Wie sicher ist die Impfung für Kinder? Gegen den Willen der Stiko – Bundestagspräsident Schäuble fordert Impf-Empfehlung für Kinder ab 12 Jahren!

Wie es scheint, versucht die Politik erneut massiv Einfluss auf die Entscheidung der Ständigen Impfkommision (Stiko) hinsichtlich der Impfung gegen Corona für Kinder ab 12 Jahren zu nehmen. Bisher empfiehlt die Stiko eine Impfung nur für Kinder, die zu Risikogruppen zählen. Doch offenbar würde man von Seiten der Politik lieber eine generell Impfempfehlung der Stiko sehen.

Streit zwischen Politik und Experten! – Sollen Kinder gegen Corona geimpft werden?

Zuletzt hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (78, CDU) die Ständige Impfkommission (Stiko) dazu gedrängt eine Empfehlung von Corona-Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren abzugeben. Nachdem die europäische Arzneimittelbehörde EMA dem Impfstoff von Biontech bereits seit einigen Wochen grünes Licht für die Impfungen von Kindern ab 12 Jahren gegeben hat, können die Minderjährigen nun auch mit dem Impfstoff von Moderna geimpft werden. Dieser wurde nun ebenfalls für Kinder ab 12 Jahren freigegeben. „Wenn die europäische Zulassungsbehörde zwei Corona-Impfstoffe für sicher und wirksam auch für Kinder ab zwölf Jahren erklärt, spricht aus meiner Sicht sehr viel dafür, die Vakzine auch für diese Gruppe breit zu nutzen“, verdeutlichte Bundestagspräsident Schäuble. „Ich wünsche mir persönlich als Großvater, dass meine Enkel möglichst bald geimpft werden können“, plädiert der Politiker eindeutig für eine Impfung. Doch noch hält die Stiko an der usprünglichen Empfehlung fest nur Kinder aus Risikogruppen zu impfen. Dies wird unter anderem auch mit der dünnen Datenlage begründet. „Es steht dem Bundestagspräsidenten nicht zu, die Ständige Impfkommission zu kritisieren, allerdings darf ich sie an ihre Verantwortung erinnern“, machte Schäuble gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ erneut Druck. Dabei argumentierte der Politiker, dass die Kinder zwar selten schwer erkranken, allerdings trotzdem unter Spätfolgen leiden oder das Virus weiter verbreiten können. „Die Corona-Risiken sind auch für sie um ein Vielfaches höher als die einer Impfung“, ist sich der Politiker sicher.

Experten kritisieren Schäubles Aussagen

Bei Experten allerdings stoßen Schäubles Aussagen auf Zweifel und Kritik. „Die Stiko macht sich viele Gedanken, wägt Risiken gewissenhaft ab und achtet sehr auf die Sicherheit. Das ist richtig so, denn noch wissen wir nicht genau, wie sicher das Impfen für Kinder ist. Es besteht die Gefahr, dass der Schaden am Ende größer ist als der Nutzen. Deshalb muss gelten: Sicherheit geht vor“, ist Virologe Dr. Martin Stürmer (52) überzeugt und plädiert dafür zunächst die Daten der Impfungen von Kindern im Alter von 12 bis 15 Jahren aus anderen Ländern auszuwerten. Zudem sieht Stürmer in den Politikern nicht die geigneten Personen, um über dieses Thema zu diskutieren. „Die Politik sollte sich da generell raushalten. Auch Herr Dr. Schäuble ist nicht die richtige Person, um die Entscheidungen der Stiko fachlich vollumfänglich beurteilen zu können“, kritisiert Stürmer. Ähnlich sieht die Sache auch der Kinder- und Jugendarzt Jakob Maske (50): „Die Aussagen von Herrn Dr. Schäuble sind eine weitere unsägliche Einmischung der Politik in die Medizin – das ist nicht akzeptabel. Die Stiko ist ein unabhängiges Gremium aus informierten Ärzte, die aufgrund von medizinischen Erwägungen Entscheidungen treffen. Und man muss ganz klar sagen: Derzeit geben die Daten es nicht her, flächendeckend alle Kinder ab 12 Jahren zu impfen“, nimmt der Mediziner einen klaren Standpunkt ein. Begründen tut Maske seine Haltung auch wegen der Gefahr auf eine Herzmuskelentzündung, bei der die Chancen mit 1:15.000 relativ hoch liegen. Zudem seien die Todeszahlen in Deutschland unter Kindern sehr niedrig. Während in Deutschland gut 92.000 erwachsene Menschen am Coronavirus gestorben sind, waren lediglich 20 Kinder an den Folgen von Covid-19 verstorben. Auch Long-Covid trete bei den Kindern eher selten auf. Viel schlimmer seien laut Maske die psychischen Folgen wegen des langen Lockdowns bei den Kindern.

In Deutschland werden bereits Kinder geimpft

Bereits seit dem 7. Juni können die Eltern der Kinder entscheiden, ob diese ab einem Alter von 12 Jahren geimpft werden sollen. Seitdem hatte die EMA nämlich die Zulassung für 12- bis 15-Jährige für den Corona-Impfstoff Corminarty von Biontech/Pfizer gegeben. Mittlerweile wurde auch der Impfstoff von Moderna für diese Altersklasse freigegeben. Während in Deutschland allerdings lediglich wenige Tausend Kinder in diesem Alter geimpft wurden, haben in Kanada beispielsweise schon mehr als 2,5 Millionen 12- bis 15-Jährige eine Dosis bekommen. Trotzdem sind Daten Mangelware. Lediglich eine Studie von Biontech/Pfizer mit insgeamt 2.260 Kindern von 12 bis 15 Jahren war vor einiger Zeit im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht worden. Lediglich die Hälfte der Kinder waren geimpft woden. Dia anderen 1.130 Kinder hatten ein Placebo erhalten. Auch deshalb spricht sich der Berliner Kinderarzt Dr. Martin Karsten (61) gegen die Impfungen aus. „Ich würde aktiv nicht dafür werben, Kinder zu impfen, da man sich 100 Prozent sicher sein muss, dass es sich um eine für Kinder sichere Impfung handelt. Dafür ist die Datenlage aber derzeit noch sehr dünn“, erklärte der Mediziner gegenüber der „Bild“-Zeitung und liegt damit auf der selben Wellenlänge wie Stiko-Chef Thomas Mertes (71). Denn auch dieser sagt: „Die Zahl der in der Studie geimpften Kinder ist einfach zu gering, um eine belastbare Aussage über die Sicherheit in dieser Altersgruppe zu machen.“

Welche Nebenwirkungen sollen bei Kindern auftreten?

Laut der Biontech-Studie sollen die Nebenwirkungen bei Kindern in der Altersklasse zwischen 12 und 15 Jahren ähnlich derer bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Altersgruppe zwischen 16 und 25 Jahren sein. Dies seien meist Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Offenbar treten die Nebenwirkung bei der 2. Impfung häufiger auf als bei der Erstimpfung. 1,3 Prozent der Kinder in der Studie hatte jedoch schwere Impfreaktionen gezeigt. Stiko-Chef Mertens betont, dass diese Impfreaktionen zwar nicht zu Schäden führen müssten, dass man jedoch bisher nichts über mögliche Spätfolgen oder deutlich seltener auftretende Nebenwirkungen wissen würde. Unterdessen arbeitet die Pharmaindustrie bereits an Impfstoffen für Kinder unter 12 Jahren. So wollen Pfizer und Biontech wohl noch in diesem Jahr eine Zulassung für einen Impfstoff für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren beantragen und mit Studien bei Kindern unter 5 Jahren beginnen. Moderna hat mittlerweile bereits eine klinische Studie gestartet, um den Impfstoff an Kindern zwischen 6 Monaten und 11 Jahren zu testen. Auch bei AstraZeneca läuft eine Studie mit 300 Kindern im Alter zwischen 6 und 17 Jahren. Bis die Studiendaten vorliegen dürfte es allerdings noch etwas dauern.

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