Armee übernimmt nach plötzlichem Tod des Präsidenten die Macht im Tschad

Militär: Seit 30 Jahren herrschender Déby im Kampf gegen Rebellen tödlich verletzt

Nach dem plötzlichen Tod von Präsident Idriss Déby Itno hat die Armee die Macht im Tschad übernommen. Ein Militärsprecher des zentralafrikanischen Landes verkündete am Dienstag die Auflösung des Parlaments und der Regierung. Er versprach zwar „freie und demokratische“ Neuwahlen – allerdings erst nach einer 18-monatigen Übergangsphase. Der als wichtiger Unterstützer des Westens im Kampf gegen Dschihadisten geltende Déby war nach Armeeangaben zuvor seinen bei Gefechten gegen Rebellen erlittenen Verletzungen erlegen.

In der Übergangsphase übernehme ein von Débys Sohn geführter Militärrat die Geschicke des Landes, erklärte der Armeesprecher. Dieser werde „die nationale Unabhängigkeit, die territoriale Integrität, die nationale Einheit und den Respekt internationaler Verträge und Abkommen garantieren“.

Der 37-jährige Mahamat Idriss Déby Itno ist ein Vier-Sterne-General und Kommandeur der allgemein gefürchteten Präsidentengarde. Die Militärs verkündeten zudem eine sofortige Ausgangssperre. Alle Grenzen des Landes wurden geschlossen.

Der völlig überraschende Tod des seit 30 Jahren regierenden Präsidenten war kurz zuvor in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung der Armee verkündet worden. Déby sei am Dienstag seinen Verletzungen erlegen, die er sich am Wochenende „bei der Verteidigung der territorialen Integrität auf dem Schlachtfeld“ zugezogen habe. Der 68-Jährige befehligte den Angaben zufolge persönlich Regierungstruppen im Norden des Landes im Kampf gegen Aufständische.

In der Region kommt es immer wieder zu Kämpfen. Erst am 11. April, dem Tag der Präsidentschaftswahl im Tschad, hatten Aufständische nach Armeeangaben vom Nachbarstaat Libyen kommend eine neue Offensive gestartet.

Die Rebellen gehören der Front pour l’alternance et la concorde au Tchad (Fact) an, die hauptsächlich aus der die Zentralregierung ablehnenden Sahel-Volksgruppe der Daza besteht. Déby hatte vor 30 Jahren selbst an der Spitze von Rebellen gestanden und die Macht im Land an sich gerissen.

Bei der Präsidentschaftswahl am 11. April war Déby mit fast 80 Prozent der Stimmen für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt worden. Er hatte offiziell zwar mehrere Gegenkandidaten, diese blieben im Wahlkampf aber weitgehend unsichtbar. Proteste wurden im Tschad schon über Monate verboten und von der Polizei unterbunden.

Déby galt als ein wichtiger Verbündeter des Westens im Kampf gegen Dschihadisten, er wurde vor allem von der Ex-Kolonialmacht Frankreich gestützt. Der Tschad, der von Krisenstaaten wie Libyen, Sudan und Zentralafrika umgeben ist, stellt sowohl viele Truppen als auch Militärausrüstung für die Kämpfe bereit. Zudem entsendet das Land Soldaten für die UN-Mission in Mali. Die politische Situation in der Sahelzone ist seit Jahren von zunehmender islamistischer Gewalt und Instabilität geprägt – auch die Bundeswehr ist in der Region im Einsatz.

Der Tschad gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach Angaben der Weltbank leben 42 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze. Auf der internationalen Skala der Entwicklung belegt das zentralafrikanische Land den drittletzten Platz.

by Ludovic MARIN

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