Werbung

Xiaomi Mi A2 Review: Die zweite Generation der AndroidOne-Serie im Test

In der zweiten Generation seiner AndroidOne-Serie verbindet Xiaomi erneut eine weitgehend unangetastete Stock Android-Erfahrung mit einem niedrigen Preis und erstaunlich guter Hardware. Aber wie sich herausstellt, ist einer der wichtigsten Konkurrenten des Xiaomi Mi A2 ausgerechnet der Vorgänger, der in einigen Details weiterhin die Nase vorne hat.


Im letzten Herbst hatte Xiaomi überraschend ein erstes AndroidOne-Smartphone vorgestellt, dass bei den einschlägigen Importeuren sehr beliebt war und auch uns absolut überzeugen konnte. Seitdem haben andere Android-OEMs (BQ, Nokia etc.) ihre Bemühungen in diesem Bereich intensiviert und bieten ebenfalls günstige Smartphones an, die Software-Updates regelmäßig und zeitnah direkt von Google beziehen.

Wie der Vorgänger basiert auch das Ende Juli vorgestellte Xiaomi Mi A2 auf einem anderen Smartphone-Modell des Unternehmens: diesmal dem Xiaomi Mi6X. In puncto Hardware unterscheiden sich die beiden praktisch überhaupt nicht, allein schon wegen Stock Android, deutscher Sprachoption und der Verfügbarkeit aller LTE-Frequenzen ist das Xiaomi Mi A2 aber hierzulande die wesentlich interessantere Option. Unser Dank gilt daher Gearbest*, die uns ein Xiaomi Mi A2 in der Farbe Butterfly Blue mit 128GB internem Speicher zur Verfügung gestellt haben. Derzeit liegt diese mit 6GB RAM ausgestattete 128GB*-Variante preislich bei ca. 240 Euro – 32GB* gibt es aber schon für ca. 180 Euro.

Design und Verarbeitung

Von dem Smartphone einmal abgesehen finden sich im Lieferumfang ein ca. ein Meter langes USB-Kabel (Typ C auf Typ A), ein Netzteil mit 5V/2A, das Tool zum Öffnen des SIM-Slots und eine rudimentäre Schutzhülle aus transparentem Plastik sowie natürlich diverser Papierkram. Außerdem gibt es einen schmalen Adapter von USB Typ C auf 3.5mm-Klinke – denn ja, das Mi A2 reiht sich in die unrühmliche Serie von Android-Smartphones ein, die ohne sinnvollen Grund den Klinkenanschluss entfernt haben.

Xiaomi Mi A2 AndroidKosmos 13 von 13 1024x768Immerhin gibt es stattdessen einen USB Typ C-Port, der wie gewohnt am unteren Rand des Smartphones positioniert wurde. Links und rechts davon wurden je sechs schmalen Öffnungen in den Unibody gefräst – nur hinter den rechten scheint sich aber tatsächlich auch ein Lautsprecher zu befinden, die anderen dienen primär der Symmetrie und beherbergen eines der beiden Mikrofone.

Am linken Rand findet sich dann der SIM-Schacht eingelassen, der zwei nanoSIM-Karten aufnehmen kann (Dual-SIM). Gegenüber sitzen Powerbutton und Lautstärkewippe, die meinem Empfinden nach zwar etwas schmal ausfallen, aber immerhin kaum wackeln und einen angenehm festen Druckpunkt aufweisen. Oben findet sich schließlich noch ein zweites Mikrofon, sowie ein Infrarotsender, den verschiedene Apps verwenden können, um beispielsweise eine Fernbedienung zu ersetzen.

Wenden wir uns der Rückseite zu, finden wir dort diverse Aufdrucke, einen Fingerabdrucksensor sowie die beiden Kameras und den LED-Blitz, deren Position und Anordnung nun dem iPhone X/XS entsprechen. Zwei farblich etwas abgesetzte Antennenstreifen sollen trotz Metallgehäuse für einen guten Empfang sorgen und ziehen sich am oberen und unteren Rand des Smartphones entlang und bis nach vorne.

Auffallen tut insbesondere die von dem (mit etwa 6 Millimetern allerdings auch sehr schlanken) Smartphone deutlich abstehende Kamera mit einem nochmals etwas abgesetzten Glas, dass die beiden Sensoren abdeckt. Ohne eine entsprechende Hülle wackelt das Xiaomi Mi A2 deshalb auf planen Oberflächen erheblich und außerdem läuft das Glas Gefahr, besonders schnell zu verkratzen. Warum Hersteller dann nicht einfach ihr Smartphone etwas dicker machen und so direkt auch noch wertvollen Platz für weitere Komponenten und v.a. größere Akkus gewinnen, bleibt mir ein Rätsel.Xiaomi Mi A2 AndroidKosmos 9 von 13 1024x768Auf der Vorderseite schließlich kommt kratzfestes 2.5D Corning Gorilla Glas 5 zum Einsatz, das zu den Seiten hin leicht abgerundet ist und zumindest bei der weißen Front unseres Modells je nach Lichteinfall den Eindruck erwecken kann, als sei eine Schutzfolie auf dem Glas angebracht. Abgerundet sind darüber hinaus auch die Ecken des 5.99 Zoll großen Displays, das beinahe die gesamte Fläche einnimmt. Darüber sind der Telefonlautsprecher, die Frontkamera und ihr LED-Flash, sowie eine einfarbig-weiße Benachrichtigungs-LED und ein Annäherungssensor positioniert worden – beim schwarzen Modell fallen diese weniger deutlich auf.

Xiaomi Mi A2 AndroidKosmos 3 von 13 1024x768 Insgesamt ist das Design ebenso grundsolide wie einfallslos und entspricht vollständig dem des Xiaomi Mi6X – immerhin hat unser ’schmetterlingsblaues‘ Modell zumindest mal eine interessante Farbe, die sich von dem noch immer üblichen weiß/schwarz/gold der meisten Smartphones abheben kann (natürlich gibt es das Xiaomi Mi A2 aber auch in den Farben schwarz und gold). Nichts auszusetzen gibt es an der Verarbeitung: Störende Spaltmaße oder knarzende Stellen lassen sich nicht feststellen und haptisch hinterlässt das 168g leichte Xiaomi Mi A2 einen sehr stabilen und wertigen Eindruck.

Display

In der zweiten Generation ist die Mi A-Serie nun auf ein neues Displayformat umgestiegen und setzt auf ein Seitenverhältnis von 18:9, sodass das Smartphone trotz des nun ganze 5.99 Zoll in der Diagonale messenden Displays mit 75.4mm noch halbwegs schmal bleibt und sich weiterhin bequem in einer Hand halten lässt. Auch die Displayauflösung ist entsprechend angewachsen und liegt nun bei 2160×1080 Pixeln (FHD+), was eine Pixeldichte von 403ppi ergibt.

Aus normalen Sichtabstand lassen sich damit keine einzelnen Bildpunkte mehr erkennen, stattdessen erscheinen alle Inhalte gestochen scharf – wenngleich bei Texten QHD-Displays noch immer einen erkenn- aber vernachlässigbaren Vorteil haben. Ebenso kann auch das Kontrastverhältnis von 1500:1 des IPS-Panels mit den hochauflösenden OLED-Panels vieler High-End-Modelle zwar nicht mithalten, macht sich im Alltag aber dennoch nicht negativ bemerkbar. Zudem wirken Farben lebendig aber natürlich und Weißtöne kommen ohne erkennbaren Farbstich aus. Der Touchscreen erkennt ohne Probleme bis zu zehn Finger und reagiert flott und ohne Verzögerungen auf Eingaben.

Xiaomi Mi A2 AndroidKosmos 12 von 13 1024x768Insgesamt gibt es an der Qualität des Panels für diese Preisklasse wirklich nichts auszusetzen. Das neue Seitenverhältnis ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig und für Videos schlichtweg ungeeignet, bietet aber erkennbare Vorteile bei vertikalen Inhalten – es passen halt einfach ein paar mehr Textzeilen, Chat-Nachrichten etc. ins Bild sodass etwas weniger gescrollt werden muss.

Performance und Speicher

Mit dem Snapdragon 660 setzt das Xiaomi Mi A2 auf einen nicht mehr ganz aktuellen aber noch immer sehr guten Qualcomm-SoC, der sich aus acht Kryo 260 Kernen (big.LITTLE) mit 1.95 bzw. 2.2 GHz sowie einer Adreno 512 GPU zusammensetzt. Der Snapdragon 660 unterstützt außerdem Qualcomms AI Engine, die aber soweit ich das erkennen konnte, bei diesem Modell (bisher) nicht nennenswert verwendet wurde. In puncto Performance gibt der SoC jedenfalls keinen Anlass zur Klage: die Android 8.1 Oreo-Oberfläche und alle Anwendungen laufen flüssig, Apps starten angenehm schnell aus dem Standby und selbst anspruchsvolle Spieletitel stellt die Adreno 512 GPU problemlos dar. Eine spürbare Wärmeentwicklung ließ sich zwar nach längeren Spielesessions feststellen, hält sich aber in Grenzen und fällt nicht weiter störend auf.

Das Xiaomi Mi A2 ist in den Speicherkombinationen 4 + 32GB, 4 + 64GB und 6 + 128GB erhältlich. Gearbest hat uns freundlicherweise die größte Variante zur Verfügung gestellt, die spür- und messbaren Unterschiede zwischen den RAM-Konfigurationen sollten sich aber in Grenzen halten: auch 4GB (LPDDR4X) RAM reichen für so ziemlich jeden Nutzer aus. Nur ein Bedarf an zusätzlichem internem Speicher rechtfertigt den (wenngleich moderaten) Aufpreis, aber da 64 oder 128GB nur unerheblich teurer sind und sich der Speicher leider nicht länger mit einer microSD-Karte nachträglich erweitern lässt, greifen die meisten Interessenten wohl besser zu den größeren Varianten. Sicher ist sicher.

Xiaomi Mi A2 AndroidKosmos 11 von 13 1024x768Auf der Rückseite des Smartphones findet sich ein Fingerabdrucksensor, der so positioniert wurde, dass der Zeigefinger intuitiv darauf ruhen sollte. Ein vorheriges Aktivieren des Displays ist nicht notwendig, ein bloßes Auflegen des Finger entsperrt das Smartphone in Sekundenbruchteilen zuverlässig in 10 von 10 Fällen. Bis zu fünf verschiedene Fingerabdrücke lassen sich einrichten und alternativ können Muster, PIN oder Passwort konfiguriert werden – auf eine (ohne entsprechende Hardware ohnehin nur bedingt sinnvolle) Gesichtserkennung verzichtet Xiaomi aber.

Audio und Konnektivität

Am unteren Rand des Smartphones ist wie bereits erwähnt ein USB-Port vom Typ C untergebracht worden, der für das Aufladen des Smartphones, die Verbindung mit einem Rechner sowie für den Anschluss von Kopfhörern und sonstiger Peripherie verwendet werden kann.

Das X12 LTE Modem des Snapdragon-SoCs erreicht theoretische Geschwindigkeiten von 600Mbps im Down- und 150Mbps im Upload. Das lässt sich in Deutschland natürlich nur schwer erreichen, die mobile Internet-Verbindung ist aber dennoch angenehm schnell und stabil. Nicht zuletzt wohl deshalb, weil das Xiaomi Mi A2 alle relevanten LTE-Frequenzen (LTE-TDD: B38 / B40; LTE-FDD: B1 / B2 / B3 / B4 / B5 / B8 / B20) inklusive dem in den non-Global Editions vieler Xiaomi-Smartphones fehlendem Band 20 unterstützt. Auch die Gesprächsqualität in Telefonaten gibt keinen Anlass zur Kritik, beide Seiten sind deutlich zu verstehen und etwaige Störgeräusche lassen sich nicht feststellen – das obere Mikrofon reduziert außerdem effektiv auch lautere Umgebungsgeräusche. Das Xiaomi Mi A2 erlaubt die Nutzung zweier nanoSIM-Karten (dualSIM).

Ins W-LAN geht es mit dem Xiaomi Mi A2 ebenfalls zuverlässig und nach den Standards 802.11 a/b/g/n und ac (2.4 + 5GHz), außerdem werden WiFi-Direct und WiFi Display unterstützt. Bluetooth 5.0 erlaubt zudem eine stabile und schnelle Verbindung mit anderen Geräten und Zubehör in einem Radius von etwa 10 Metern und die Standort-Lokalisierung (via GPS, A-GPS, GLONASS oder BDS) erfolgte schnell und zuverlässig (wie es sich im Auto verhält kann ich allerdings nicht beurteilen). NFC wird nicht unterstützt – wär mir nicht einmal aufgefallen, könnten aber z.B. Mobile Payment Interessenten vermissen.

Xiaomi Mi A2 AndroidKosmos 6 von 13 1024x768Abzüge in der B-Note gibt es auch für den fehlenden 3.5mm-Klinkenanschluss. Kopfhörer und sonstiges Audio-Zubehör können nurmehr über Bluetooth oder den USB-Port verbunden werden. Ein Adapter von USB auf Klinke ist im Lieferumfang zwar enthalten, kann aber verloren oder kaputt gehen und muss ständig mitgeführt werden – auf mich wirkt er ziemlich fragil und zeigt bereits nach wenigen Stunden erkennbare Spuren der Abnutzung. Unpraktisch ist er so oder so. Während Apple seitdem von weiteren Lizenzgebühren für die Nutzung des proprietären Lightning-Ports sowie natürlich den Verkäufen W1-basierten Zubehörs (v.a. die Airpods) profitiert, gibt es für Android-OEMs bisher wenig gute Gründe sich von dem 3.5mm-Klinkenanschluss zu verabschieden. Gerade im Budget-Bereich wirkt diese Entscheidung auch 2018 noch übereilt, wenngleich sich USB- und Bluetooth-basierte Alternativen zunehmend etablieren.

In puncto Audio ist ansonsten noch der Mi Sound Enhancer erwähnenswert, der in den Einstellungen aktiviert werden kann und die Soundqualität bei der Nutzung von Kopfhörern etwas verbessern kann. Verschiedene Profile passen den Sound an diverse Xiaomi-eigene Kopfhörer (In-Ear wie On-Ear) an – was sich aber natürlich auch auf vergleichbare Modelle anderer Hersteller auswirkt. Wer stattdessen lieber den Mono-Lautsprecher verwenden möchte, wird sich mit einem zwar flachen, aber bei moderater Lautstärke noch akzeptablem Sound zufrieden geben müssen. Nur hinter einer der beiden Reihen von Öffnungen am unteren Rand verbirgt sich tatsächlich auch ein Lautsprecher zu verbergen, die andere Reihe dient wohl nur der Symmetrie. Das verhindert zumindest, dass man in horizontal genutzten Spielen ungewollt einen der Lautsprecher verdeckt.

Software

Entscheidend für viele an der Mi A-Serie interessierte Smartphone-Nutzer dürfte der Umstand sein, dass anders als bei sonstigen Xiaomi-Smartphones anstatt der stark modifizierten und weiterhin vor allem auf den asiatischen Markt ausgerichteten MIUI-Oberfläche ein nahezu unverändertes Stock Android zum Einsatz kommt.

Das Xiaomi Mi A2 ist ein AndroidOne-Smartphone, d.h. es bekommt zeitnahe und regelmäßige Aktualisierungen direkt von Google – zumindest Sicherheitsupdates jedenfalls (derzeitiges Patchlevel: Oktober 2018), denn ein Update auf die eigentlich schon seit einigen Monaten erhältliche aktuelle Android-Version 9.0 Pie ist auch für dieses Smartphone bisher nicht verfügbar. Stattdessen gibt es Android 8.1 Oreo.

Im Unterschied zur MIUI (und vielen anderen Hersteller-Skins) stellt sich Stock Android etwas übersichtlicher und zugänglicher dar und wirkt optisch deutlich konsistenter: Jenes Material Design, auf dem auch viele Apps beruhen, zieht sich hier konsequent durch die ganze Oberfläche und wartet mit schicken Animationen und klaren Farben auf. Auch jemandem, der bisher keine Erfahrungen mit Android-Smartphones gemacht hat, kann man das Mi A2 deshalb in die Hand drücken, ohne ihn komplett zu überfordern. Deutsch als Systemsprache einzustellen ist kein Problem (dass alle Screenshots hier auf Englisch sind, liegt nur daran, dass ich das so bevorzuge).

Der Preis dafür ist aber ein ziemlich rudimentärer Funktionsumfang und vor allem eine tiefe Integration nahezu aller verfügbaren Google-Services, die ich zumindest dann nahezu ausnahmslos nicht nutze und umständlich deaktivieren oder deinstallieren muss. Der Google Play Store und die restlichen Play-Services sind bereits vorinstalliert, ebenso die Videotelefonie-App Duo (nutzt die überhaupt irgendjemand?), Gboard und Google Keep.

 

Xiaomi steuert ebenfalls einige Anwendungen bei, unter anderem für Feedback, den Mi Store und die Mi Community – braucht man i.d.R. nicht, lässt sich aber deinstallieren. Der File Explorer und die Remote-App zur Nutzung des integrierten Infrarotsenders sind allerdings recht sinnvoll – ersterer wartet aber mit Werbeeinblendungen auf, was ziemlich stört und absolut nicht zu rechtfertigen ist.

Akku

In dem schlanken Smartphone findet ein mit 3040mAh nicht gerade überdimensionierter Akku Platz, mit dem sich trotz des großen Displays noch durchschnittliche Laufzeiten erreichen lassen. Nach einem Tag typischer Nutzung (Firefox,Telegram, Spotify, Pocket sowie kein GPS oder Bluetooth, aber dauerhaft LTE oder WiFi) blieben meist etwa 30-40 Prozent über, mit denen es sich bei Bedarf noch einen zweiten Tag lang schaffen lässt. Meistens habe ich das Smartphone am Abend dennoch wenigstens kurz geladen, was dank Fast Charging oft schon ausreicht. Über den USB Typ C-Port und das 5V/2A-Netzteil (EU-Stecker), ist das Mi A2 innerhalb von knapp zwei Stunden vollständig aufgeladen. Wireless Charging wird allerdings nicht unterstützt.

Der Akku ist fest verbaut und lässt sich nicht ohne weiteres wechseln, weil das aber so ziemlich jeder Hersteller inzwischen macht, sehe ich hier mal davon ab, dafür massiv Punkte abzuziehen. Unpraktisch ist das natürlich trotzdem.

Kamera

Während die meiste Software von Xiaomi unangetastet bleibt, steuern deren Entwickler erneut zumindest die Kamera-Anwendung bei, weil diese im Unterschied zu den meisten anderen Apps intensiv auf die jeweilige Hardware des Smartphones angepasst werden muss bzw. sollte. Diese Hardware besteht in diesem Fall aus einer Dual-Cam samt LED-Blitz, deren Position und Anordnung vom iPhone inspiriert scheint.Xiaomi Mi A2 AndroidKosmos 8 von 13 1024x768Xiaomi verbindet einen 12 Megapixel Sony IMX 486 mit einer großen f/1.75-Blende und 1.25um großen Pixeln und setzt bei der anderen Kamera auf einen Sony IMX 376-Sensor mit einer Blende von f/2.0 und einer Auflösung von 20 Megapixeln. Allerdings wird die zweite Kamera leider nicht länger für einen optischen Zoom (ein wirklich praktisches Feature, das der Vorgänger noch beherrschte) oder einen weiteren Aufnahmewinkel verwendet, sondern ganz klassisch nur für einen DSLR-artigen Tiefenschärfe-Effekt.

In einem dafür vorgesehenen Portrait-Modus spielen Software und Sensoren zusammen, um einen stilvolle Unschärfe zu erzeugen. Das funktioniert bei filigranen Motiven längst nicht immer auf Anhieb, kann aber mit etwas Geduld dennoch zu sehr ansehnlichen Ergebnissen führen – hinter aktuellen Huawei und Honor-Smartphones stehen diese aber deutlich zurück. Beachtet bitte, dass alle in diesem Beitrag eingebetteten Aufnahmen vor dem Upload von uns komprimiert wurden.

Auch sonst sind die Aufnahmen keineswegs schlecht und für diese (~240 Euro) Preisklasse manchmal sogar ziemlich gut. Die Bilder erscheinen kontrastreich und detailliert und wirken etwas farbenfroher und lebendiger als noch beim Vorgänger. Auch reagiert der Autofokus (PDAF) deutlich schneller. Bei bestimmten Motiven (v.a. Landschaftsaufnahmen oder filigranen Strukturen) und Lichtverhältnissen hat die Kamera allerdings ihre Aussetzer und bleibt hinter dem anderswo sichtbaren Potenzial zurück. Dann gehen filigrane Strukturen verloren, einige Objekte erscheinen seltsam verschwommen und wie beim Vorgänger fehlt es den Bildern an Dynamik.

Die Spreu vom Weizen trennt sich bei Smartphone-Kameras inzwischen in suboptimalen Lichtverhältnisse, wo auch beim Mi A2 die Bildqualität erkennbar abnimmt: Details gehen verloren und bald stellt sich ein erkennbares Rauschen ein, dem man noch am ehesten mit dem manuellen Modus und einer etwas längeren Belichtungszeit entgegenwirken kann. Dennoch sind die Ergebnisse konstant besser als noch beim Vorgänger und solange noch ein wenig Restlicht vorhanden ist zumindest „Social Media-tauglich“. HDR hilft auch manchmal dabei, noch etwas mehr aus einem Motiv herauszuholen – bringt oft aber auch keine erkennbaren Unterschiede.

Im manuellen Modus lassen sich neben der Belichtungszeit auch ISO-Wert, Fokus und Weißabgleich anpassen sowie zwischen den beiden Linsen wechseln. Für Schnappschüsse ist das ohnehin ungeeignet, zeitnah ein passendes Ergebnis zu erzielen wird aber auch einfach dadurch erschwert, dass keine entsprechende Vorschau geboten wird. Ändert man z.B. manuell die Belichtungszeit muss man nach dem ersten Foto in die Galerie wechseln, um festzustellen, ob es nicht vielleicht viel zu hell oder zu dunkel ist.

Auch sonst hinterlässt die Kamera-Anwendung einen gemischten Eindruck und wirkt weniger durchdacht als die des Vorgängers oder anderer Hersteller. Weder das Design, noch die Platzierung von Einstellungen und Modi erscheinen mir sonderlich konsistent. Immerhin: durch horizontale Swipes schaltet man recht intuitiv zwischen den wichtigsten Modi (Panorama, Portrait, Manuell, Quadratisch) hin und her und HDR und LED-Flash können auch automatisch aktiviert werden.

Videos lassen sich mit dem Xiaomi Mi A2 mit bis zu 3840×2160 Pixeln (4K) sowie in 1080p FHD, 720p HD und 480p VGA aufzeichnen – jeweils mit 30fps, eine 60fps-Option gibt es nicht. Die Videos sind dank EIS nicht übermäßig verwackelt, sehen aber in FHD besser aus als in 4K, wo sich vereinzelt Artefakte erkennen lassen. Die Audioqualität geht in Ordnung. Außerdem gibt es eine Timelapse- (bis 1800X) und eine Slow-Motion- (720p HD bei 120fps) Funktion sowie einen Short Video-Modus, bei dem nach dem Auslösen automatisch ein zehnsekündiges Video aufgezeichnet wird.

Xiaomi Mi A2 AndroidKosmos 3 von 13 1024x768Für die Frontkamera kommt abermals ein Sony IMX376-Sensor zum Einsatz, diesmal mit einer Blende von f/2.2 und einer Auflösung von 20 Megapixeln, sowie derselben SuperPixel-Technologie wie der zweite Sensor der Hauptkamera. Die damit entstandenen Aufnahmen wirken etwas weniger farbintensiv und tendieren gelegentlich etwas zur Überbelichtung, sind aber mehr als ausreichend scharf und detailliert und insgesamt absolut brauchbar – auch noch bei Abenddämmerung oder in dunkleren Innenräumen. In sehr schlechten Lichtverhältnissen stellt sich dann aber auch irgendwann ein erhebliches Rauschen ein, weshalb es durchaus praktisch ist, dass Xiaomi auch auf der Front eine Art LED-Flash verbaut, der beim Erkennen eines Gesichtes, dieses automatisch beleuchten kann. Fans des Selbstportraits kommen voll auf ihre Kosten.

Während der manuelle Modus dafür nicht verfügbar ist, lässt sich auch mit der Frontkamera der Portrait-Modus verwenden, um den Hintergrund softwareseitig unscharf werden zu lassen – und das funktioniert fast so zuverlässig wie mit der Hauptkamera. Videos lassen sich maximal in FHD und mit 30fps aufzeichnen und sehen wirklich gut aus, HDR wird auch von der Frontkamera unterstützt und Intensität und Art der automatisch angewandten Beauty-Filter lassen sich anpassen.

Fazit

Auch in der zweiten Generation kommt die Mi A-Serie ohne einige (subjektive) Nachteile normaler Xiaomi-Smartphones aus. Statt der umfangreich angepassten MIUI-Oberfläche kommt ein weitgehend unangetastetes und imo zwar rudimentäres aber dafür etwas zugänglicheres Stock Android zum Einsatz und es werden alle LTE-Frequenzen sowie Deutsch als Systemsprache unterstützt.

Das Xiaomi Mi A2 kann das mit einer soliden Hardware-Basis verbinden: Der Qualcomm Snapdragon 660 SoC liefert zusammen mit 6GB RAM eine solide Performance, ausreichend interner Speicher wird ebenfalls geboten, die Kameras wurden etwas verbessert und das gute (wenn auch sehr große) Display kommt mit einem schmalen Rahmen und im praktischem 18:9-Format daher. Abgerundet wird all dies im wahrsten Sinne des Wortes von einem hochwertig anmutenden Gehäuse aus 2.5D Corning Gorilla Glas und Aluminium, das sich im Unterschied zum noch etwas günstigeren Mi A2 Lite außerdem eine Notch spart.

Xiaomi Mi A2 AndroidKosmos 10 von 13 1024x768Allerdings stellt das neue AndroidOne-Modell gegenüber dem Vorgänger in einigen Punkten auch einen je nach persönlichem Bedarf durchaus erheblichen Rückschritt dar. So steht die Kamera noch mehr als zuvor aus dem unnötig schlanken Gehäuse hervor und das Entfernen des 3.5mm-Klinkenanschlusses wirkt auch bei diesem Modell verfrüht – ersteres lässt sich mit einer ohnehin zu empfehlenden Hülle wie jener, die sich freundlicherweise im Lieferumfang befindet, ausgleichen, mit letzterem werden wir uns wie es scheint arrangieren müssen. Dass auch die Unterstützung für microSD-Karten und der zweifache optische Zoom der Dual-Cam ersatzlos gestrichen wurden, trübt aber ebenfalls den insgesamt wohl positiven Eindruck. Wer sich auch nur an einem dieser Kritikpunkte stört, ist mit dem Vorgänger vermutlich besser bedient, denn sie werden durch marginal bessere Kamera oder das neue Displayformat nicht wirklich ausgeglichen.

Wirklich interessant wird das Xiaomi Mi A2 erst durch die Preisgestaltung. Bei Gearbest*, von denen auch unser Testmodell stammt, werden je nach Speicher- und Farbvariante zwischen 180 und 240 Euro fällig, was mir nach zwei Wochen der Nutzung für die gebotene Hardware durchaus angemessen erscheint. Gerade für neue oder preisbewusste Smartphone-Interessenten wird es damit zu einer attraktiven Option in der unteren Mittelklasse, die sich auch gegen die wachsende Zahl an AndroidOne-Smartphones noch behaupten kann.

 

* Dieser Beitrag erhält Partnerlinks. Wenn du darüber einen Artikel kaufst, erhalten wir eine kleine Provision. Der Preis ändert sich dadurch für dich nicht, du unterstützt uns aber dabei, die Arbeit an dieser Seite fortzusetzen.
Xiaomi Mi A2 AndroidKosmos 5 von 13 150x150
Xiaomi Mi A2 Review: Die zweite Generation der AndroidOne-Serie im Test
Display8.4
Performance8.6
Kamera8
Akkulaufzeit8
Software8.8
Verarbeitung9
Preis-Leistung8.8
Positiv
Überzeugendes 5.99 Zoll Display (18:9) mit recht schmalen Rändern
Regelmäßige und zeitnahe Sicherheitsupdates
Nahezu unveränderte Android-Oberfläche inkl. deutscher Sprache
Dual-SIM, internationale LTE-Frequenzen und Bluetooth 5.0 sowie WiFi ac
Sehr gute Front- und akzeptable Hauptkamera
Ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis
Manueller Modus und Portrait-Aufnahmen mit Bokeh-Effekt
Negativ
Kein 3.5mm-Klinkenanschluss für Audio-Zubehör
Manueller Kamera-Modus ohne Ergebnis-Vorschau
Kamera steht extrem weit aus dem Gehäuse hervor
Kein optischer Zoom mehr
Keine Speichererweiterung möglich
Kein NFC
8.5
Score

Werbung

Kommentar schreiben

avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.