Jedes 3. Krankenhaus in Deutschland soll schließen – aber – was ist mit den Intensivbetten? Kritik der Experten trotz Corona-Pandemie

Im Verlauf der Corona-Pandemie hatte Deutschland vor allem einen großen Vorteil! Es gab immer genug Intensivbetten, um auch schwere Covid-19-Fälle zu behandeln. Doch Experten bewerten die Situation in Deutschland trotzdem kritisch. Denn nach deren Meinung sei jedes 3. Krankenhaus in Deutschland überflüssig. Auch für die Patienten hätte eine Reduktion der Anzahl der Kliniken angeblich Vorteile.

Experten fordern Reduktion von Krankenhäusern in Deutschland

Josef Hecken, Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken (G-BA), hat jetzt eine sofortige und grundlegende Reform der Krankenhausversorgung gefordert. Nach Meinung des Experten sei jede dritte Klinik in Deutschland für die medizinische Versorgung der Patienten überflüssig, erklärte Hecken gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Deutschland brauche seiner Ansicht nach in der Zukunft eher weniger Klinikstandorte. Auch der Spitzenverband der Krankenkassen sieht in diesem Zusammenhang einen Reformbedarf. Die Corona-Krise habe dazu beigetragen, dass dieser Reformbedarf deutlich geworden sein.

„Wir haben zur Zeit 1.900 Krankenhäuser, 1.200 wären genug“, ist sich Hecken sicher. Dazu sei es notwendig die Arbeit in den Kliniken klüger untereinander aufzuteilen. Während sich kleinere Krankenhäuser auf dem Land nach Meinung des Experten auf einfache Eingriffe und Routineoperationen beschränken sollen, könnten die anspruchsvollen Operationen dann in spezialisierten Zentren vorgenommen werden. „Das wäre gut für die Wirtschaftlichkeit und für die medizinische Qualität“, ist sich Hecken sicher. 2020 hatten die Krankenkassen 80 Milliarden Euro für Krankenhausleistungen ausgegeben und auch der Bund hatte elf Milliarden Euro zugeschossen. Die Ausgaben für Arzneimittel und niedergelassene Ärzte waren nur halb so hoch. Um einen weiteren Kostenanstieg der Krankenhauskosten zu verhindern, sei eine umfassende Strukturreform unvermeidlich, ist Hecken sicher.

Corona-Krise zeigt: Reformen sind dringen notwendig

Zunächst müssten die Bundesländer dafür jedoch auf die im Grundgesetz verankerte Planungshoheit über die Krankenhäuser verzichten. „Jede Landesregierung will ihre Krankenhäuser erhalten. Um das Wohl der Patienten geht es dabei nicht immer“, kritisierte Hecken. Und erhält Unterstützung von Florian Lanz, dem Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV): „Die Corona-Krise hat gezeigt, dass der Reformbedarf bei der Versorgung in den Krankenhäusern nicht irgendwie theoretisch ist, sondern ganz akut.“ Nach Lanz Meinung sei wichtig die Sicherung der Versorgung auf dem Land zu garantieren, mehr Spezialisierung für besonders schwere Fälle zu implementieren und auch bessere Bedingungen für die Pflege zu schaffen. Zuvor hatte eine Studie der Bertelsmann-Stiftung bereits im Sommer 2019 für Furore gesorgt. Damals war vogeschlagen worden die Anzahl der Kliniken auf knapp 600 zu reduzieren. Durch diese Bündelung von Ärzten, Pflegepersonal und Geräten in weniger Krankenhäusern, könnte die Qualität der Versorgung der Patienten deutlich erhöht werden. Diese Studie hatte jedoch bei Ärztevertretern und Kliniken enorme Kritik ausgelöst.

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