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Xiaomi Mi8: Das neue Chinahandy mit AMOLED Display und Notch im Test

Das Xiaomi Mi8 ist das neueste Flaggschiff-Smartphone des chinesischen Herstellers Xiaomi und kommt wieder mit einem Haufen Technik-Features daher. Was dieses Chinahandy so kann, erfahrt Ihr in unserem ausführlichen Testbericht.

Xiaomi hat auf dem Launch-Event am 31. Mai ein wahres Produktfeuerwerk abgefeuert und neben dem Mi8 noch eine Premium-Variante mit der Mi8 Explorer Edition* und eine günstigere Variante mit dem Mi8 SE* vorgestellt. Der Vorgänger, das Mi6, ist knapp 12 Monate alt und die Zahl Sieben wurde übersprungen. Das Xiaomi Mi8 wurde uns vom CECT-Shop* zur Verfügung gestellt, vielen Dank an dieser Stelle.

Das Xiaomi MI 8 kommt in einem schlichten schwarzen Karton, auf dem lediglich die Zahl Acht und ein kleines MI-Logo zu sehen sind. Die Rückseite ziert wie immer eine Kurzübersicht der technischen Daten.

Nach dem Auspacken kommt ein kleiner Karton zum Vorschein, welcher die Kurzanleitung, den Simkarten-Öffner, Audio-Adapter USB Typ-C auf 3,5mm Klinke und erfreulicherweise auch eine Silikon-Hülle enthält. Für die Stromversorgung sorgt ein chinesisches 2A Netzteil (Quick-Charge 3) mit USB Typ-C Kabel.

Wenn bedacht wird, dass das Xiaomi Mi8 mit 6.21 Zoll im Vergleich zum  Vorgänger Mi6 mit 5,15 Zoll fast 1 Zoll größer geworden ist, ist es schon beeindruckend, dass es mit den Abmessungen 154,9 x 74,8 x 7,6mm gerade mal 10mm höher und 3mm breiter geworden ist (Mi6 = 145,2 x 70,5 x 7,5 mm). Mit 7,6mm ist das Mi8 fast genauso dick und mit 175 Gramm (Mi6 = 7,5mm – 168g) wie sein Vorgänger. Wie bei so gut wie allen Flaggschiff-Smartphones in 2018 kommt auch das Mi8 jetzt mit einer Notch. Das es auch anders geht, beweist Xiaomi schließlich höchstselbst mit der Mi Mix-Serie. Generell bin ich kein Fan der Notch, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Ränder auf der Unterseite sind mit 7mm und an der Seite mit 2mm sehr schmal geworden.

Hinter der Notch auf der Vorderseite verbergen sich einige Sensoren, neben der 20 Megapixel Frontkamera, sind dort auch ein Näherungssensor (Proximity), die Hörmuschel, eine weiße Benachrichtigungs-LED, ein Infrarot-Blitz und eine Infrarot-Linse für die Gesichtsentsperrung untergebracht. Also wieder keine RGB-LED für die Benachrichtigungen, was sehr schade ist.

Die Rückseite des Xiaomi Mi8 besteht aus gehärteten Glas und der Rahmen ist aus Metall. Hier wird der Linie der Mi-Serie treu geblieben und rundet die Seiten auf der Rückseite wieder stark ab. Das sorgt für eine gute Haptik und macht das Mi8 wieder zum richtigen Handschmeichler. Dafür sorgt auch das leicht abgestumpfte Glas, mit dem das Telefon sehr gut in der Hand liegt. Wem das immer noch zu rutschig ist, der kann einfach die mitgelieferte Silikon-Hülle verwenden.

Auf der rechten Seite des Gerätes befinden sich Lautstärkeregler und Powerbutton. Die Knöpfe selbst bestehen ebenfalls aus Metall, haben einen sehr guten Druckpunkt und wackeln nicht. Auf der linken Seite befindet sich der Dual-SIM-Kartenschacht für zwei Nano-SIM. Eine erweiterung per MicroSD-Karte auf Kosten eines Simkarten-Schachtes ist nicht möglich. Auf der Unterseite befindet sich der USB 3.0 Typ-C Anschluss, das Loch für das Mikrofon und der Mono-Lautsprecher. Auch beim Mi8 fällt der 3,5mm Kopfhörer-Anschluss weg und Ihr müsst entweder einen TYP-C Kopfhörer oder den beiliegenden USB-C Klinken-Adapter verwenden. Auch der von Xiaomi oft verbaute Infrarot-Sensor auf der Oberseite entfällt leider wieder.

Xiaomi verbaut die Kameralinsen mittlerweile fast in jedem Gerät vertikal untereinander und verfrachtet den LED-Blitz zwischen die beiden Linsen. Die Kamera ist mit einem dezenten silbernen Metallrahmen passend zur Farbe des Gerätes umzogen. Allerdings stehen die Linsen immer noch sehr weit aus dem Gehäuse hervor. Ansonsten befindet sich in der Mitte noch der Fingerabdrucksensor, der passend auf der richtigen Höhe angebracht ist. Alternativ unterstützt das Mi8 natürlich auch das Face-Unlock Feature.

Das FHD+ Display des Xiaomi Mi8 ist 6.21 Zoll groß und Xiaomi setzt auf ein AMOLED Panel von BOE mit einer Auflösung von 2248×1080 Pixel (402ppi). Das Seitenverhältnis beträgt 19:9 mit einem sehr guten Display-Rand-Verhältnis von 84,05%.

Das AMOLED Display ist knackig scharf und kristallklar. Die Farben sind, wie bei jedem Panel dieser Art, etwas greller/bunter, was es manchmal etwas künstlich erscheinen lässt. Die Einen schwören darauf und die Anderen mögen es lieber natürlicher mit IPS. Dafür erhält der Benutzer mit AMOLED einen besseren Kontrast und vor allem Schwarzwert. Wer möchte, kann die Farbeinstellungen in den Einstellungen noch auf seien Vorlieben anpassen.

Ich bevorzuge normalerweise auch lieber ein IPS Display, aber AMOLED hat den Vorteil, energieeffizienter zu sein und mehr Akku zu sparen. Im Test waren weder Pixelfehler noch grobe Unschärfe zu erkennen. Die Ausleuchtung ist auf höchstem Niveau und es sind keine Lichthöfe zu erkennen. Kapazitive Tasten gibt es hier nicht mehr und der Anwender muss mit reinen On-Screen Tasten Vorlieb nehmen. Wer möchte kann die Tasten auf Wunsch automatisch ausblenden und via Wischgeeste wieder einblenden lassen.

Die automatische Helligkeitseinstellung reagiert prompt und präzise ohne zu stark abzudunkeln. Bei der maximalen Helligkeit hat das AMOLED-Display wieder einen leichten Vorteil gegenüber den IPS-Panels und wird mit 600nit angegeben. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung ist das Display noch gut ablesbar. Bei der gesamten Helligkeit muss es sich aber gegen das OnePlus 5t geschlagen geben, ist aber generell höher, wie bei IPS-Panels. Zudem gibt es noch einen “Lesemodus”, mit dem das Blaulicht rausgefiltert wird, um die Augen besonders am Abend oder im Dunkeln zu schonen. Auf Grund des AMOLED Displays hat das Xiaomi Mi8 nun auch das Always-on-Display Feature und kann damit das Display dauerhaft eingeschaltet lassen. Neben der Uhrzeit, dem Wochentag und dem Datum werden dort zusätzlich dann auch die Benachrichtigungen angezeigt.

Die Display Notch

Tja, nun ist die Notch also auch bei Xiaomi angekommen und meine Beziehung zur Notch ist eine Hass-Liebe. Ich bin persönlich kein Fan der Notch und finde das Gimmick nach wie vor unnötig, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Beim Mi8 kommt hinzu, dass diese sehr viel breiter ausfällt als bei Android-Geräten anderer Hersteller. Hier hat man sich offensichtlich sehr stark an dem iPhone 10 orientiert, was Xiaomi eigentlich gar nicht nötig hat.

Die Notch beherbergt hier auch die neuste Infrarot 3D-Technik und verwendet diese für die Gesichtsentsperrung (Face unlock). Hierbei wird neben der Frontkamera auch via Infrarot ein 3D-Abdruckes des Gesichtes gemacht und sorgt somit für mehr Sicherheit. So konnte ich im Test das Mi8 nicht mit einem Foto von meinem Gesicht überlisten. Zudem lässt sich das Gerät damit auch bei schlechten Lichtverhältnissen mit dem Gesicht entsperren.
Xiaomi hat mit MIUI10 auch noch mehr Features angekündigt, wie beispielsweise die Animojis, womit euer Gesicht die Form eines Emoji übernimmt und die Mimik nachahmt. Da das Xiaomi Mi8 noch mit MIUI 9.5. ausgeliefert wird, konnte ich das leider nicht ausprobieren.

Notch hin oder her, was mich persönlich aber nach ein paar Tagen Nutzung tatsächlich störte, war das Fehlen der Benachrichtigungs-Icons. Die sind zwar auch bei anderen Geräten meistens auf maximal vier Stück begrenzt worden, aber es sind wenigstens noch welche vorhanden. Beim Mi8 entfallen sie vollständig, auch wenn man die Notch softwareseitig ausblendet. Unklar ist hier auch, ob das tatsächlich von Xiaomi so gewollt ist. Vielleicht war Xiaomi auch der Meinung, dass das Always-on-Display mit den Benachrichtigungen ein entsprechender Ersatz ist. Jeder hat zu der Notch eine eigene Einstellung, aber ohne die Benachrichtigungs-Icons hat sie zumindest für mich keinen Mehrwert, ganz im Gegenteil, eher nimmt man mir Funktionen weg und das für einen minimalen Platzgewinn. Zudem sind die meisten Apps nicht an eine Notch angepasst und es werden teilweise Ecken abgeschnitten oder mit schwarzen Rändern softwareseitig ausgeblendet. Selbst bei Youtube oder Spielen fällt dann dieser schwarze Rand teilweise größer aus als bei Geräten ohne Notch. Das ist aber auch so ein generelles Ding mit den Android Apps und kann man nicht dem Mi8 anlasten.

Display Helligkeit im Vergleich

Farbe UmiDigi Z Pro Mi MIX 2s Xiaomi Mi6 Xiaomi Mi8 OnePlus 5t
rot 96 126 126 152 218
blau 144 185 194 241 244
grün 280 302 287 370 478
weiß 509 605 697 770 751

Für das Xiaomi Mi8 gibt es aktuell noch keine “Global-Rom” und das bedeutet, dass es die Einstellungen und Oberfläche aktuell nur auf Englisch oder Chinesisch gibt. Die Global-Rom erscheint im Normalfall 1-2 Monate später, wenn das Gerät auch offiziell in Indien und anderen Ländern vorgestellt wird. Bis dahin muss sich mit dieser Version begnügt werden, aber der versierte Anwender kann zumindest mit etwas IT-Kenntnisse und der App Morelocale 2 die Sprache der Apps auf Deutsch umstellen. Auch den Google Play Store gibt es in dieser China-Rom Version nicht und muss selbst nachinstalliert werden. Die passenden Apps können über die Seite Apkmirror heruntergeladen und installiert werden. Um später die Global-Rom installieren zu können muss das Gerät allerdings vorher entsperrt (Unlock) werden, was mittlerweile recht aufwändig ist. Vor allem muss man nach der Registrierung für den Unlock ganze 360 Stunden (15 Tage) warten. Ist der Unlock erfolgt und Ihr wollt nicht auf die offizielle Global Rom warten, könnt Ihr natürlich auch von Xiaomi.eu eine mehrsprachige Custom-Rom installieren.

Das Mi8 wurde zwar unter anderem mit MIUI 10 vorgestellt, aber aktuell ist die brandneue Oberfläche noch nicht verfügbar. Somit ist hier aktuell noch MIUI 9.5.6.0 auf Basis Android 8.1 Oreo vorinstalliert. Das Patchlevel ist vom 1. Mai 2018 auf recht aktuellem Stand. Rein optisch ist MIUI nicht jedermanns Sache, aber liefert dafür sehr viele Funktionen und Einstellungen, die man sonst mit Stock-Android nicht hat, wie beispielsweise die Rechteverwaltung für die installierten Apps oder eine ausgeklügelte Energieverwaltung.

Xiaomi Mi8 - Launcher

Generell legt Xiaomi viel Wert auf Sicherheit und Privatsphäre, das stellt man an den unzähligen Funktionen fest wie zum Beispiel den privaten Modus für Nachrichten sowie die Funktion, Fotos und Dateien in versteckten Ordnern zu speichern oder aber der Kinder-Modus mit dem ihr bestimmte Apps sperren könnt usw. Auch können Apps einfach geklont und somit zweimal mit beispielsweise unterschiedlichen Accounts genutzt werden oder aber über eine Splitscreen-Funktion auf dem Bildschirm geteilt werden.

Ansonsten kann man so gut wie alles über die Einstellungen des Xiaomi Mi8 anpassen, sei es nun ein komplett anderes Design oder generelle Funktionen. Praktisch sind auch die Full-Screen-Gesten in MIUI, um die On-Screen-Tasten auszublenden und diese Funktionen der Tasten über Gesten steuern zu können. So landet man beispielsweise mit einem einfachen Swipe nach oben auf dem Homescreen, Swipe nach oben mit Halten für „Letzte App-Ansicht“ und mit einem Swipe nach links oder rechts auf „Zurück“. Sehr praktisch, wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat.

Xiaomi Mi8 - Einstellungen

Vieles ist in MIUI, besonders in der China-Version, stark an den chinesischen Markt und seinen Diensten angepasst. Wie schon beim Mix 2s, hat auch das Mi8 eine integrierte KI – künstliche Intelligenz. Dafür gibt es einen eigenen Sprach-Assistenten mit Namen XIAO-AI mit dem wir aber auf Grund der chinesischen Sprache nicht viel anfangen können. Die KI übernimmt an anderen Stellen weitere Funktionen, wie beispielsweise in der Kamera-App. (Nachfolgenden Screenshots vom Mix 2s)

Beim Prozessor des Xiaomi Mi8 setzt Xiaomi wieder auf den Snapdragon 845 Octa-Core mit 4x 2.8GHz Kryo 385 Gold und 4x 1.8 GHz Kryo 385 Silver Kernen von Qualcomm. Die Grafikeinheit ist eine Adreno 630 GPU. Wie schon beim Mix 2s knallt der SoC beim AnTuTu-Benchmark knapp 269.000 Punkte raus. Das Mi8 hat Leistung satt und es bringt absolut nichts ins Stocken oder Stottern. Oben drauf erhält man noch den schnellen UFS 2.1 Speicher und 6GB LPDDR4 RAM.

Im Geekbench 4 schafft es 2419 Punkte im Single-Core-Benchmark und 9045 Punkte im Multi-Core-Benchmark. Im beliebten 3D-Mark Slingshot erreicht es 4961 Punkte. Der interne Speicher schafft um die 700MB/s beim Lesen und  200MB/s Schreiben. Der RAM-Speicher erreicht eine Geschwindigkeit von 15000MB/s RAM.

Xiaomi Mi8 - Bench

Auch über anspruchsvolle Spielen wie PUBG MOBILE, Asphalt Extreme, Need for Speed Most Wanted, Real Racing 3 oder GTA San Andreas kann das Mi8 nur Müde lächeln und diese hardwarehungrigen Spiele laufen selbstverständlich auf höchster Auflösung absolut flüssig und ohne jegliche Ruckler.

Die Sprachqualität des Mi8 ist während eines Telefonats gewohnt ausgezeichnet. Unsere Gesprächspartner konnten uns stets sehr gut verstehen. Während der Vorgänger Mi6 nicht alle LTE-Netze unterstützte haben wir nun beim Mi8 alle Bänder inklusive dem LTE Band 20 mit an Bord.

Netzstandards:

2G/CDMA1X / EVDO (BC0), 2G/GSM 850/900/1800/1900MHz (B5/B8/B3/B2)
3G/TD-SCDMA B34/B39, 3G/WCDMA 850/900/1700/1900/2100MHz
4G/TD-LTE 1900/2000/2300/2500/2600MHz (B34/B38/B39/B40/B41)
4G/FDD-LTE 700/800/850/900/1700/1800/1900/2100/2600MHz (B12/B17/B20/B5/B8/B4/B3/B2/B1/B7)

Auch bei der Konnektivität gibt es mit dem Xiaomi Mi8 einige größere Unterschiede. Beim WLAN haben wir Dualband mit MU-MIMO mit den Standards 802.11a/b/g/n/ac 2.4GHz/5GHz. Damit sind theoretisch Übertragungen bis zu 1.5 Gigabit pro Sekunde möglich. Weiter gibt es noch Miracast, DLNA und Wifi-Direct. Bei der Übertragungsqualtität und Geschwindigkeit hatte ich im Test über WLAN und Mobil keinerlei Probleme. Den neuen Bluetooth-Standard 5.0 gibt es ebenfalls und diesmal sogar mit aptX und aptX HD Unterstützung. Ein NFC-Chip ist in dem Flaggschiff selbstverständlich auch verbaut.

Mi8 mit Dual-GPS

Neu ist, dass im Mi8, neben GPS + GLONASS, AGPS und Beidou, erstmalig ein Dual-GPS verbaut wurde, in dem zwei GPS-Module gleichzeitig arbeiten und eine noch exaktere Ortung ermöglichen. Damit schafft das Telefon innerhalb eines Gebäudes eine Genauigkeit von 6m und verwendete ganze 19 Satelliten. Der Fix mit 1,3 Sekunden ist sehr schnell,  vor allem wenn bedacht wird, dass sich der Benutzer innerhalb eines Gebäudes befand.

Außerhalb eines Gebäudes ist der Fix in sehr schnellen 0,3 Sekunden erledigt und die Genauigkeit beträgt 4m. Das sind sehr ordentlich Werte, ob nun tatsächlich beide GSP-Sensoren zum Einsatz kommen ist schwer zu sagen. In den GPS Einstellungen sind dazu keinerlei Hinweise zu finden.

Etwas enttäuschend beim Xiaomi Mi8 ist, dass in diesem Flaggschiff lediglich einen Mono-Lautsprecher an der Unterseite verbaut wurde. Gerade im Vergleich zum Mix 2s hätte ich hier ebenfalls einen Stereo-Lautsprecher erwartet. Dafür ist wenigstens die Audio-Qualität des Mono-Lautsprechers recht gut. Er klingt einigermaßen ausgewogen und auch die Bässe kommen etwas raus. Selbst auf höchster Lautstärke zerrt hier nichts und es klingt alles in allem recht gut im Rahmen dessen, was von einem Smartphone-Lautsprecher erwartet werden kann.

Auf eine 3.5mm-Audiobuchse muss auch beim Mi8 verzichtet werden, somit fällt auch hier gleichzeitiges Laden und Musik hören flach. Immerhin legt Xiaomi hier auch einen Typ-C auf Klinkenadapter bei. Einen Klangunterschied zwischen USB-C oder den 3,5mm Kopfhörer wird man wohl eh nicht wirklich feststellen können. Die Klangqualität über Kopfhörer ist sehr gut, alles kommt dynamisch rüber ohne bestimmte Klangbereiche übermäßig zu betonen. Über den eingebauten Equalizer kann der Klang noch an die eigenen Vorlieben angepasst werden. Ansonsten könnt Ihr natürlich eure Kopfhörer und Lautsprecher auch via Bluetooth 5.0  verbinden und mit verbesserten Klang per aptx (HD) genießen. Der Codec aptX sorgt für eine bessere Soundqualität als das übliche SBC, welches das A2DP Profil benutzt. Qualcomms aptX HD erhöht noch einmal die Audioqualität gegenüber aptX und lässt Audiodaten mit einer Auflösung von 24 Bit übertragen. Das ist viel mehr als die übliche CD-Qualität. Tatsächlich ist es so, dass aptX mit passenden Endgerät einfach druckvoller und besser klingt.

Bei der Dual-Kamera des Xiaomi Mi8 auf der Rückseite setzt man auf die gleichen Sensoren wie beim Mi Mix 2s. Wir haben wieder einen 12 Megapixel Sony IMX363 Sensor mit f/1.8 Blende (1.4 µm) sowie einen 12 Megapixel Samsung S5K3M3 Sensor mit f/2.4 Blende (1.0µm). Der Sony-Sensor ist für die Hauptaufnahmen zuständig und der Samsung Sensor dient als Teleobjektiv. DxOMark vergibt auch hier 105 Punkte im Bereicht Foto und 99 insgesamt. Damit ist es etwas besser als das Mi Mix 2 mit 101 Punkten in der Foto-Disziplin und 96 Punkten in der Gesamtwertung. Der Punkteunterschied ist aber so marginal, dass dieser nicht groß ins Gewicht fällt. Im Prinzip kann ich das bestätigen und die Kameraqualität des Mi8 ist nahezu identisch mit der des Mi Mix 2s. Ich verweise deswegen an dieser Stelle noch mal auf den Kameravergleich zwischen dem OnePlus 5t und Mi Mix 2s. Deutlich verbessert wurde die bereits von mir im 2s bemängelte Frontkamera – dazu aber unten im Abschnitt Frontkamera mehr.

Auch beim Mi8 arbeitet der PDAF-AutoFokus bei der Fokussierung sehr schnell und zuverlässig. Selbst bei Makro-Aufnahmen sind noch viele Details zu erkennen, was noch immer nicht jede Smartphone-Kamera der Oberklasse schafft. Auch das Mi8 setzt wieder auf einen optischen Bildstabilisator mit 4 Achsen anstelle eines elektronischen Bildstabilisators.

Tageslicht (Normal)

Viel Neues kann ich euch nicht berichten, denn das Ergebnis ist wegen der gleichen Linsen identisch mit dem Mix 2s, weswegen ich meine Meinung nur wiederholen kann. Bei Tageslicht sind die Farben manchmal etwas unter- oder übersteuert, da fehlt mir etwas die Beständigkeit und Dynamik in den Fotos. Auch bei Schärfe und Kontrast muss man leichte Abstriche machen – die Unschärfe wird höher sobald man nah zum Rand des Bildes kommt. HDR kann auf Wunsch manuell oder automatisch zugeschaltet werden. Insgesamt fehlt mir da bei guten Lichtverhältnisse so ein kleiner Tick zu einer Top-Kamera, aber hier könnte Xiaomi mit einem Update vielleicht noch etwas nachbessern. Das heißt nicht, dass die Cam hier schlecht ist, dennoch muss es sich mit anderen Flaggschiff-Smartphones messen.

Der 4-Achsen-Bildstabilisator sorgt für einigermaßen wackelfreie Aufnahmen. Videos können mit maximal 4K und 30 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet werden. Slow-Motion ist zwar nur in Full-HD möglich, aber dafür 60 Sekunden lang mit maximal 240 Bilder pro Sekunde. Auch hier ist leider wieder die Qualität des aufgenommenen Tons, wie schon beim Mix 2s, nicht gut und hier sollte Xiaomi dringend nachbessern.

Portrait-Modus

Der Portrait-Modus (Bokeh) ist nahezu identisch mit dem des 2s und liefert ähnliche Ergebnisse ab. Die beiden Linsen erzeugen den Effekt gemeinsam und werden von der Software leicht nachbearbeitet. Leider lässt sich hier im Vorfeld nicht die Blendengröße manuell einstellen und so muss genommen werden was der Automodus liefert, aber es kann wenigstens im Nachhinein in der Galerie-App die Blende verändert werden.

Die Foto-Ergebnisse des Mi8 sind in den meisten Fällen recht gut, wenn auch stark von Objekt und  Abstand abhängig. Besonders bei sehr nahen Gegenständen unter einem Meter hat die Kamera etwas Probleme und schafft es nicht, das Objekt scharf zu stellen. Ist der Abstand etwas höher gelingt das schon sehr viel besser. Die App selbst teilt einen ja auch mit, dass die Objekte sich so in 2,5m Abstand befinden sollten.  Ansonsten sind Objektdetails etwas schlechter im Vergleich zum OnePlus 5t, dafür ist der Unschärfeeffekt etwas höher und lässt das Objekt mehr aus dem Bild herauskommen. Gegen die Platzhirsche von Huawei oder das Pixel 2 kommt es ebenfalls nicht ran.

Low-Light

Bei Low-Light, also bei schlechten Lichtverhältnissen, spielt die Kamera dann aber wieder ihre Stärken aus und das Ergebnis sieht deutlich besser als beim OnePlus 5t aus. Auf Grund der gleichen Linsen wie beim Bruder Mix 2s habe ich auf einen separaten Kamera-Test und Vergleich diesmal verzichtet. Schaut euch dazu am besten auch noch mal den Kameravergleich an. Auch das Xiaomi Mi8 schafft selbst mit Gegenlicht im Dunkeln sehr detailreiche Bilder ohne groß zu verrauschen. Insgesamt sind die Bilder hier wieder sehr dynamisch, haben eine gute Schärfe und Kontrast. Die Farben werden hier aber wieder leicht erhöht, um ein etwas stimmigeres Gesamtbild und eine bessere Dynamik rüberzubringen, was den meisten wohl auch gefallen wird. Im Low-Light kann auch das Mi8 wieder voll punkten und es macht einfach Spaß, damit Aufnahmen zu machen.

AI-Modus (künstliche Intelligenz)

Die integrierte AI, also künstlichen Intelligenz, soll euch beim Fotografieren unterstützen und die optimalen Belichtungs- und Farbeinstellungen wählen. Die AI kann optional hinzugeschaltet werden und schaltet dabei den HDR-Modus aus. Die KI sorgt aber nicht nur für optimale Belichtungseinstellungen, sondern soll bis zu 206 unterschiedliche Szenen und Objekte erkennen können. Im Prinzip wird hier, wie auch bei den anderen Smartphones mit KI, der Kontrast und die Sättigung des Fotos automatisch angepasst. Weiter gibt es auch eine automatische Texterkennung. Die KI hilft auch bei nachträglicher Anpassung von Portraitfotos oder kann leuchtende Elemente im Hintergrund mit einer neuen Form versehen. Auch beim Mi8 konnte mich die KI nur teilweise überzeugen, denn zwar kann man hier und da tatsächlich etwas bessere Ergebnisse erzielen, wenn die KI die Szene oder Objekt erkannt hat, aber häufig fand es nicht die passende Szene. Gut klappte das meistens bei Essen oder Pflanzen, aber oft fand es einfach nichts. Da bin ich der Meinung, dass Ihr mit dem Auto-HDR Modus momentan besser fahrt, denn dieser liefert tatsächlich einen Mehrwert und gestochen scharfe Bilder. Die AI braucht wohl doch noch etwas und ein paar Updates, bis sie besser funktioniert.

Panorama

Frontkamera

Eine deutlich positive Verbesserung gegenüber dem 2s gibt es aber bei dem Mi8 definitiv, und das ist die Frontkamera. Hier verbaut man jetzt eine hochauflösende 20 Megapixel-Linse von Sony, eine IMX350. Die Frontkamera unterstützt auf Wunsch auch die AI-Funktion, besitzt zusätzlich einen Beauty-Modus (Verschönerung) und eigenen Portrait-Modus (Bokeh). Die Frontcam schafft sehr schöne, farbgetreue und scharfe Aufnahmen. Unterstützt werden die Aufnahmen etwas von der KI, auch wenn keine großen Unterschiede festgestellt werden können. Die Frontkamera ist dem Flaggschiff zumindest würdig. Ein paar Abstriche müssen allerdings bei Videoaufnahmen gemacht werden, denn hier sind nur maximal 1080p möglich. Für relativ wackelfreie Aufnahmen sorgt EIS – der elektronischen Bildstabilisator. Die Aufnahme des Tons ist wie schon erwähnt leider nicht so gut.

 

 

Das Xiaomi Mi8 besitzt einen 3400mAh Akku und unterstützt sogar Qualcomm’s neueste Schnellladetechnologie Quick Charge 4+. Quick Charge 4+ hat drei Vorteile:

Mit QC4+ lässt sich laut Datenblatt ein 3200mAh Akku in nur 25 Minuten von 0-50% aufladen. Aufgrund eines fehlenden QC4+ Netzteiles konnte ich es leider nicht testen, aber mit einem QC3-Ladegerät schaffte ich es von 0-100% in 90 Minuten (1.5 Std.) aufzuladen. In 30 Min. konnte ich es auf 45% und in 60 Min. auf 85% aufladen. Das beiliegende Netzteil liefert konstant 2A/5V mit QC3, hat aber nur chinesische Anschlüsse und benötigt wie immer einen Adapter von CN auf EU.

Im Geekbench 4 Akkubench schaffte das Mi8 nach nur einem Ladezyklus bereits eine sehr gute Laufzeit von 6.15 Stunden. Nach ein paar mehr Ladezyklen, kann man hier sicherlich noch sehr viel mehr rausholen. In meiner täglichen Nutzung als Heavy-User mit vielen Emails, Nachrichten, Spotify bzw. Musik hören, Videos gucken und Streaming, schaffte ich ohne Probleme eine Display-An-Zeit von 7,5 Stunden. Mit entsprechenden Energiesparfunktionen und dem verhindern des Autostarts einer Apps über die MIUI-Einstellungen ist sicherlich noch einiges mehr drin. In meinen Tests werden diese Funktionen immer deaktiviert, um einen entsprechenden Vergleich machen zu können.

Insgesamt liegt das Mi8 damit auf dem Niveau des OnePlus 5t, was bisher der Klassenprimus bei der Akkulaufzeit ist. Die guten Werte erreicht Xiaomi auch hier mit dem energiesparenden AMOLED-Display und effizienten Snapdragon 845 Prozessor. Bei normaler Nutzung sollte man mit dem Mi8 also locker 1,5-2,5 Tage auskommen.

Mit dem Mi8 bringt Xiaomi erstmalig ein Gerät mit AMOLED-Display, aber auch mit einer großen Notch. Gerade letzteres ist einer der umstrittensten Design-Entwicklungen im Smartphone-Bereich. Der Eine hasst und der Andere liebt es oder nimmt es zumindest hin. Wie auch immer – leider meinte Xiaomi wohl beim Mi8 sich zu sehr am iPhone 10 orientieren zu müssen, wobei ich der Meinung bin, dass sie das gar nicht nötig haben. Aber das muss, wie immer, jeder für sich selbst entscheiden.

Nun sei es drum, das Mi8 hat natürlich noch sehr viel mehr zu bieten als nur eine “Notch”. Technisch gesehen verbaut Xiaomi mit die aktuellste Hardware, die der Markt zu bieten hat und sogar noch etwas mehr. Es zählt aktuell zu den schnellsten Geräten auf dem Markt und ist einer der wenigen Geräte mit der neusten Schnellladetechnologie Quick-Charge 4+. Zudem ist es das weltweit erste Smartphone mit Dual-GPS. Die Verarbeitung und verwendeten Materialien sind auf höchsten Niveau, wie zum Beispiel das ausgezeichnete AMOLED-Display mit satten Schwarzwert und Kontrast. Vor allem die Kombination aus dem energiesparenden Display und dem effizienten Snapdragon 845 Prozessor sorgen für eine herausragende Akkulaufzeit.

Die Kamera sehe ich so im oberen Mittelklasse-Bereich aber nicht ganz auf Flaggschiff-Niveau. Die Low-Light Performance ist wie beim Mix 2s ausgezeichnet und zählt für mich zu den Top 5 der aktuellen Smartphone Kameras. Bei normalen Tageslichtaufnahmen fehlt mir hier aber etwas die Beständigkeit und auch im Portrait-Modus ist viel Luft nach oben. Hier kann Xioami mit ein paar Updates sicherlich noch Verbesserungen vornehmen. Das gilt auch für die AI, denn diese liefert im Moment noch nicht so einen großen Mehrwert. Auf eine Global-Version und MIUI10 muss aktuell noch gewartet werden, dürfte aber auch grob in einem Monat zur Verfügung stehen. Hier können natürlich noch einige neue interessante Features und Verbesserungen für das Mi8 rauskommen.

Alles zusammengefasst, unter Betrachtung aller Features und Hardware des Xiaomi Mi8 – ganz nüchtern und mit einem Blick auf dem Preisschild von knapp 500 Euro, ist dieser Preis auf jeden Fall gerechtfertigt und die Preis-Leistung stimmt. So hat der Kunde die Qual-der-Wahl zwischen dem Mi8 und dem Mix 2s, denn beide Geräte kosten grob fast das Gleiche. So kann sich hier jeder seine bevorzugten Features herauspicken und für das entsprechende Gerät aus dem Xiaomi High-End Portfolio entscheiden.

 

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