EU-Arzneimittelbehörde kündigt Pressekonferenz zu Astrazeneca-Impfstoff an

EU-Gesundheitsminister beraten im Anschluss – Auch britische Behörde gibt Pressekonferenz

Nach mehreren – auch tödlichen – Thrombosefällen nach Astrazeneca-Impfungen will die EU-Arzneimittelbehörde EMA noch am Mittwoch ihre Erkenntnisse über einen möglichen Zusammenhang bekanntgeben. Für 16.00 Uhr (MESZ) sei eine virtuelle Pressekonferenz zu der Frage angesetzt, doch könne sich der Zeitpunkt noch ändern, erklärte die Behörde am Vormittag. Im Anschluss wollen die EU-Gesundheitsminister über die EMA-Erkenntnisse beraten.

An der EMA-Pressekonferenz wollen Behördenchefin Emer Cooke und weitere hochrangige Vertreter teilnehmen. Zur selben Zeit will sich die britische Medikamentenaufsicht MHRA ebenfalls auf einer Pressekonferenz zu einer möglichen Verbindung zwischen dem Astrazeneca-Impfstoff und dem ungewöhnlich häufigen Auftreten von gefährlichen Blutgerinnseln äußern. Das „informelle Video-Treffen“ der EU-Minister ist dann für 19.00 Uhr vorgesehen, wie die portugiesische EU-Ratspräsidentschaft auf Twitter mitteilte.

Der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri, hatte am Vortag in einem Zeitungsinterview bereits eine Verbindung zwischen der Astrazeneca-Impfung und dem vereinzelten Auftreten gefährlicher Blutgerinnsel insbesondere bei jüngeren Geimpften hergestellt. „Meiner Meinung nach können wir mittlerweile sagen, dass es klar ist, dass es einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt“, sagte Cavaleri der italienischen Zeitung „Il Messaggero“. Die genaue Ursache dafür sei aber noch unklar.

Wenig später stellte die in Amsterdam ansässige EU-Behörde jedoch klar, dass ihr Ausschuss für Medikamentensicherheit „noch keine Schlussfolgerung gezogen“ habe. Die Ergebnisse seiner Überprüfung würden erst per Pressekonferenz verkündet.

Bisher hat die EMA den von der Oxford-Universität und dem britisch-schwedischen Konzern entwickelten Impfstoff wiederholt als sicher und wirksam empfohlen und betont, der Nutzen des Vakzins überwiege deutlich mögliche negative Folgen. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und den Blutgerinnseln sei „möglich“, allerdings gebe es dafür keinen Beweis, hieß es bislang von der EMA. Auch der britisch-schwedische Hersteller betont dies.

Mehrere Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Kanada, schränkten den Einsatz des Vakzins bereits ein. Andere Länder wie Dänemark und Norwegen setzten die Verwendung vorsichtshalber vollständig aus. Auch die Behörden der spanischen Region Kastilien und León setzten die Astrazeneca-Impfungen „als Vorsichtsmaßnahme in Erwartung der EMA-Erkenntnisse“ am Mittwoch aus.

In Erwartung der MHRA-Erkenntnisse legte die Universität Oxford unterdessen ihre Studie an Kindern mit dem von ihr mitentwickelten Impfstoff auf Eis. Zwar gebe es an der pädiatrischen Studie „keine Sicherheitsbedenken“, doch wolle sie für eine Fortsetzung zunächst die Informationen der MHRA über ihre „Überprüfung der seltenen Fälle von Thrombosen bei Erwachsenen“ abwarten, erklärte die Universität am Dienstag.

Laut MHRA wurden bislang 18 Millionen Dosen des Astrazeneca-Vakzins in Großbritannien verabreicht. In 30 Fällen wurden später Thrombosen gemeldet, sieben davon waren tödlich.

Bisher wurde in Großbritannien neben dem Impfstoff von Astrazeneca nur das Vakzin von Biontech-Pfizer eingesetzt. Am Mittwoch begannen die Behörden jedoch auch Impfungen mit dem Vakzin des US-Herstellers Moderna, das wie bei Biontech-Pfizer auf der sogenannten mRNA-Technologie basiert. Als erste wurde die 24-jährige Elle Taylor in einem walisischen Krankenhaus geimpft. Für sie sei die Impfung sehr wichtig, da sie sich um ihre Großmutter kümmere, sagte sie. Insgesamt hat Großbritannien 17 Millionen Dosen des Moderna-Impfstoffs bestellt.

by LOIC VENANCE

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