Top-Virologen streiten über Corona-Maßnahmen – Diskussionen um den „Lockdown light“

Seit Montag gelten nach einem Beschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Bundesländer wieder härtere Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus. Wegen der stark angestiegenen Infektionszahlen hatte die Politik keine andere Lösung gesehen. Allerdings streiten sich nun die Experten, unter anderem Virologen und Ärzte, ob diese Maßnahmen wirklich zielführend sind.

Virologen uneinig über verschärfte Corona-Maßnahmen

Vor wenige Tagen hatte sich eine Gruppe von Ärzten und Wissenschaftler gegen die drastische Einschränkung des Alltagslebens ausgesprochen. Stattdessen forderte diese Gruppe größere Bemühungen und Akzeptanz der aktuellen Situation. „Eine pauschale Lockdown-Regelung ist weder zielführend noch umsetzbar“, hatte Ende Oktober der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, erklärt. Aus seiner Sicht sei es keine Lösung das ganze Land „Wochen und Monate in eine Art künstliches Koma“ zu versetzen. Stattdessen forderten Gassen und seine Mitstreiter ein bundeseinheitliches Ampelsystem, um das Infektionsgeschehen auf noch deutlichere Weise transparent zu machen. Die Experten forderten außerdem die Maßnahmen nicht nur an den Infektionszahlen festzumachen. Zudem schlug die Gruppe auch vor nicht mehr alle Kontakte von infizierten Personen nachzuverfolgen, da die Gesundheitsämter mit dieser Aufgabe bereits jetzt stark überfordert sind.

Merkel setzte den „Lockdown light“ trotzdem durch

Doch die Vorschläge dieser Expertengruppe war in der Politik auf taube Ohren gestossen. Nur wenig später hatte Angela Merkel dann den „Lockdown light“ zur Bekämpfung der hohen Infektionszahlen in der Corona-Pandemie bekannt gegeben. Dieser ist nun bereits seit dem 2. November in Kraft. Xunächsten wurden weiterhin alle Menschen mit Infektionsverdacht getestet. Doch dann hatte das renommierte Robert-Koch-Institut plötzlich seine Test-Strategie geändert. Ab sofort sollen nur noch Angehörige von Risikogruppen (chronische Kranke und Ältere) sowie die Kontaktpersonen von Patienten mit schweren Verläufen getestet werden. Mit diesen Maßnahmen sollen die am Limit arbeitenden medizinischen Labore deutlich entlastet werde.

Virologen Streeck und Schmidt-Chanasit kritisieren Vorgehen der Regierung

Damit handele man nun so, wie es unter anderem der Bonner

Virologe Hendrik Streeck bereits zuvor empfohlen hatte. Schon im Oktober hatte auch der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit betont, dass die Schutzregeln mit Abstand, Hygiene, Masken und Corona-Warn-App ausreichend seien, wenn diese wirklich konsequent umgesetzt werden würden. Jetzt jedoch plädiert die Virologen-Gesellschaft (GfV) wieder für eine Änderung der Maßnahmen. In einem Positionspapier der GfV steht: „Das Ziel, Kontakte rasch nachzuverfolgen, darf zum jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall aufgegeben werden. (…) Wir distanzieren uns von der Art und Weise, wie verschiedene Vorschläge zur Pandemieeindämmung vorgebracht werden und auch von einigen Inhalten.“ Dieses Positionspapier wurden unter anderem vom bekannten Virologen Christian Drosten unterschrieben, um ihm mehr Gewicht zu verleihen. Man darf also gespannt sein, welche der beiden Gruppen sich letztendlich durchsetzen wird.

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