Xiaomi und das Theater mit dem gesperrten Bootloader 4

Die Freude über die neuen Xiaomi Geräte Redmi Note 3, Mi Pad 2 und Redmi 3 sind nun durch den gesperrten Bootloader doch recht getrübt.

Nein, Ihr seid damit wirklich nicht alleine. Unser erster Eindruck des Redmi Note 3 war durchgehend sehr positiv. Endlich gibt es mal ein vollständiges Metallgehäuse und einen Fingerabdrucksensor bei einem Xiaomi Gerät. Doch anfängliche Euphorie ist sehr getrübt, wenn man die Custom-Rom Szene in den letzen Tagen etwas mehr verfolgt hat. Denn die neuen Xiaomi Geräte haben einen gesperrten Bootloader (Locked Bootloader).

Was ist ein Bootloader und Fastboot?

Bootloader_simplifiedNach dem Einschalten eines Gerätes wird zunächst das Bios geladen, welches den Bootloader initialisiert. Der Bootloader Prozess ist beim Einschalten des Gerätes der erste Vorgang, der überhaupt gestartet wird.

Der Bootloader startet entweder den Kernel und danach das eigentlich Android Betriebssystems oder den sogenannten Recovery-Modus, der parallel zum Kernel läuft (siehe Abbildung). Das Recovery ist ein kleines bootbares Parallel-OS, welches man immer starten kann auch wenn das eigentliche Android Betriebssystem der ROM sich nicht mehr starten lässt, weil es z.B. beschädigt ist. Das Recovery befindet sich in einer bestimmen Partition des Speichers.

Locked, unlocked und encrypted Bootloader

Beim Bootloader gibt es drei Zustände: offen (unlocked), geschlossen (locked) und verschlüsselt (encrypted). Mit einem gesperrten (locked) Bootloader ist es euch nicht möglich ein anderes Android Betriebssystem bzw. ROM, Recovery oder Kernel aufzuspielen.

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Wozu überhaupt den Bootloader entsperren?

Einen entsperrten (unlocked) Bootloader benötigt man um das Gerät modifizieren bzw. manipulieren zu können. Dazu zählt z.B. das Aufspielen eines Custom-Recovery. Mit dem Custom-Recovery ist es dann möglich das Gerät zu Rooten (Superuser-Rechte), ein Custom-Kernel (Treiber) und/oder ein anderes Android-Betriebsystem (Custom-ROM) installieren zu können.

Fastboot

Der sogenannten Fastboot-Modus ist sowas, wie ein erweiterter Bootloader. Das Gerät lässt sich dann in den Fastboot-Modus booten. Über den Fastboot ist es möglich einen neuen Bootloader zu installieren, den Bootloader zu entsperren (unlock) und ein anderes Custom-Recovery zu flashen.

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Wieso sperrt Xiaomi den Bootloader?

Durch die Erläuterung von oben wisst Ihr nun was der eigentliche gesperrte Bootloader bedeutet. Aber warum macht das Xiaomi denn jetzt überhaupt?

Der Hauptgrund für das Sperren des Bootloader ist für Xiaomi das Schützen des Nutzers. Denn die Xiaomi Geräte werden häufig von den Zwischenhändlern (nicht die Importeure oder Shops) mit vorinstallierte Schadsoftware und Maleware verseucht. Das ist durch den bisher immer offenen (unlocked) Bootloader ganz einfach möglich, in dem man dann ein spezielles modifiziertes Custom-ROM aufspielt. In diesem modifizierten ROM sind dann beispielsweise unerwünschte Malware-Apps (Bloatware) oder sogar Trojaner installiert, die sich dann über die Android-Oberfläche nicht einfach wieder entfernen lassen. In unserem Test/Review des Xiaomi Mi4c war das z.B. auch der Fall. Und genau das möchte Xiaomi jetzt mit dem gesperrten Bootloader verhindern.

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Wozu brauche ich bei Xiaomi überhaupt einen unlocked Bootloader?

Vorweg muss man wissen, dass die ganzen Xiaomi Geräte nicht offiziell für unseren Markt bestimmt sind. Die Geräte sind nur primär für den chinesischen und indischen Markt vorgesehen. Auf Grund des günstigen Preises und der guten Hardware sind diese Geräte aber auch bei uns sehr beliebt. Viele dieser Geräte werden somit aber nur mit einer offiziellen chinesischen ROM ausgeliefert. Die Oberfläche ist dann natürlich auch vollständig auf chinesisch. Xiaomi hat zwar seine eigenen sogenannte Global-ROMs, die dann auch viele andere Sprachen beinhalten, welche aber meistens nicht sehr gut übersetzt sind. Weiteres Problem hierbei ist, dass es diese Global ROMs noch lange nicht für jedes Xiaomi Gerät gibt oder erst viel später veröffentlicht werden.

Aus dieser Problematik hat sich dann schon vor Jahren eine große Fangemeinde in verschiedenen Ländern gebildet, die sich zur Aufgabe gemacht haben diese chinesischen original Xiaomi ROMs zu übersetzen. Daraus haben sich dann bei uns die Communities Decuro, MIUI-Germany und Xiaomi.eu entwickelt. Diese übersetzten Custom-ROM ließen sich dann ganz einfach und ohne großen Aufwand für jedermann auf die Xiaomi Geräte installieren. Mit dem gesperrten Bootloader ist das nun um einiges komplizierter geworden und dürfte so einige unbedarfte Nutzer abschrecken.

 

Xiaomi Vorgang zum Entsperrren des Bootloaders

Für das Entsperren wird ein spezielles Unlock Tool von Xiaomi angeboten. Damit lässt sich aktuell das Redmi Note 3, Mi 4c und Mi Note Pro entsperren. Dann füllt man ein Datenblatt aus und sendet dies an Xiaomi. Dort wird dann „manuell“ geprüft, welchen Grund der Bootloader Unlock hat und man soll bis in “21 Tagen“ einen Unlock Code zugeschickt bekommen. Laut div. Kommentaren und Foreneinträgen funktioniert das aber auch nur sehr unzuverlässig, gar nicht oder verspätet. Außerdem besteht die Gefahr, dass Ihr euer zerstört oder softbricked. Damit landet Ihr im einer Bootschleife oder im schlimmsten Fall bootet es gar nicht mehr.

Deswegen sollten sich an diese Tutorials nur Leute heranwagen, die wirklich wissen was sie tun:

Anleitung zum Entsperren des Bootloaders (englisch)

Offizielle Xiaomi Unlock-Seite

Warum wird dadurch das eigentliche Problem nicht gelöst?

An sich wäre das Entsperren (unlocken) des Bootloaders nicht das größte Problem, um auch hier wieder die besser übersetzten Custom-ROMs installieren zu können. Schließlich machen das die anderen großen Hersteller wie Samsung (Knox), LG, Sony und HTC etc. genauso.

Also was ist denn jetzt das Problem?

Nun, die zwielichtigen Zwischenhändler haben nun einen weitaus schlimmeren Weg gefunden, um Ihr schadhaften ROMs installieren zu können. Und mit diesen Weg umgehen sie diesen gesperrten Bootloader. Wenn man sich jetzt in den verschiedenen Foren umschaut, melden dort die Nutzer das trotz des modifizierten ROMs der Bootloader nach wie vor gesperrt ist oder wieder gesperrt wurde. Dadurch ist es dem Nutzer dann auch nicht einfach mehr möglich dieses ROM zu entfernen, selbst wenn man dort eine offizielle Xiaomi ROM installieren will. Denn bei dem Versuch einer Installation des offiziellen Xiaomi ROMs, wird das jetzt von dem gesperrten Bootloader unter Umständen verweigert. Also kommt man um das Entsperren des Bootloaders nicht drum herum und selbst das ist unter gewissen Umständen teilweise unmöglich und man hängt auf ewig auf dieser modifizierten ROM fest.

Was eine Farce an dieser Geschichte!

Denn eigentlich sollte es für mehr Sicherheit der Nutzer sorgen und nun gibt man diesen dubiosen Zwischenhändlern ein Instrument in die Hand, womit sie ihre verseuchten ROMs sicher installieren können und nur Nutzer mit viel Android-Kenntnis  in der Lage sind es wieder zu entfernen, wenn überhaupt.

Wir hoffen das Xiaomi diese Vorgehensweise noch einmal überdenkt oder zumindest einen besseren und simpleren Weg anbietet, wie man den Bootloader entsperren kann. Denn aktuell funktioniert das einfach nur schlecht.

Offene Fragen zur Garantie

Doch dann bleibt noch die Frage mit der Garantie für die entsperrten Geräte. Denn diese schließen im Fall des Entsperren des Bootloaders jetzt schon viele Shops bei dem Redmi Note 3 aus. Vielleicht ist das sogar bei Xiaomi selbst genauso?

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2 Kommentare auf "Xiaomi und das Theater mit dem gesperrten Bootloader"

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Steffen Rheinhold
Gast
Steffen Rheinhold

Hallo Daniel,

kennst Du zu diesem Problem schon eine alternative Lösung? Ich habe hier auch ein gebricktes Redmi3 herumliegen und warte auf den d….. Code von Xiaomi. Ein Trauerspiel. So kann man sich die Kunden auch vergraulen.