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Chuwi Lapbook Air 14.1 Test: ein weiterer MacBook Klon

Der chinesische Hersteller Chuwi bietet mit dem LapBook Air 14.1  ein günstiges Notebook an, wo wohl auch das Apple Mac-Book als Vorlage diente.

Chuwi ist ja bekannt dafür immer recht günstige China-Notebooks auf dem Markt zu werfen, weswegen das Preisschild des Lapbook Air einem zunächst zu hoch erscheint. Schaut man sich die technischen Daten aber etwas genauer an, wird man feststellen, dass es das eigentlich nicht ist. Zwar ist der Intel Celeron N3450 CPU schon etwas in die Jahre gekommen, aber man erhält zusätzlich auch satte 8GB RAM mit 128GB Speicher, Alu-Gehäuse, FHD-Display und sogar eine Tastatur mit Beleuchtung. Das findet man in diesem Preissegment sonst nicht so häufig. Wir bedanken uns bei Gearbest für die Bereitstellung des Testsamples.

Die Verpackung ist in einem schlichten braun gehalten und auf der Vorderseite befindet sich der Chuwi Schriftzug und an der Seite die Typenbezeichnung mit den Spezifikationen.

Zum Lieferumfang zählen eine Kurzanleitung, ein Zertifikat, ein Aufkleber und ein EU-Netzteil (Kaltgerätestecker). Das Original Netzteil liefert 100-240V 12V 2A.

Beim Design des Chuwi Lapbook Air hat man sich offensichtlich am Macbook orientiert. Das Gehäuse selbst besteht vollständig aus matten Metall mit chromfarbenen Kanten und Akzenten, wie beispielsweise um das Touchpad. Das verleiht dem Notebook eine hochwertige Optik und ist zusätzlich unempfindlich gegenüber Fingerabdrücken. Sowohl die Oberseite und auch Unterseite sind sehr gut verarbeitet und schließen bündig mit dem Geäuse ab. Auf der Unterseite befinden sich noch an jeder Ecke Gummifüße, die für einen festen Stand des Lapbook sorgen. Der Laptop besitzt Stereo-Lautsprecher, welche sich jeweils an der Unterseite hinter einem kleinen Meschgitter befinden. Ansonsten konnte ich keine großen Spaltmaße oder Verarbeitungsfehler erkennen. Ansonsten ist das Chuwi Lapbook Air mit 7,2-12mm im Zusammengeklappten Zustand sehr schmal und läuft nach vorne etwas spitz zu. Auch sonst ist das Notebook sehr kompakt und mit knapp 1,340kg angenehm leicht.

Den guten Eindruck der Verarbeitung trübt lediglich etwas das Kunststoffscharnier, welches nur aus Kunststoff besteht und beim Öffnen bzw. Ändern des Displaywinkels etwas knarzt. Hier hätte man besser auf ein Metallscharnier setzen sollen, statt Kunststoff. Die Stabilität des Deckels und der Unterseite ist aber dank des verstärkten Metallgehäuses sonst sehr gut. Die Mitte des Deckels und die Tastatur lassen sich nur minimal eindrücken.

Als kleines Schmankerl ist der Chuwi-Schriftzug auf der Rückseite des Deckels im Betrieb beleuchtet.

Die unterschiedlichen Anschlüsse befinden sich jeweils an den beiden Seiten. Dabei hat man sich beim Lapbook dazu entschieden, die USB-Anschlüsse nebst dem 3,5mm Kopfhöreranschluss nur auf der rechten Seite zu verbauen, was etwas schade ist. Auf der linken Seite befindet sich ein Mini-HDMI Anschluss, der Stromanschluss und ein SD-Kartenschacht. Für den Mini-HDMI Anschluss werden sich die meisten dann wohl einen Adapter kaufen müssen, um es irgendwo anschließen zu können.

Die beiden Ports sind zwar USB-3.0 Anschlüsse aber liefern etwas zu wenig Strom um darüber ein externes Laufwerk betreiben zu können. Das haben die Kollegen von Chinamobilemag bei ihrem Testgerät auch festgestellt, scheint also keine Serienstreuung zu sein, sondern ein generelles Problem oder Fehler. Der microSD-Kartenschacht besitzt einen Federmechanismus und schaffte Transferraten mit knapp 40MB/s Lesen + 20MB/s Schreiben – keine Glanzwerte aber Ok. Dafür schließt es wenigstens mit dem Gehäuse bündig ab und steht nicht vor.

Das Lapbook Air besitzt ein 14.1 FullHD IPS-Display ohne Touchscreen-Funktion. Das Panel ist das günstige BOE06A8 und zählt sicherlich nicht zu den besten Panels auf dem Markt, was aber angesichts der Preisklasse in Ordnung ist. Es mag vielleicht optisch wie ein Ultrabook wirken aber man darf nicht vergessen, dass es das nicht ist. In den Ecken und an den Kanten lässt sich ein leichtes Screen-Bleeding erkennen. Beim Lapbook Air handelt es sich um Hochglanz-Display, dass heißt es ist von einer glänzenden Glasfläche geschützt und die damit eingehenden Spiegelungen muss man im Kauf nehmen. Auf der Oberseite ist noch ein 2 Megapixel Webcam platziert. Die Qualität ist eher unterdurchschnittlich und reicht eher nur für einfache Videochats alla Skype.

Das bedeutet auch, dass bei starker Sonneneinstrahlung unter klaren Himmel das Display und schwer ablesbar ist. Dafür reicht einfach die Hintergrundbeleuchtung des Displays einfach nicht aus. Also selbst wenn man hier häufiger den Winkel ändern muss, ist zumindest das IPS-Panel sehr Blickwinkelstabil.

Ansonsten liefert das Display nämlich eine sehr gute Schärfe, kräftige Farben und guten Kontrast. Bis auf die leichten Lichthöfe konnte ich sonst aber keine Pixelfehler feststellen.

Das Touchpad hat mit den Abmessungen 11 x 6,5cm eine angenehme Größe und unterstützt zusätzlich auch Multitouch-Gesten, wobei unter anderem das Scrollen mit zwei Fingern und Pinch-To-Zoom (Zwei-Finger-Zusammenziehen um zu Zoomen) verwendet werden können. Es sind auch noch weitere 3-Finger- und Vier-Finger-Geesten selbst mit Windows-Funktionen belegbar. Die Präzision geht ebenfalls in Ordnung, wenn auch hier und da minimale Zeigersprünge/leichtes nachziehen des Zeigers bemerkbar sind. Die integrierten Maustasten reagieren gut aber das Pad muss dafür etwas weit eingedrückt werden. Insgesamt ist das Touchpad aber auf hohen Niveau in der Preisklasse und die meisten User sollten damit gut klarkommen.

Auch das Chuwi Lapbook ist ein reines Import-Produkt und so muss man auch hier den Kompromiss bei dem Tastaturlayout QWERTY eingehen. Wen das zu sehr stört, der kann sich sonst auch zusätzlich Tastaturaufkleber besorgen. Wer mit Zehn-Finger-System blind tippen kann, wird das nicht großartig stören. Die Tasten stehen etwas weiter aus dem Gehäuse hervor, was das Tippgefühl verbessert und Fehleingaben vermindert. Kann ich bestätigen und das Tippgefühl ist durchgehend sehr angenehm und präzise. Längeres und schnelles Schreiben waren in meinem Test kein Problem.

Hervorzuheben ist, dass das Chuwi Lapbook Air sogar eine Tastaturbeleuchtung verbaut hat. Das hat man in dieser Preisklasse eher selten und ist für den einen oder anderen durchaus ein Kaufargument, vor allem wenn man viel in dunkler Umgebung oder Dämmerlicht schreiben will. Die Ausleuchtung ist gut und schimmert auch unter den Tasten gut hindurch. Die Beleuchtung kann auch mit Hilfe der FN- + ESC-Taste ein- oder ausgeschaltet werden. Was mir dabei aufgefallen ist, dass nach einem Neustart von Windows diese nicht standardmäßig aktiviert ist und jedes Mal aufs Neue erst aktiviert werden muss.

Hier gibt es wie bei den meisten Windows-Notebooks nicht viel zu erzählen. Das Lapbook Air kommt mit einer offiziellen Windows 10 Home Lizenz und wird im Werkszustand in englischer Sprache ausgeliefert. Die Sprache lässt sich auch problemlos in den Einstellungen auf Deutsch umstellen, dazu muss man allerdings erst einige Updates und Sprachpakete herunterladen. Ich persönlich bin da immer kein Fan von mit den Sprachen und Updates rumzuhampeln, weswegen ich mir immer ein offizielles Windows 10 Image auf einen USB-Stick packe und den Laptop generell immer neu installieren. Das ist aber keine Kritik an diesem Notebook, sondern meine Vorgehensweise.

Bevor Ihr das macht, denkt aber immer daran vorher noch den Windows 10 Home Key auszulesen, um es damit neu installieren zu können. Dafür gibt es unzählige Tools im Netz oder Ihr benutzt über die Windows-Eingabeaufforderung (CMD) den Befehl wmic path SoftwareLicensingService get OA3xOriginalProductKey und speichert euch den Key ab.

Das Chuwi LapBook Air ist kein Gaming-Gerät, sondern ein reines Office-Notebook. Aber das sollte angesichts des Intel Celeron N3450 Prozessors wohl klar sein. Die CPU kommt sonst eher in günstigeren Laptops zum Einsatz und ist auch nicht mehr der Neueste auf dem Markt. Das trübt etwas den guten Eindruck des Lapbook, denn die CPU ist ca. halb so schnell wie beispielsweise ein Core i3-6100U. Dafür bekommt man mit den 8GB RAM viel mehr Arbeitsspeicher als in vergleichbaren Geräten. Dieser ist ein DDR3L RAM und taktet  nur mit 1333MHz, aber kitzelt dem Lapbook noch etwas mehr Performance heraus, vor allem wenn man mit vielen Office-Anwendungen und Browser-Tabs arbeitet.

Mit dem entsperrten UEFI kann man aber dem CPU noch etwas mehr Leistung entlocken, indem man in den Bios-Einstellungen unter “Advanced / Thermal” das “Dynamic Platform & Thermal Framework” und unter “Advanced / CPU Configuration / CPU Power Management” die Option “Power Limit 1 Enable” deaktiviert. Damit hebelt man etwas die Limits auf und erhöht die Leistung des Prozessors etwas. Man braucht auch keine Angst vor Überhitzung haben, denn die Kühlung reicht bei dem Lapbook dafür locker aus, aber wie immer gilt Ihr macht das auf eigene Gefahr und wir übernehmen keine Haftung für etwaige Schäden. (Danke noch mal an die Kollegen Chinamobilemag für den Tipp!)

Insgesamt muss man sich aber nichts vormachen, denn das Chuwi Lapbook eignet sich nur bedingt zum Spielen. Und wenn, muss man die Grafikeinstellungen sehr weit herunterschrauben. Da darf man wie üblich auch von den integrierten GPUs nicht all zuviel erwarten, wie hier der Intel HD Graphics 500​. Für ein paar alte Spieleperlen könnte es aber reichen.

Speicher-Leistung

Das Lapbook Air hat einen aufgelötete eMMC SanDisk DF4128 Speicher mit einer Größe von 128GB. Also austauschen ist nicht, aber man bietet zumindest einen weiteren M.2-2242 Steckplatz an auf dem man eine SSD einbauen könnte. Will man hier also etwas mehr Performance für das Betriebssystem, könnte man auch eine schnelle SSD einbauen und darauf Windows installieren. Den eMMC Speicher kann man dann einfach als “normalen Datenspeicher” verwenden.

In meinem Test schaffte der Speicher (Seq) 262MB/s Lesen und 132MB/s Schreiben. Damit zählt er sicherlich nicht zu den Schnellsten, aber reicht für normale Office-, Browser- oder Streaminganwendungen aus.

3DMark Benchmark

Naja um ehrlich zu sein macht ein Benchmark auf dem Chuwi Lapbook Air eher wenig Sinn, aber auf Grund von Vergleichszwecken, habe ich ihn trotzdem durchgeführt. Erwartungsgemäß ist die Leistung nicht sehr hoch und schafft im 3DMark verkümmerte 95 Punkte, was nicht überraschend ist.

Geekbench & Antutu

Cinebench R15

 

An Hand des 3DMark und Cinebench R15 Benchmarks lässt sich eigentlich schon alles ableiten, dass Chuwi Lapbook Air ist nicht zum Gaming geeignet. Als Test habe ich es mal mit LEGO Undercover, R.U.S.E und Counter Strike Global Offensive ausprobiert. Trotz niedriger Auflösung dümpelte es in LEGO Undercover bei 8-20 fps rum und an vernünftiges Spielen war nicht zu denken. Alles in dem Spiel lief sehr zäh und laggte. In R.U.S.E mit 30-45fps lief es auf niedrigen Einstellungen schon recht annehmbar, ist dann aber auch optisch eher Urgs. Zu guter Letzt noch CS GO mit 15-25fps auch eher ungeeignet. Klar es geht irgendwie, aber Spaß kommt da eher nicht auf.

Das Chuwi Lapbook Air unterstützt Bluetooth 4.0, sowie Dual-Band WiFi 2.4GHz/5.0GHz (802.11 a/b/g/n/ac). In meinem WLAN-Test konnte ich hier keinerlei Probleme feststellen, sowohl die Reichweite, Leistung, als auch die Stabilität war hier einwandfrei. Die Bluetooth-Verbindung schwächelte allerdings etwas mit einer zu kleinen Reichweite.

Die Stereo-Lautsprecher sind etwas unvorteilhaft auf der Unterseite des Laptops angebracht, denn hat man es auf den Beinen liegen werden die Lautsprecher verdeckt. Die Soundqualität ist nicht überragend und so klingen sie eher blechern und lieblos. Da fehlt so ziemlich alles an Dynamik aber auch das ist in diesem Preissegment normal. Schließt man Kopfhörer an wird es schon viel besser (je nach Kopfhörer) und man kann über die Windows-Einstellungen noch etwas mehr herausholen. Neben der Webcam an der Oberseite befinden sich noch ein Mikrofon, aber der Klang ist eher mittelmäßig und mit Rauschen versehen.

Die Akkukapazität des Lapbook Air beträgt 5.000mAh und hielt je nach Einsatzgebiet so 5-7 Stunden durch. Im reinen Office-Betrieb entsprechend länger, als bei Leistungsintensiven Anwendungen. In meinem Test mit einer YouTube-Dauerschleife eines 1080p Videos schaffte es 6 Stunden, was ein guter Wert ist.

Das Aufladen von 5% bis 100% benötigt dann mit 4,0 Stunden schon etwas länger, wobei hier die letzten 10% von 90-100% fast 1 Stunde benötigten. Bis 90% brauchte man beispielsweise 3 Stunden.

  • 35% = 0,55 Std.
  • 55% = 1,40 Std.
  • 70% = 2,00 Std.
  • 90% = 3,00 Std.
  • 100% = 4,00 Std.

 

Ich bin etwas hin- und hergerissen vom Chuwi LapBook Air 14.1. Auf der einen Seite haben wir schon eine gute Verarbeitung mit hochwertigen Materialien. Auch das recht gute 1080p Display ist in Ordnung. Zudem erhält man satte 8GB Arbeitsspeicher, die Möglichkeit den Speicher via M.2 Slot mit SSD zu erweitern und eine Tastaturbeleuchtung. Das gibt es in der Preisklasse nicht immer. Auch die Akkuleistung fanden wir sehr gut, wenn auch das Laden entsprechend Zeit benötigt.

Dennoch mangelt es dem Laptop etwas an Leistung, denn es eignet sich meist nur für die üblichen Office-Anwendungen, Mailing, Surfen oder Streamen. Es lässt sich zwar ein wenig mehr Leistung mit den “deaktivierten Power Limits” herauskitzeln, aber das war es dann auch schon. Leistungshungrige Anwendungen laufen entweder sehr zäh oder gar nicht. Die QWERTY-Tastatur muss man, wie bei allen Import-Notebooks, ebenfalls in Kauf nehmen.

Der Preis von knapp 380€ ist in meinen Augen aktuell für das Gebotene aber zu hoch angesetzt. Das Lapbook Air 14.1 gibt es zwischendurch aber auch immer mal wieder im Angebot um die 300€, was in Ordnung geht.

Wer ein gut verarbeitetes Notebook mit hochwertigen Materialien für Office-Anwendungen sucht und mit den Kompromissen leben kann, erhält trotzdem ein gutes Gerät.

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