Russischer Top-Spion demütigt Putin und wettert gegen Russland Kriegstaktik „Nur Stümper am Werk!“

Weil die Invasion in der Ukraine nicht wie geplant läuft, muss sich der russischer Präsident Wladimir Putin jetzt auch mit scharfer Kritik aus den eigenen Reihen auseinandersetzen. Denn die schmerzhaften Verluste an der Front, die Führungsprobleme und die Demoralisierung in der russischen Truppe und der Streit um die Kriegstaktik haben nun auch zur Kritik an Putin selbst geführt. So greift jetzt der Ex-Geheimdienstler Igor Girkin den Kreml-Führer ungewohnt scharf an.

Unzufriedenheit bei russischen Truppen wächst

Wie das renommiert „Institute for the Study of War“ (ISW) in seiner neusten Analyse feststellt, wächst die Unzufriedenheit innerhalb der russischen Armee immer weiter. Einer der Kritikpunkte ist die vorgegebene Kriegstaktik des Kremls. Die hohe Anzahl verletzter oder getöteter Soldaten sollen nun „die russischen Fähigkeiten weiter beeinträchtigen und zu weiteren moralischen Zusammenbrüchen führen“, schlussfolgert das Institut in seiner Analyse. Die Analyse beruht auf Informationen des britischen Verteidigungsministerium. Nach deren Recherche habe die russische Armee „verheerende Verluste“ bei Offizieren jüngeren und mittleren Alters erlitten. Dies liegt unter anderem daran, dass die Offiziere selbst in die Gefahrenzonen geschickt werden, statt diese Aufgaben an unterrangige Offiziere zu delegieren. Weil mittlerweile viele Offiziere getötet oder verwundet wurden, falle es den Russen immer schwerer, die eigenen Truppen zu führen und zu kontrollieren. Unter anderem führt dies nun dazu, dass die Truppen wie Flickwerk „aus den Überlebenden mehrerer anderer Einheiten zusammengeschustert“ werden. Dies führt zu steigendem Konfliktpotenzial und Zerwürfnissen.

Ehemaliger FSB-Offizier kritisiert Wladimir Putin

Dies sorgt nun auch in Russland selbst für Ärger. Deshalb hat nun auch der ehemalige FSB-Offizier Igor Girkin die Kreml-Führung ungewöhnlich scharf kritisert. Girkin selbst war im Sommer 2014 bei der Annektion der Halbinsel Krim im Einsatz, wo er mit prorussischen Separatisten gegen die ukrainische Armee gekämpft hatte. Doch seit 2016 hatte sich Girkin dann gegen Putin gewendet. Und auch in den vergangenen Wochen kommt immer wieder Kritik von Girkin wegen der zu laschen und aus seiner Sicht inkonsequenten Kriegsführung des Kreml-Chefs. So verurteilte Girkin zuletzt, dass sich die russischen Truppen lediglich auf die „Befreiung“ der Donbass-Region konzentrieren. Dies sei ein freiwilliger Verzicht Russlands auf einen Großteil der Ukraine. Zudem spotete Girkin, dass die russische Armee trotz enormer Verluste, gerade einmal „ein paar Dörfer“ eingenommen habe.

Experten sicher: Kursänderung aus Moskau hat Soldaten verärgert

Wie die Experten vom „Institute for the Study of War“ darlegen, sei Girkins scharfe Kritik ein Gradmesser für die wachsende Unruhe und Unzufriedenheit in den russischen Militärkreisen. „Der Kreml ist zunehmend mit Unzufriedenheit konfrontiert, nicht von Seiten der Russen, die den Krieg als Ganzes ablehnen, sondern von militärischen und nationalistischen Persönlichkeiten, die über die russischen Verluste verärgert und frustriert sind, weil der Kreml den Kriegsrahmen verändert hat“, kommen die Analysten zu einem eindeutigen Ergebnis. So sei die russische Führung wegen der militärischen Rückschläge kaum noch in der Lage, die Invasion ideologisch zu rechtfertigen. Die ISW-Experten kommen weiter zum Schluß, dass das Fehlen von militärischen Erfolgen der Russen in der Ukraine die Unzufriedenheit im Inland hinsichtlich des Krieges weiter schüren wird.