UN-Sondergesandter befürchtet Eskalation der Gewalt in Myanmar

Andrews: „Angst“ wegen Informationen über Truppenentsendungen nach Rangun

Der UN-Sondergesandte für Myanmar, Tom Andrews, hat vor einer Zuspitzung der Lage in dem südostasiatischen Land gewarnt. „Ich befürchte eine weitere Zunahme der Gewalt in Myanmar, in einem größeren Ausmaß als wir es seit der illegalen Machtergreifung am 1. Februar gesehen haben“, erklärte Andrews am Dienstag.

Er habe „Informationen erhalten, wonach Soldaten aus den umliegenden Regionen nach Rangun geschickt wurden“, sagte Andrews. In der Wirtschaftsmetropole wollen sich am Mittwoch erneut zahlreiche Demonstranten versammeln, um gegen den Militärputsch zu protestieren. „In der Vergangenheit gingen derartige Truppenbewegungen Morden, dem Verschwinden von Menschen und Festnahmen in großem Ausmaß voraus“, warnte der UN-Sondergesandte.

Er habe „Angst“ angesichts der zeitgleichen Entwicklungen – den geplanten Massenprotesten und dem Zusammenziehen von Truppen. „Die Militärs könnten noch schwerere Verbrechen gegen die Bevölkerung von Myanmar begehen.“

Er habe zudem „von einem Geheimprozess gehört“, der in dieser Woche gegen die De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi und Ex-Präsident Win Myint begonnen habe.

Der unter Hausarrest stehenden Friedensnobelpreisträgerin wird nun auch ein Verstoß gegen das „Gesetz zum Management von Naturkatastrophen“ vorgeworfen, wie ihr Anwalt Khin Maung Zaw zuvor mitgeteilt hatte. Die 75-Jährige war nach ihrer Festnahme bereits wegen Verstößen gegen Import-Export-Regeln angeklagt worden, weil bei einer Razzia in ihrem Haus Funkgeräte gefunden wurden.

Andrews appellierte an die internationale Gemeinschaft, Druck auf die Generäle auszuüben und „die Junta zu überzeugen, dass die für Mittwoch geplanten Versammlungen ohne Festnahmen und Gewalt ablaufen müssen“. „Die anhaltende Unterdrückung der Grundrechte und der Menschenrechte der myanmarischen Bevölkerung muss umgehend aufhören“, forderte er. Zugleich rief er ausländische Unternehmen auf, die Verbindungen zu Myanmar zu kappen, wenn die Militärs „diesen Weg der Gewalt weitergehen“.

Das Militär in Myanmar hatte am 1. Februar die Macht an sich gerissen und Suu Kyi festgenommen und später unter Hausarrest gestellt. Der Putsch beendete eine zehnjährige Phase des demokratischen Wandels in dem südostasiatischen Land. Seit dem Putsch gibt es landesweit massive Proteste gegen die Junta. Nach Aktivistenangaben wurden bereits mehr als 420 Menschen festgenommen.

by Ye Aung THU

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