Ist Laura Müller bald berühmter als Michael Wendler?

Karriere als Influencerin

Laura Müller (19) ist längst nicht mehr nur die Freundin von Schlagersänger Michael Wendler (47). Die „Let’s Dance“-Kandidatin, die sich für den „Playboy“ ablichten ließ, hat ihren 386.000 Instagram-Followern gerade gezeigt, wie sie ihrem Freund ein neues Auto schenkt. Das Video wurde nicht nur zum viralen Hit und vielfach in der „Wendler-Challenge“ nachgestellt, es warf auch die Frage auf: Wie kann sich eine 19-Jährige das leisten?

Dass Laura Müller auch in Zukunft sehr viel Geld verdienen wird, glaubt die Journalistin Nena Schink. Sie spricht in ihrem Buch „Unfollow! Wie Instagram unser Leben zerstört“ (Eden Books) darüber, warum die App süchtig macht und wie ein sicherer Umgang aussehen kann. Es geht aber auch um die Persönlichkeiten, die Instagram hervorbringt. Im Interview mit spot on news erklärt die Autorin, wie sie die Karriere-Chancen von Laura Müller einschätzt.

Ab wann gilt man als Influencer?

Nena Schink: Influencer selbst sprechen davon, dass man über hunderttausend Follower braucht. Das ist das goldene Podest, ab dieser Marke lässt sich viel Geld verdienen. Es ist zudem wichtig, dass ein Influencer für die Medien relevant ist, damit Firmen ihn als Star wahrnehmen. Nur Instagram allein reicht nicht.

Und wer das geschafft hat, verdient Millionen?

Nena Schink: Christoph Kastenholz von der Agentur Pulse hat 2018 geschätzt, dass es in Deutschland mehr als zehn Einkommens-Millionäre unter den Influencern gibt, aber weniger als fünfzig. Der Marktwert von Caro Daur, Leonie Hanne und Stefanie Giesinger liegt pro Kampagne bei schätzungsweise 25.000 bis 50.000 Euro. Auf ihrem Profil ist zu sehen, wie viele Kampagnen sie pro Jahr machen. Dazu kommen Auftritte, für die sie gebucht werden.

Von ihren Followern werden diese Menschen wie Topstars verehrt.

Nena Schink: Ein Influencer wird nur durch das Zelebrieren seines Privatlebens auf Instagram berühmt. Das sind für mich keine Topstars. Und nur diesen Leuten gilt auch meine Kritik.

Wie beurteilen Sie Laura Müller?

Nena Schink: Ihr Marktwert muss in den vergangenen Monaten sehr gestiegen sein. Sie hat inzwischen über 300.000 Follower. Für mich beweist das: Prominenz ist zur Massenware geworden. Es geht heute viel weniger um Talent als früher. Boris Becker und Steffi Graf sind zu Stars geworden, weil sie gut Tennis spielen konnten. Heute sind die Stars die, die am meisten über ihr Privatleben sprechen oder sich ausziehen. Laura Müller liefert dafür das beste Beispiel, indem sie in einem Video von Michael Wendler halbnackt das Auto putzt. Das ist schlimm und zerstört das Frauenbild.

Wo sehen Sie Laura Müller in fünf Jahren?

Nena Schink: Ich glaube, dass Laura Müller sehr viel Geld verdienen wird. Sie scheint das jetzt alles sehr clever für sich zu nutzen. Die „Let’s Dance“-Teilnahme adelt sie. Ich fand zudem ihre Entscheidung klug, nicht in das Dschungelcamp zu gehen. Wenn sie ihre Karrierechancen weiter so gut nutzt, ist sie vielleicht bald berühmter als Michael Wendler.

Wieso bedienen Influencerinnen gerne alte Rollenmodelle?

Nena Schink: Studien haben gezeigt, dass sich viele dieser Frauen auf Instagram zu Hause zeigen, wie sie das Haus dekorieren und für ihren Mann da sind. Wenn sich eine Frau auf Instagram mit Doktorurkunde präsentiert, bekommt sie weniger Likes, als wenn sie ein Bild im tollen, neuen Kleid postet. Es gibt meines Wissens keine erfolgreichen Instagrammerinnen, die keine Kinder und keinen Mann haben und sich nicht für Mode und Beauty-Themen interessieren.

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir derzeit die schwächste Generation seit den 50er Jahren großziehen, wenn sich das nicht wieder ändert. Früher haben die Frauen dafür gekämpft, anders wahrgenommen zu werden, die heutige Generation schreibt in ihre Instagram-Biografie „Wifey of“. Dazu kommt, wie sich Frauen auf Instagram darstellen: immer kurze Röcke und hohe Schuhe. Eine Coco Chanel hat dafür gekämpft, dass Frauen sich anders kleiden. Wir machen alles rückgängig.

Shows wie „Germany’s next Topmodel“ oder die „Bachelor“-Formate bringen immer neue Influencer hervor. Gehört das mit zum Karriereplan?

Nena Schink: Früher wurden bei „Germany’s next Topmodel“ noch die Erstplatzierten berühmt, der Rest war schnell vergessen. Heute haben Mädchen wie Gerda Lewis selbst auf den hinteren Plätzen die Möglichkeit, sich auf Instagram eine Plattform aufzubauen und danach „Bachelorette“ zu werden. „GNTM“ und „Bachelor“ sind für mich die Kaderschmieden der Influencer, die Eintrittskarten in den Influencer-Olymp.

Was muss sich Ihrer Meinung nach ändern?

Nena Schink: Der größte Teil meines Buchs handelt von meinen eigenen Fehltritten. Ich wollte zeigen, dass eigentlich jeder von uns mitmacht. Die Schuld liegt nicht allein bei den Influencern, sondern am System Instagram und an unserem Nutzungsverhalten. Ich möchte die Influencer nicht verteufeln, sondern die Art und Weise, wie wir alle mit der App umgehen.

(hub/spot)

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