Mehr als 300 Verletzte bei neuerlichen schweren Zusammenstößen in Ost-Jerusalem

Weitere Eskalation anlässlich jüdischer Gedenkveranstaltung befürchtet

Bei erneuten schweren Zusammenstößen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern in Ost-Jerusalem sind am Montag mehr als 300 Menschen verletzt worden. Die Auseinandersetzungen ereigneten sich wenige Stunden vor einem für den Nachmittag geplanten Marsch von Juden zur Erinnerung an die israelische Besetzung von Ost-Jerusalem im Sechs-Tage-Krieg 1967. Bereits am Wochenende waren bei Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und der israelischen Polizei hunderte Menschen verletzt worden.

Der palästinensische Rote Halbmond meldete am Montag 305 Verletzte. 200 von ihnen mussten demnach ins Krankenhaus eingeliefert werden, fünf seien lebensgefährlich verletzt. Auf Seiten der israelischen Polizei wurden neun Beamte verletzt.

Hunderte Palästinenser hatten die Polizisten in der Nähe der Al-Aksa-Moschee mit Steinen beworfen. Die Beamten reagierten mit Blendgranaten, Gummigeschossen und Tränengas. Die Polizei beschränkte den Zugang zum Platz vor der Moschee und ließ nur noch Palästinenser über 40 Jahren passieren.

In der Nähe der Altstadt griffen Protestierende ein Auto mit Israelis mit Steinen an. Der Fahrer verlor daraufhin die Kontrolle über den Wagen und rammte nach Polizeiangaben mehrere Palästinenser. Als das Fahrzeug zum Stehen kam, attackierten dutzende Protestierende das Auto, bevor die Polizei die Menge mit Schüssen in die Luft auseinandertrieb.

Seit Freitag ist Ost-Jerusalem Schauplatz der schwersten Zusammenstöße seit 2017. Angesichts des für Montagnachmittag geplanten Marsches zum von Israel als „Jerusalem-Tag“ gefeierten Jahrestag der israelischen Besetzung Ost-Jerusalems wird mit weiterer Gewalt gerechnet.

Palästinenser errichteten vorab Barrikaden aus Holzbrettern und Metallplatten, um die Juden am Zugang zum Tempelberg zu hindern. Die Polizei hatte jedoch bereits erklärt, Juden hätten aus Sicherheitsgründen am Montag keinen Zugang zu dem Gelände. Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist für Juden wie Muslime gleichermaßen eine heilige Stätte.

Israel hatte den Ostteil Jerusalems im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und 1980 annektiert. Die Annexion wird international nicht anerkannt. Israel hat ganz Jerusalem zu seiner „unteilbaren“ Hauptstadt erklärt, während die Palästinenser Ost-Jerusalem zur Hauptstadt ihres eigenen Staats machen wollen.

Am Wochenende waren bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei bereits hunderte Menschen verletzt worden. Auslöser der jüngsten Proteste ist die drohende Zwangsräumung von rund 30 Palästinensern aus ihren von Israelis beanspruchten Wohnungen im Viertel Scheich Dscharrah. Ein für Montag geplanter Gerichtstermin zu den Zwangsräumungen wurde angesichts der jüngsten Gewalt verschoben.

Trotz wachsender internationaler Kritik erklärte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, er unterstütze den „gerechten Kampf“ der israelischen Polizei und lobte deren „Stabilität und Standhaftigkeit“.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte hingegen die „barbarische Aggression“ Israels. Hamas-Anführer Ismail Hanijeh warnte, die radikalislamische Gruppe werde nicht untätig mit „verschränkten Armen“ dasitzen.

Die Bundesregierung rief alle Beteiligten zur Deeskalation auf. „Wir fordern beide Seiten auf, jetzt dringend einen Beitrag zu leisten, um die Situation zu deeskalieren“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Notwendig seien „Augenmaß und Zurückhaltung“.

Auch die US-Regierung äußerte „ernste Bedenken“ angesichts der Lage in Jerusalem. Der nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan rief die israelische Regierung auf, „geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die Ruhe während der Feiern zum ‚Jerusalem-Tag‘ zu gewährleisten“.

Der UN-Sicherheitsrat will sich am Montag auf Antrag Tunesiens mit der Gewalt in Jerusalem befassen. Alle sechs arabischen Länder, die diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten – Ägypten, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und Sudan – verurteilten das israelische Vorgehen. Auch die Türkei forderte ein Ende der Gewalt gegen die Palästinenser.

by Von Majeda EL-BATSH

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