Zu hohe Inzidenzwerte im Landkreis – Auch Tübinger Modellprojekt stoppt ab nächsten Montag

Das Vorgehen der Stadt Tübingen hatte in den letzten Monaten Hoffnung auf einen weiteren Verlauf der Pandemie ohne große Einschränkungen gemacht. Doch nun wird auch das Modellprojekt von Tübingens OB Boris Palmer beendet. Denn während der Inzidenzwert in der Stadt selbst noch immer unter 100 liegt, ist der Inzidenzwert im Landkreis auf über 180 angestiegen.

Modellprojekt in Tübingen wird vorläufig eingestellt

Seit Monaten gilt Tübingen als Vorbild-Stadt in der Corona-Pandemie, doch mit der Einführung von Kanzlerin Merkels Bundes-Lockdown ist das erfolgreiche Projekt jetzt erst einmal Geschichte. Über sechs Wochen hatte das Projekt von Tübingens OB Boris Palmer vorzüglich funktioniert, doch nun ist zwangsläufig erst einmal Schluss. Denn die

beschlossene „Bundes-Notbremse“ lässt keine andere Möglichkeit.

„Ab Montag ist also auch bei uns alles dicht. Theater, Handel, Schulen und Kitas“, verkündet Palmer in den sozialen Medien. Bei Facebook schreibt Palmer weiter, dass der Inzidenzwert im Landkreis Tübingen mit 180 „viel zu hoch“ sei. Trotzdem ist das Projekt von Palmer nicht gescheitert. Denn in Tübingen selbst liege der Inzidenwert in den letzten beiden Wochen noch immer stabil unter 100. „Der Anstieg findet nur außerhalb Tübingens statt“, argumentiert Palmer. Doch nun muss die Stadt dichtmachen, weil die Zahlen im Landkreis deutlich zu hoch liegen. Trotzdem kann sich das Ergebnis von Palmers Projekt sehen lassen. Kurios ist vor allem folgendes: Obwohl der Landkreis Tübingen bereits seit Anfang April wieder alles dichtgemacht hat, steigen dort die Zahlen weiter, während die Stadt Tübingen bisher nicht einmal den Grenzwert zur Schließung von 100 erreicht hat. Aktuell liegt der Inzidenzwert dort bei 91,8. Im Umkehrschluß könnte man sagen, dass der Lockdown die Zahlen ansteigen lässt, während die Zahlen in Tübingen durch die flächendeckenden Tests auch weiter unter dem Grenzwert liegen.

Diese Vorteile hat das Projekt Tübingen den Bürgern geboten

Gestartet war das Projekt in Tübingen am 16. März. Einwohner der Stadt hatten ab diesem Datum die Möglichkeit kostenlose Schnelltests an vielen Stationen durchzuführen. Mit dem negativen Testergebnis war es dann möglich unter Einhaltung von Maskenpflicht und Abstandsregeln in Geschäften einzukaufen, sich beim Friseur die Haare schneiden zu lassen sowie Theater , Museen und Restaurants zu besuchen. Der bekannte Tübinger Infektiologe Peter Kremsner, Direktor des Instituts für Tropenmedizin an der Uniklinik Tübingen, hatte das Projekt von wissenschaftlicher Seite aus begleitet. Zuletzt hatten sich Prominente wie Jan Josef Liefers deutlich für eine Weiterführung des Projekts stark gemacht. „Unser Modell hält die Zahlen unten – wären wir ein Stadtkreis wie das wesentlich kleinere Baden-Baden würde unsere Inzidenz unter 100 zählen und alles bliebe offen“, klagt Palmer nun bei Facebook. Allerdings hat man in Tübingen ohne Zweifel bewiesen, was man mit einem ausgeklügelten Testkonzept erreichen kann.

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