Gegen die Empfehlung der Stiko! Gesundheitsministe beschließen Corona-Impfungen ab 12 Jahren

Wie bereits am Wochenende angekündigt, haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Montag einstimmig beschlossen, die Corona-Impfungen für Kinder ab 12 Jahren zu erlauben. Bisher hatte die Ständige Impfkommision (StiKo) lediglich die Impfung von Kindern aus Risikogruppen empfohlen und eine generelle Empfehlung abgelehnt. Außerdem wurde beschlossen, dass

vollständig geimpfte ältere Menschen im Herbst eine dritte Impfung bekommen

Gesundheitsminister beschließen Impfungen von Kindern ab 12 Jahren

Bei der Gesundheitsministerkonferenz am Montag (2. August) haben sich der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn und seine Kollegen aus den Bundesländern einstimmig die Impfungen von Kinder und Jugendliche (ab zwölf Jahren) beschlossen. Damit handelt die Politik in diesen Fall sogar gegen den Willen der Ständigen Impfkommission (StiKo).„Es werden nunmehr alle Länder Impfungen für Zwölf-bis 17-Jährige auch in Impfzentren oder auch mit anderen niedrigschwelligen Angeboten anbieten. Dabei ist eine entsprechende ärztliche Aufklärung erforderlich, sowie eine ggf. notwendige Zustimmung der Sorgeberechtigten einzuholen. Zudem können die Kinder und Jugendlichen auch durch die niedergelassenen Kinder-, Jugend- und Hausärzte und auch im Rahmen der Impfung von Angehörigen der Beschäftigten durch Betriebsärzte geimpft werden“, heißt es in dem am Montag festgelegten Beschluss. Gesundheitsminister Spahn hatte diese Entscheidung begrüßt: „Jeder, der will, kann im Sommer geimpft werden. Wir haben genügend Impfstoff für alle Altersgruppen“, betonte Spahn. Zudem war die Drittimpfung für ältere Menschen und Risikopatiente beschlossen worden. „Denn für sie ist das Risiko eines nachlassenden Impfschutzes am größten“, verdeutlichte Spahn. Der bayrische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), der zur Zeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz inne hat, erklärte: „Wir gehen vorbereitet in den Herbst.“

Kinderimpfungen trotz Warnungen der Stiko

Bis zuletzt hatte StiKo-Chef Thomas Mertens vor einer solchen Entscheidung gewarnt, da nach seiner Auffassung leider noch nicht genügend Daten vorliegen würden, um eine solche Entscheidung zu treffen. „Wir sagen, wir können nicht eine generelle Empfehlung aussprechen, solange wir diesbezüglich nicht die notwendige Datensicherheit haben“, verteidigt Mertens den Standpunkt der StiKo. In den letzten Wochen sei vor allem aus der Politik massiv Druck auf ihn und seine Kollegen ausgeübt worden, erklärte Mertens, der sich davon aber nich beeinflussen lassen möchte. „Es kann durchaus sein, dass wir unsere Empfehlung ändern werden, aber sicher nicht, weil Politiker sich geäußert haben“, gab Mertens zu Protokoll. Gegenüber der Zeitung „Welt“ betonte Mertens: „Unsere Aufgabe ist, auf der Grundlage aller verfügbaren Erkenntnisse die beste Impfempfehlung für die Bürger dieses Landes und auch für die Kinder dieses Landes zu geben“. Dieser Aufgabe gehe man „außerordentlich intensiv“ nach.

FDP-Politiker Kubicki sieht Problem: „Verstoß möglicherweise eine Straftat“

Kritik an der Entscheidung der Gesundheitsminister äusserte der

stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki (69). Dieser hatte vor der Sitzung die Gesundheitsminister eindringlich davor gewarnt, sich eigenmächtig über die aktuelle Stiko-Empfehlung hinwegzusetzen. Beim Politik-Talk „Die richtigen Fragen“ hatte Kubicki am Sonntag geäussert: „Wenn wir eine unabhängige Kommission haben, die das beurteilen soll, dann der Verstoß gegen eine solche Empfehlung möglicherweise eine Straftat. Jeder Arzt, der gegen eine nicht vorhandene Empfehlung der Stiko impft, haftet für die Impfschäden, die möglicherweise daraus resultieren“, sieht Kubicki Probleme durch die nun getroffene Entscheidung. Als Jurist sei er strikt dagegen „von den Regeln, die wir uns gegeben haben, in dieser Frage abzuweichen“. Unter anderem stellte Kubicki gleichzeitig auch die fachliche Kompetenz der Gesundheitsminister infrage. Diese seien Mitglieder eines politischen Gremiums, von denen „wahrscheinlich keiner wirklich Arzt“ sei. Die StiKo empfiehlt weiterhin lediglich die Impfung von Kindern zwischen 12 und 17 Jahren, die einer Risikogruppe angehören. Zuspruch bekam die Entscheidung der Gesundheitsminister von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58): „Als Wissenschaftler bin ich davon überzeugt, dass die Zurückhaltung der Stiko bei der Impfung von Zwölf- bis 17-Jährigen nicht richtig ist“, erklärte Lauterbach, der der StiKo vorwarf „auf Langfristdaten zu warten, die es nie geben wird“. Trotz der Entscheidung der Gesundheitsminister dürfte die Diskussion also auch zukünftig weitergehen.

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