Was denn nun? Chef der Krankenhäuser glaubt nicht an Überlastung des Gesundheitssystems durch Covid-19

In den letzten Tagen hatten zahlreiche Mediziner vor den stark ansteigenden Zahlen der Covid-19-Patienten in den Krankenhäuser gewarnt. Jetzt jedoch widerspricht der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) offen der Einschätzung seiner Kollegen. Laut Gerald Gaß sei die Versorgung der Patienten auch bei weiter steigenden Patientenzahlen sichergestellt.

Wegen Covid-19! Streit unter Medizinern droht

Im Augenblick gehen die Meinungen über die Gefahr die von der 3. Corona-Welle in Deutschland ausgehen offenbar weit auseinander. Zuletzt hatte Professor Gernot MArx, der Präsident der Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) noch gefragt: „Brauchen wir erst ein Bergamo, um den Mut für einen harten Lockdown zurückzugewinnen?“. Damit spielte der Mediziner auf die harten Triage-Maßnahmen in Italien bei der 1. Corona-Welle an. Auch aus der Politk werden mahnende Stimmen laut, die aktuelle Pandemie-Welle nicht zu unterschätzen. Zuletzt hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Menschen in Deutschland dazu aufgerufen ein ruhiges Osterfest zu feiern, um das Gesundheitssystem nicht in Gefahr zu bringen

Deutschlands oberster Krankenhaus-Chef hat die Nase voll!

Doch offenbar finden die andauernden Gefahrenmeldungen nicht überall positiven Anklang. „Diese andauernden Überlastungsszenarien – auch von medizinischen Verbänden und Experten – sind nicht zielführend“, äussert nun Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Gaß macht den Bundesbürgern ein Versprechen: „Jeder Schwerkranke – egal ob Covid oder nicht – wird eine angemessene Versorgung in den Kliniken erhalten. Eine totale Überlastung unseres Gesundheitssystems oder gar Triage wird es in den kommenden Wochen absehbar nicht geben. Es droht auch kein Ende der Versorgung“, ist sich Gaß seiner Sache sicher. Allerdings steigen die Patientenzahlen auf den Intensivstationen in Deutschland seit dem 13. März wieder an. Am Karfreitag lag die Anzahl der Intensivpatienten mit Covid-19-Erkrankung bei 3.849 Fällen in ganz Deutschland. Aktuell sind laut dem DIVI-Intensivregister 3.534 freie Intensivbetten für Covid-Patienten vorhanden. Außerdem gebe es auch noch die Notfallreserve von mehr als 10 000 Betten. Gaß bestätigt, dass auch bei einem Überschreiten der Patientenzahlen von 5.800 Fällen, wie bereits in der 2. Pandemie-Welle geschehen, keine Überlastung für das deutsche Gesundheitssystem darstellen. „De facto haben wir mehr Kapazitäten auf den Intensivstationen als in der zweiten Welle. Das große Problem der Corona-Ausfälle und Quarantäne-Anordnungen innerhalb der Belegschaft fällt quasi weg“, verteidigt der DKG-Chef seinen Standpunkt.

DIVI sieht die Situation anscheinend drastischer

Allerdings widersprechen viele Mediziner dem Standpunkt von Gaß. Beim Divi-Register glaubt man, dass die Zahlen schon bald auf mehr als 4.500 Intensivpatienten steigen wird. „Das ist unvermeidbar“, ist Prof. Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters, sich sicher. Mit einem sofortigen harten Lockdown könnte man die Patientenzahl auf den Intensivstationen bei rund 5.000 Fällen einfangen. „Warten wir noch länger, und stoppen erst bei einer Inzidenz von 300 Ende April oder Anfang Mai, werden wir mehr als 6000 Menschen mit COVID-19 auf Intensiv sehen. Ob wir das packen, wage ich zu bezweifeln“, warnt Karagiannidis und besteht explizit darauf mit diesen Zahlen keine Schwarzmalerei zu betreiben. Solche Szenarien werden von Gaß jedoch als Droh-Szenarien zur Einhaltung der Kontaktbeschränkung bezeichnet. Dies hält DKG-Chef für die falsche Taktik. „Ich wünschte mir, die Bürger besser zu informieren und nicht mit dramatischen Zahlen zu bedrohen. Etwa, dass es auch positive Entwicklungen gibt, die oft nicht zur Sprache kommen.“ Denn laut Gaß gäbe es auch positive Punkte. So sinkt die Anzahl der Todesfälle weiter. Außerdem werde sich laut Gaß auch die Impfungen bald positiv auf die Infektionszahlen auswirken. „Wir müssen so viele Menschen wie möglich gegen schwere Verläufe schützen – deshalb sollten die Ständige Impfkommission und das Paul-Ehrlich-Institut den Mut haben, die Erstimpfung zu priorisieren. Das Motto muss lauten: Volle-Kraft in die Erstimpfung!“, gibt Gaß seine Meinung für eine mögliche Marschrichtung vor.

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