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Android und iOS ermöglichen demnächst eine bessere Kontrolle der eigenen Smartphone-Nutzung

Sowohl Apple als auch Google planen für die nächste Version ihres jeweiligen Mobile OS neue Funktionen, um die eigene Smartphone-Nutzung besser kontrollieren und limitieren zu können. Aber was bedeutet das im Detail und welcher Ansatz erscheint erfolgsversprechender?

Neue Features in iOS 12 und Android P

Im Rahmen der hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC hat Apple eine neue iOS-Version vorgestellt, die vor allen Dingen in puncto Performance endlich wieder einiges gerade rücken soll. Neue Features gibt es dafür weniger, doch zieht man in einigen Punkten mit Android gleichauf – unter anderem mit Apple Screen Time, dem Äquivalent zu Googles Digital Wellbeing.

Es war kein Geheimnis, dass Apple sich dem Thema unkontrollierter Smartphone-Nutzung in iOS 12 annehmen würde. Bereits seit längerem steht man dafür in der Kritik, entsprechende Maßnahmen nicht ergriffen zu haben, und mit der bisherigen Firmenphilosophie passt der Ansatz durchaus zusammen – Steve Jobs selbst sprach einmal in einem Interview darüber, dass in seinem Haus (wie bei vielen anderen IT-Größen) sehr darauf geachtet würde, die Displaynutzung der Kinder zu limitieren.

Überraschender war es hingegen, dass Google schon zuvor auch für Android P ein solches Feature vorgestellt hatte. Denn als Werbeanbieter hat Google ja eigentlich großes Interesse daran, die Nutzungszeit digitaler Produkte zu maximieren – um mehr Daten zu sammeln und mehr Werbung anzeigen zu können. Ob man aber nun tatsächlich die negativen Aspekte erkannt hat und ehrlich angehen will, oder man sich einfach nur präventiv für die aufziehende Debatte in Stellung möchte, weiß man wohl nur in Mountain View.

Hilfe zur Selbsthilfe – Information und Kontrolle

Die jeweiligen Ansätze von Apples Screen Time und Googles Digital Wellbeing sind einander trotz erkennbarer Unterschiede insgesamt sehr ähnlich. Frei nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ konfrontieren beide Plattformen die Nutzer zukünftig mit Informationen über Art und Umfang der Smartphone-Nutzung.

So wird in einem neuen Dashboard nicht nur die gesamte Nutzungszeit des Smartphones präsentiert, sondern auch übersichtlich nach einzelnen Anwendungen aufgeschlüsselt. Da viele diesen Wert unterschätzen oder gar keine Ahnung haben, wie viel Zeit sie täglich mit Social Media, Games, Messaging, News etc. verbringen, sicher ein wertvoller erster Schritt, das nötige Bewusstsein für die Problematik zu schaffen.

Datenschutzbedenken sind dabei fehl am Platz, denn diese Informationen haben beide Betriebssysteme schon zuvor gesammelt (und ausgewertet), um beispielsweise die Nutzungszeit einer App bei der Berechnung des Akkuverbrauchs zu berücksichtigen. Das neue Dashboard fasst diese Statistiken einfach nur in übersichtlicher Form zusammen.

Insbesondere fast schon exzessive Smartphone-Nutzung soll sich aber nicht nur kontrollieren, sondern auch limitieren lassen. Beide Unternehmen geben den Nutzern dafür auch entsprechende Werkzeuge an die Hand, aus den bisherigen Preview-Versionen ist aber erkennbar, dass Google eine etwas aggressivere (und vermutlich effektivere) Methode integriert hat.

Ist das Limit für die Nutzung einer bestimmten App überschritten, informiert iOS darüber mit einer Push-Benachrichtigung, die sich aber auch bei jedem neuen Erscheinen erneut ausblenden lässt. In der Developer Beta für Android P hingegen werden Apps nach überschrittenem Limit ausgegraut und lassen sich nicht mehr verwenden – einzig der umständliche Weg über das Dashboard kann dies rückgängig machen. Euer Android-Smartphone kann außerdem demnächst nicht nur zu bestimmten Zeiten den Blaulichtfilter aktivieren, sondern auch komplett auf Grayscale schalten.

Erweiterte Do Not Disturb-Funktionen

Push-Benachrichtigungen, ursprünglich mal von Blackberry eingeführt um eben jene nun kritisierten Ablenkungen zu verhindern, stehen in der Debatte um kontrollierte Smartphone-Nutzung besonders häufig im Fokus. Der unablässige Strom an eigentlich niemals explizit angeforderten Informationen ist schließlich ein wesentlicher Faktor für die ständige Ablenkung, die ein modernes Smartphone heute darstellen kann.

Zumindest unter Android wird die Anzahl der erhaltenen Benachrichtigungen künftig ebenfalls im Dashboard sein. Und außerdem soll der ausgebaute und per Geste aktivierbare Do Not Disturb Modus (DND) endlich seinem Namen gerecht werden und bis zu seiner Deaktivierung sämtliche Benachrichtigungen verbergen. iOS auf der anderen Seite erlaubt zukünftig, den DND-Modus für bestimmte Events (Parties, Dinner etc.) oder Standorte (Kino, Museen etc.) automatisch zu aktivieren.

iOS vs. Android – Welcher Ansatz scheint erfolgsversprechender?

Apples Feature wird höchstwahrscheinlich eher angenommen werden. Zum Einen weil Apple dem Nutzer wöchentliche Reports präsentieren wird und damit die Aufmerksamkeit auf das Feature lenkt, während bei Google das Dashboard aktiv aufgerufen werden muss – die meisten werden also nicht einmal wissen, dass es existiert. Zum anderen natürlich, weil iOS 12 fast jedes Apple-Smartphone erreicht haben dürfte, noch ehe Android P in den Play Store Statistiken überhaupt auftaucht.

iOS geht darüber hinaus einen Schritt weiter, wenn es um die sog. Parental Controls geht – was dann aber weniger mit Hilfe zur Selbsthilfe zu tun hat und durchaus kritisch gesehen werden darf und sollte. Aber Anfang des Jahres wurde dieses Thema öffentlichkeitswirksam von gleich mehreren wichtigen Apple-Investoren angesprochen, daher war ein Ausbau der entsprechenden Funktion absehbar.

Auch aus diesem Grund verspricht Apples Screen Time damit der erfolgsversprechendere Ansatz zu sein. Denn während viele Erwachsene ihre eigene Nutzung naiverweise als unkritisch einstufen, nehmen erfahrungsgemäß wesentlich mehr Anstoß an der exzessiven Nutzung bestimmter Produkte und Dienste durch ihre Kinder. Google hat mit Family Link einen Konkurrenten im Programm – auch da ist aber wieder die Initiative des Nutzer gefragt, mit der man nie wirklich rechnen darf.

Allerdings hat man in Mountain View den Vorteil, etliche Services (darunter bspw. YouTube und Google Photos) zu kontrollieren und seine neue Digitial Wellbeing Strategie auch dort umzusetzen. Und natürlich legt man den Nutzern nahe, für die meisten Aufgaben doch einfach den hauseigenen Assistant zu verwenden – ergänzt um Google WiFi und Android Auto.

Beide Unternehmen sind spät zur Party, insbesondere Apples Initiative wird aber sicher die bereits vor einigen Monate kurz aufgeflammte Debatte erneut entfachen – gerade in den USA, wo iOS noch immer eine dominante Position einnimmt.

Als Nächstes sind die Nutzer gefragt

Wirklich neu ist das Thema nicht, im Silicon Valley hat die Time Well Spent Bewegung um Tristan Harris längst Fahrt aufgenommen. Einige Anwendungen versprechen den Nutzern schon heute, einen transparenten und kontrollierten Umgang mit ihrem Smartphone zu ermöglichen. Und neben etwas radikaleren Hardware-Ansätzen wie dem Light Phone widmet sich auch Samsung mit dem arg missverstandenem Galaxy J2 Pro genau diesem Problem.

In welcher Form die auf den jeweiligen Entwicklerkonferenzen vorgestellten Neuerungen in den jeweiligen Betriebssystemen am Ende Einzug halten werden, ist noch offen – bisher müssen wir uns auf die Eindrücke von den Keynotes und Developer Previews verlassen. Sollten Apple und Google aber damit tatsächlich fürs erste ihre Pflicht getan haben, sind nun die Nutzer gefragt: Ab Herbst wird es vielen möglich sein, zu kontrollieren (und ggf. zu limitieren), wofür und wie lange sie ihr Smartphone nutzen. Es bleibt aber an den Nutzern, zu entscheiden, ob sie diese Funktionen annehmen und wie sie auf die neu gewonnenen (bzw. nun mit konkreten Zahlen untermauerten) Erkenntnisse reagieren werden.

Bilder via Apple, Google

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