China wirft USA „Politisierung“ der Olympischen Winterspiele vor

Washington will mit Partnern über möglichen Boykott von Olympia in Peking beraten

China hat den USA eine „Politisierung des Sports“ wegen der Überlegungen zu einem Boykott der Olympischen Winterspielen in Peking vorgeworfen. US-Außenamtssprecher Ned Price hatte am Dienstag mit Blick auf Partnerstaaten gesagt, ein Boykott der Spiele sei „etwas, worüber wir uns auf jeden Fall Gespräche wünschen“. Wegen massiver Menschenrechtsverletzungen gegenüber der muslimischen Minderheit der Uiguren im Nordwesten Chinas hatten zuvor schon republikanische Politiker und Aktivisten zu einem Boykott der Spiele aufgerufen. Peking nannte die damit verbundenen „Genozid“-Vorwürfe am Mittwoch „die Lüge des Jahrhunderts“.

Mit Blick auf einen möglichen Boykott der Spiele sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking: „Ich möchte betonen, dass eine Politisierung des Sports dem Geist der Olympischen Charta entgegensteht.“ Der Vorstoß schade den Rechten der Sportler und der „globalen Olympischen Sache“. Die Initiative werde „von der internationalen Gemeinschaft nicht akzeptiert“ werden.

US-Außenamtssprecher Price hatte auf die Frage nach einem möglichen Boykott der Olympischen Spiele in Peking geantwortet: „Das ist etwas, worüber wir uns auf jeden Fall Gespräche wünschen.“ Zuletzt waren Forderungen von Aktivisten und der republikanischen Opposition in den USA lauter geworden, die Winterspiele im Februar 2022 in Peking unter anderem wegen der Menschenrechtsverletzungen in der chinesischen Provinz Xinjiang zu boykottieren.

Price betonte im Online-Dienst Twitter, Washington habe „keine Ankündigung in Bezug auf Olympia in Peking“ zu machen. Die Regierung werde aber „weiterhin eng mit unseren Verbündeten und Partnern beraten, um unsere gemeinsamen Sorgen zu definieren und eine gemeinsame Herangehensweise“ an die Olympischen Spiele in Peking zu finden.

Eine US-Reaktion auf die „ungeheuerlichen Menschenrechtsverletzungen Pekings, einschließlich des Genozids im Fall von Xinjiang“ sei „bedeutsam“, erklärte Price. Eine Reaktion, die „unsere Verbündeten und Partner mitnimmt“, habe jedoch „den größeren Einfluss auf Peking“. Ein „koordinierter Ansatz“ sei nicht nur im US-Interesse, sondern auch im Interesse verbündeter Staaten.

Die Reaktion in Berlin war zunächst verhalten. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, es gelte die „Autonomie des Sports“. Dieser entscheide im Regelfall selbst, wer an den Spielen teilnehme.

Zu den Verfechtern eines Olympia-Boykotts zählen in den USA der frühere Außenminister Mike Pompeo und andere Republikaner. Sie verweisen auf gravierende Menschenrechtsverletzungen der chinesischen Behörden in Xinjiang. Menschenrechtsorganisationen zufolge sind in der nordwestchinesischen Provinz mindestens eine Million Angehörige von Uiguren und anderen muslimischen Minderheiten in Haftlagern eingesperrt. Dort werden sie den Angaben zufolge zur Aufgabe ihrer Religion, Kultur und Sprache gezwungen und teilweise auch misshandelt. Peking weist die Vorwürfe zurück und spricht von Ausbildungs- und Arbeitsprogrammen gegen Extremismus.

Im Jahr 1980 hatten die USA schon einmal einen internationalen Olympia-Boykott angeführt: Mit ihrem Boykott der Olympischen Spiele in Moskau protestierten die US-Regierung und ihre Verbündeten damals gegen den Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan. Vier Jahre später boykottierte die Sowjetunion die Sommerspiele in Los Angeles.

by Noel Celis

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