oben bereits erwähnte Energieverwaltung. Außerdem gibt MIUI euch zahlreiche nützliche Gimmicks an die Hand, wie die Möglichkeit ein WLAN-Passwort per QR-Code zu teilen, Fotos in versteckten Alben zu speichern, einen Privatmodus für SMS für wirklich private Nachrichten, um diese zusätzlich noch mit einem Sperrmuster sichern zu können. Ebenfalls ist ein Kinder-Modus integriert, in welchem man die Apps auswählt, auf welche die Kids Zugriff haben dürfen.

 

Einrichtung von MIUI 

 

 

Kleiner Rundgang in die MIUI Oberfläche von Xiaomi

MIUI ist optisch sehr ansprechend designed und wurde meiner Meinung nach mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Kleiner Nachteil des Ganzen im Moment: Standardmäßig gibt es nur Englisch und Chinesisch in drei Dialekten als Sprachauswahl. Dank des gesperrten Bootloaders ist es leider auch nicht mehr so einfach ein deutschsprachiges ROM auf das Xiaomi Mi Mix 3 aufzuspielen. Erste Hürde ist die zwangsweise Registrierung bei Xiaomi, da man über seinen Nutzer-Account einen Unlock-Code zum Entsperren des Bootloaders anfragen muss. Das ist zudem nur alle 30 Tage für ein Xiaomi-Gerät möglich. Noch ein weiterer Nachteil des neuen Unlock-Tools: Es kann durchaus vorkommen, dass man mal 72 Stunden warten muss, bis man unlocken kann. Etwas überraschend und einmalig in der Geschichte von Xiaomi ist, dass der Hersteller direkt in der chinesischen Firmware das komplette Google-Framework bzw die Google Play Services plus Contact Sync schon vorinstalliert hat.

 

Man braucht quasi nur noch den Google Play Store als APK installieren und schon hat man komplett funktionieren Google-Dienste auf dem Xiaomi-Smartphone. Damit es noch mit Synchronisation der Kontakte klappt, muss man der App „Contact Sync“ Leserechte gewähren und das war es schon. Auch die übliche Bloatware aus dem Reich der Mitte lässt sich problemlos deinstallieren. Allerdings gibt es mittlerweile dank Xiaomi.eu ein mehrsprachiges ROM inklusive deutschem Sprachpaket, welche auch stetig von der Fangemeinde gepflegt wird, sprich es kommen regelmäßig neue Updates für diese angepasste Firmware.

Die Slidereinstellung

 

AI-Einstellungen :

Jetzt muss ich aber dennoch auf eine Besonderheit des Xiaomi Mi Mix 3 eingehen, die ich bereits zuvor schon erwähnte: Die zusätzliche Taste auf der Linken Seite des Gerätes. Dabei handelt es sich um einen AI-Button, der in China mit KI-Funktionen von Xiaomi verbunden ist. Im Grunde ist dies eine Art Google Assistant, nur eben komplett auf den chinesischen Markt beschränkt, mit all seinen Diensten und Funktionen. Glücklicherweise lässt sich der Button in der Xiaomi.eu Rom (möglicherweise auch mit der offiziellen Global ROM von Xiaomi) auf den Google Assistant umbelegen oder komplett deaktivieren.

Fazit :

Ich muss einfach vorab sagen, als das Xiaomi Mi Mix 3 vorgestellt wurde, war ich doch etwas skeptisch. Als Jahrgang 1988 habe ich die gesamte Smartphone-Entwicklung und teilweise auch die spätere Handyentwicklung (1998 bis 2009) mitbekommen. Sprich von Nokia 3210 bis Nokia mit Windows Phone oder die Cybershot-/Walkman-Reihe von Sony-Ericsson. Natürlich hatte ich auch einige Slider-Modelle wie etwa das Nokia N95, Sony-Ericsson Walkman W910i oder das Blackberry Priv. Früher war das auch schon Kult, wenn man das Handy/PDA hochsliden konnte, aber heute geht der Trend eher zu größeren Displays oder FullBody-Displays.Aber als ich das Xiaomi Mi Mix 3 zum ersten Mal in der Hand hielt, dachte ich mir als erstes „WoW“ und meine Skepsis löste sich in Wohlgefallen auf. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass Xiaomi mit dem Xiaomi Mi Mix 3 eines der aktuell spannendsten Flaggschiff-Smartphones der letzten Zeit auf den Markt gebracht hat.

Während andere Hersteller wie Huawei und Co mit großen Verbesserungen bei der Kamera protzen aber auch überzeugen können, ist die Notch für mich persönlich das Unwort des Jahres 2018 im Smartphone-Bereich. Hingegen kann das Xiaomi Mi Mix3 auf den ersten Blick Eindruck schaffen und auch die Optik ist wieder was besonderes. Auch im Inneren kann das Xiaomi Mi Mix 3 überzeugen, die Ingenieure von Xiaomi haben sich in vielen Punkten echt Gedanken gemacht. Als bestes Beispiel kann der Slider bzw der Mechanismus mit der Magnetlösung herhalten. Ich traue diesem auch zu, dass er die von Xiaomi genannten 300.000 Aufschiebe-Vorgänge überlebt. Ebenso sind der Annäherungssensor mit Ultraschall oder das Dual-GPS echte Innovationen. Insofern soll mir keiner mehr sagen, es gäbe keine Innovation aus China. Im Gegenteil, die Chinesen liefern mittlerweile meiner Meinung nach deutlich besser ab als die traditionellen “westlichen” Hersteller. Manchmal hab ich das Gefühl bei den Chinesen, die reden nicht viel um den heißen Brei, sondern die machen einfach.

Im Alltag macht das Display des Xiaomi MI MIx 3 einen riesen Spass damit zu arbeiten oder überhaupt Filme/Fotos darauf anzuschauen. Vor allem bei HDR-Inhalten, ausgenommen Streaming-Dienste mangels WideVine L1. Im Alltag wurde ich öfters angesprochen, um welches Gerät es sich handeln würde. Einfach weil die Notch fehlt und ob man damit noch telefonieren könnte. Ich hab es den Leuten in die Hand gegeben und ihnen die Technik ein wenig erklärt. Sie waren begeistert davon (es waren meistens iPhone Nutzer). In anderen Disziplinen wie etwa Performance, Speicher, Konnektivitäten sowie Kamera kann das Xiaomi Mi Mix 3 auf ganzer Linie überzeugen und liegt jetzt endlich auch bei den restlichen Funktionen auf Flaggschiff-Niveau. Eigentlich war bei Xiaomi nie die Hardware (SoC, RAM, Speicher oder Kamera) das Problem, die waren stets auf hohem Niveau bzw gleichauf mit anderen Herstellern. Das Problem war eher, dass Xiaomi das Potenzial der verbauten Sony-Sensoren (die in 98 Prozent der Fälle richtig gut waren) nie wirklich genutzt hatte. Das Zusammenspiel zwischen Hardware und Firmware war auch nicht so wie es sein sollte. Allerdings kann ich beim Xiaomi Mi Mix 3 endlich dafür Entwarnung geben, hier hat Xiaomi endlich dazu gelernt – es ist das Meisterstück des Unternehmens. Gerade der Nachtmodus der Kamera begeistert mich jedes Mal aufs Neue. Jetzt müssen die Softwareentwickler von Xiaomi nur noch an einem besseren manuellen Modus arbeiten, was das Paket noch mehr abrunden würde. Quasi die Kirsche auf der Sahnehaube.

Nun, jetzt kommen wir zum Punkt, für wen das Xiaomi Mi Mix 3 denn nun eigentlich empfehlenswert ist? Ich sag mal so, für diejenigen die eine Notch hassen (mich eingeschlossen) und für die, die ein Smartphone mit speziellen Touch suchen. Mit dem Xiaomi Mi Mix 3 wird man fündig. Hervorragende Haptik, schnelle Performance, aktuelle Hardware, dazu eine gute Kamera das alles für einen vergleichsweise günstigen Preis. Daher gibt es von mir eine volle Empfehlung und das Xiaomi Mi Mix 3 hat mein bisher genutztes OnePlus 6T als Dailydriver mit Pauken und Trompeten abgelöst.

 

9.3
Score
[Test/Review] Xiaomi Mi Mix 3: Gelungenes Slider-Comeback
Positiv
hervorragendes Display
schnelle Performance
ein gutes Zusammenspiel zwischen Kamerasensor und Firmwire
gute Akkulaufzeit
durchdachte Oberfläche
gute Verarbeitung
Negativ
heraustehende Kamera
etwas rutschig
slider etwas wackelig

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