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Russland beruft wegen Nord-Stream-Ermittlungen deutschen Botschafter ein

Acht Monate nach den Explosionen an den Nord-Stream-Erdgaspipelines hat Moskau aus Protest gegen den bisherigen Ermittlungsverlauf die Botschafter Deutschlands, Dänemarks und Schwedens einberufen. Das Außenministerium in Moskau erklärte am Donnerstag, mit dem Schritt wolle Russland seinen "scharfen Protest gegen die bisher vollkommen fehlenden Ergebnisse der Ermittlungen" ausdrücken, die "angeblich" von den nationalen Behörden der drei Staaten geführt würden.

Zudem sei es "inakzeptabel", dass deutsche, dänische und schwedische Behörden in der Angelegenheit "jeglichen Austausch" mit Russland vermieden, kritisierte das russische Außenministerium.

Bei den Explosionen, deren Ursache bis heute ungeklärt ist, waren Ende September die unter der Ostsee von Russland nach Deutschland verlaufenden Gasleitungen Nord Stream 1 und Nord Stream 2 beschädigt worden. Russland forderte mehrfach seine Einbeziehung in die Ermittlungen und sprach von "Unfähigkeit, transparente Ermittlungen zu gewährleisten".

In der Erklärung nach der Einberufung der Botschafter warf das russische Außenministerium Deutschland, Dänemark und Schweden nun vor, nicht an der "Ermittlung der wahren Umstände der Sabotage" interessiert zu sein. Die Behörden der drei Staaten verzögerten stattdessen ihre Anstrengungen und versuchten, "die Spuren und die wahren Schuldigen dieses Verbrechens" zu verschleiern.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die Nord-Stream-Explosionen einen Akt des "internationalen Terrorismus" genannt, von dem die USA, die Ukraine und Polen profitierten. 

Die "New York Times" hatte Anfang März unter Berufungen auf US-Geheimdienstinformationen geschrieben, eine "pro-ukrainische Gruppe" stecke hinter dem Sabotageakt. Dänische Medien wiederum berichteten Ende April, dass sich ein auf Unterwasseroperationen spezialisiertes russisches Marineschiff kurz vor den Explosionen in der Nähe der Tatorte aufgehalten habe. 

Der UN-Sicherheitsrat hatte im März einen  Resolutionsentwurf seines ständigen Mitglieds Russland zurückgewiesen, in dem Moskau die Einsetzung einer internationalen Untersuchungskommission zu den Nordstream-Explosionen gefordert hatte. Die USA bewerteten dies als Versuch, die nationalen Ermittlungen der betroffenen Länder zu "diskreditieren". 

bur/se/dja