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Nach einer erneuten Finanzierungsrunde ist Andy Rubin’s Smartphone-Startup Essential den Investoren jetzt eine Milliarde US-Dollar wert – ohne auch nur ein Smartphone verkauft zu haben, oder eine völlig neue Idee einzubringen.

Essential ist vermutlich bereits eine Milliarde US-Dollar wert

Andy Rubin’s neues Startup Essential hatte Ende Mai 2017 mit dem PH-1 ein erstes Smartphone vorgestellt, das nun – drei Monate später – ausgeliefert werden soll. Passend dazu machte Bloomberg-Kolumnist Tim Culpan vor ein paar Tagen darauf aufmerksam, dass Essential nun etwa 1.2 Milliarden US-Dollar wert ist und damit eine magische Grenze überschritten hat: Das Start-Up ist nun ein Unicorn – ein Unternehmen in privater Hand, das auf über 1 Milliarde Dollar geschätzt wird.

Insbesondere im Tech-Bereich sind Unicorns mittlerweile keine Seltenheit mehr – Forbes nennt bereits 174 dieser Unternehmen und die meisten davon sind in den letzten Jahren entstanden. Aber Essential reiht sich nun neben prominenten Namen wie Uber, SpaceX, Snapchat und Theranos ein, weshalb man sich noch einmal ins Gedächtnis rufen sollte, was das Unternehmen bisher geliefert hat – Smartphones sind es jedenfalls nicht, zumindest nicht an die künftigen Nutzer.

Mit dem Essential PH-1 hat man den angesetzten Termin Ende Juni 2017 jedenfalls deutlich verfehlt. Mit zwei Monaten Verspätung kann man das Smartphone seit neuestem bei verschiedenen Anbietern zwar vorbestellen, ausgeliefert wird es aber wohl nicht vor Ende August. Erst einmal ist das unproblematisch, die meisten Crowdfouding-Projekte beispielsweise verzögern sich ebenfalls – aber damit liegen auch noch keine aussagekräftigen Reviews vor, die Investoren können nicht recht wissen, wie die Kunden das Smartphone letztlich annehmen werden und heutzutage kritische Punkte wie eine einwandfreie Kamera und annehmbare Akkulaufzeit lassen sich nicht wirklich beurteilen.

Woher kommt das Vertrauen?

Man fragt sich, ob schon das Renommé des ehemaligen Android-Gründers den Investoren ausreicht, oder die Vorbestellungen eine so eindeutige Sprache sprechen? Denn wenn bisher eines an dem kometenhaften Aufstieg des Unternehmens interessant ist, dann dass sich bei Essential bisher keine Indikatoren zeigen, man würde die klassische Silicon Valley Tech-Startup Strategie verfolgen: Ein bisher unerkanntes oder ungelöstes Problem anzugehen und damit eine Industrie zu disrupten.

Essentials PH-1 verspricht ein ausgesprochen attraktives Smartphone zu werden, aber es wird erstmal nur auf dem nordamerikanischen Kontinent erhältlich sein und ist mit einer Unverbindlichen Preisempfehlung von 699 US-Dollar alles andere als ein Schnäppchen – bei diesem Preis hat man die Auwahl zwischen so ziemlich jedem aktuellen High-End-Smartphone. Ob der modulare Ansatz (bisher nur eine 360 Grad-Kamera) da attraktiv genug ist, wird sich noch zeigen müssen, erst einmal ist das PH-1 aber ein Smartphone wie jedes andere und weder ausgesprochen innovativ noch irgendwie besonders günstig.

Wie auch bei dem tausendsten Lieferdienst-Startup steht die Frage im Raum, was das Unternehmen denn so anders macht, dass es den Investoren schon zu diesem Zeitpunkt eine Milliarde US-Dollar wert ist? Man hat keine riesige Nutzerbase in einer werbeattraktiven Zielgruppe wie Snapchat, keine relativ dominante Stellung in einem aufstrebenden Markt wie Airbnb, Lyft und Uber und nicht bereits Millionen Einheiten verkauft wie Jawbone oder Meizu.

Das 2010 gegründete Xiaomi ist uns heute natürlich längst kein Unbekannter mehr, musste aber bereits eine halbe Million M1-Smartphones monatlich ausliefern, damit 2012 erste Überlegungen aufkamen, es könnte eventuell bereits ein Unicorn sein (mittlerweile ist das Unternehmen 45 Milliarden US-Dollar wert, aber da stehen ja konkrete Zahlen hinter). Essential hat das nun quasi aus dem Stand geschafft und wird daher in den kommenden Monaten beweisen müssen, ob man sich in dem völlig überlaufenen Marktsegment der High-End-Smartphones wird behaupten können.

Vielleicht ist das Essential PH-1 ja eben deshalb das perfekte Unicorn: Sieht ziemlich fancy aus, aber keiner weiß ob der Hype auf irgendetwas Reales zurückführbar ist.

Simon
19 Jahre alt, technikaffiner Student und langjähriger Android-Nutzer. Derzeit unterwegs mit dem Samsung Galaxy Note 4, Microsoft Surface Book und Samsung Galaxy Tab S.