Rettung aus Russland? Deutschland kauft 30 Millionen Dosen des russischen Impfstoffes Sputnik V

Zuletzt war das Verhältnis der Bundesregierung zu Russland ziemlich schlecht. Vor allem der russische Konflikt mit der Ukraine und der Umgang mit Kreml-Kritiker Nawalny belasten die deutsch-russischen Beziehungen. Trotzdem hat sich die Bundesregierung nun dazu entschlossen 30 Millionen Dosen des russischen Impfstoff Sputnik V für den Kampf gegen das Coronavirus zu kaufen.

Deutschland kauft russischen Impfstoff gegen Coronavirus

Den beschlossenen Sputnik-V-Einkauf hatte der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (45, CDU) verkündet. Dieser befindet sich zur Zeit in Russland und hat sich zu diesem Thema mit dem russischen Gesundheitsminister Mikhail Murashko ausgetauscht. Wie die „Bild“-Zeitung erfahren haben will, soll Deutschland insgesamt 30 Millionen Dosen gekauft haben, von denen je 10 Millionen im Juni, Juli und August dieses Jahres geliefert werden sollen. Allerdings ist der russische Impfstoff bisher noch nicht durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. In diese Hinsicht zeigte sich Kretschmer jedoch optimistisch. Er selbst rechne schon bald mit einer Zulassung durch die EMA. Ein wenig bremst jedoch in diesem Zusammenhang Hanno Kautz, der Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn: „Ob und wann es zu Lieferungen kommt, hängt vom Zeitpunkt der Zulassung ab. Und der Zeitpunkt der Zulassung hängt vom Umfang und Qualität der weiteren noch zu übermittelnden Studiendaten ab. Die bisher eingereichten Datenpakete reichen dazu nicht“, machte Kautz deutlich. Trotz der Entscheidung der EU keinen Kaufvertrag über dern russischen Impfstoff abzuschließen, hatte die Bundesregierung eigene Schritte unternommen, um den Impfstoff direkt einzukaufen.

Kauf von russischem Impfstoff ist problematisch

Während Kretschmer von einem großen Erfolg spricht, den Kauf des Impfstoffes ausgehandelt zu haben, so ist der Kauf jedoch auch heikel und politisch problematisch. Denn in den letzten Tagen war bereits bekannt geworden, dass spätestens Ende Mai oder Anfang Juni die Priorisierung der Impfungen auch ohne russischen Impfstoff wegfallen könne, weil dann die Liefermengen ansteigen. Außerdem belasten mehrere politische Themen die deutsch-russischen Beziehungen stark. Vor allem die Annektion der ukrainischen Halbinsel Krim und Putins verstärktes Säbelrasseln an der Grenze zur Ukraine machen der deutschen Regierung Sorgen. Dazu kommt dann noch das unrühmliche Schauspiel um den russichen Regierungskritiker Nawalny. Nachdem der russische Geheimdienst einen Anschlag mit Nervengas auf Nawalny durchgeführt hatte, war dieser mehrere Wochen in der Berliner Charité behandelt worden. Nach seiner Rückkehr nach Russland wurde Nawalny dann verhaftet und unter fadenscheinigen Begründungen verurteilt. Zur Zeit befindet sich Nawalny im Hungerstreik auf der Krankenstation eines russischen Gefängnis.

Kretschmer verteidigt seinen Impfstoff-Deal

Doch auf die politischen Probleme mit Moskau will Kretschmer offenbar nicht eingehen. Viel mehr sorgt er sich über die Akzeptanz des russischen Impfstoffes in Deutschland. „Wir werden sehen, ob die Zustimmung, die Akzeptanz überall so hoch ist, wie in Sachsen und den neuen Ländern für diesen Impfstoff. Vielleicht kriegen wir dann auch noch mehr“, macht Kretschmer deutlich. Allerdings wird der russische Impfstoff trotz seiner erwiesenen hohen Wirksamkeit selbst im eigenen Land skeptisch gesehen. Lediglich 4,3 Millionen Russen haben sich mit Sputnik impfen lassen. Bei 146 Millionen Einwohner entspricht dies lediglich einem Bruchteil der Bevölkerung. Und das obwohl der Impfstoff bereits seit September verfügbar ist. Zudem hat der russische Präsident Putin selbst noch nicht erklärt, ob er selbst mit dem Vakzin geimpft worden ist. Ein Verkauf des Impfstoffes an die Bundesrepublik Deutschland kann Putin nun natürlich für ausführliche Propaganda nutzen. Zukünftig wird der russische Impfstoff wohl auch im bayrischen Illertissen produziert und abgefüllt werden. Und ein russicher Impfstoff „Made in Germany“ käme Putin in dieser Hinsicht natürlich auch sehr gelegen.

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