Russische Wunderwaffen – davor muss die NATO zittern – oder doch nicht?

Auch in diesem Jahr wurde dem Publikum auf dem Roten Platz in Moskau angesichts des „Tag des Sieges“ wieder eine Show geboten. Neben 11. 000 russischen Soldaten präsentierte Putins Armee bei dem Event natürlich auch wieder seines modernsten Waffen, zu denen zum Beispiel die „Jars“-Interkontinentalrakete oder Infanteriefahrzeuge vom Typs „Tigr-M“ gehören. Es gilt als guter Ton, dass Putin seine Hightechwaffen der Öffentlichkeit präsentiert. Doch auf dem Schlachtfeld in der Ukraine kommen solche Waffen fast nie zum Einsatz. Und dies wirft natürlich Fragen auf.

Russen nutzen Hightechwaffen um zu prahlen

Generell lässt sich in den letzten Jahren eine interessante Beobachtung machen. Die Russen nutzen ihre neu entwickelten Waffen meist zum Protzen. Zu einem Einsatz der Waffen kommt es außer bei gelegentlichen Tests jedoch nie. Während die Waffen also der breiten Weltöffentlichkeit präsentiert werden, kommen sie beim aktuellen Krieg in der Ukraine kaum zum Einsatz. Lediglich einige wenige Hyperschall-Raketen vom Typ „Avangard“ sollen in der Ukraine abgefeuert worden sein, um Ziel zu bekämpfen. Doch sonst scheinen kaum neue Waffensysteme wie der angeblich Superpanzer T-14-Armata zum Einsatz zu kommen. Und dafür gibt es offenbar mehrere Gründe

Westliche Sanktionen wirken

Zum einen sind da die westlichen Sanktionen. Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges ist es durch die Handelsanktionen sehr schwer geworden, die notwendigen Materialien zum Bau der Superwaffen einzukaufen. Jede auf dem Schlachtfeld verlorene Hightechwaffe lässt sich deshalb nur schwer ersetzen. „Bei der neusten Generation von Waffensystemen verzögert sich die Einführung oder sie ist unmöglich geworden durch die Sanktionen, die vom Westen verhängt wurden“, erklärt in diesem Zusammenhang auch Militärexperte Gustav Gressel . Deshalb setzen die Russen in der Ukraine keine T14-Armata-Kampfpanzer oder andere moderne Panzer ein. Denn offenbar gibt es dort Probleme bei der Massenproduktion. „Für die Massenproduktion dieser Systeme braucht man westliche Maschinen und westliche Subkomponenten“, erklärt Gressel, wieso es aktuell erst rund 20 der eigentlich geplanten 2.300 T-14-Armata-Panzer gibt.

Modernisierte Waffen aus der Sowjet-Zeit

In der Ukraine werden weitestgehend modernisierte Waffen aus der Zeit der Sowjetunion eingesetzt. Dies bietet unter anderem den Vorteil, dass eine große Anzahl von Soldaten mit der Bedienung der Waffen vertraut ist.

Die neuen Hightechwaffen erfordern von den Soldaten aber auch eine gewisse Schulung, um sie im Krieg bestmöglich einzusetzen. Weil viele der Waffen jedoch bisher nicht in Massenproduktion gefertigt werden, gibt es nur wenige reale Waffen mit denen die Soldaten den Umgang erlernen können. „Die Ausbildung ist in Russland aber nicht so gut wie in anderen Armeen, sie können das Leistungsspektrum der Geräte nicht voll ausschöpfen“, merkt Experte Gressel weiter an. Zur Zeit kann man dies unter anderem in der Ukraine beobachten. Zwar verfügen die Russen über neue und verschlüsselte Funkgeräte, doch der Umgang mit ihren ist vielen russischen Soldaten unbekannt. Diese greifen deshalb häufig auf unverschlüsselte Kommunikation zurück und sind von den Soldaten der Ukraine dann leicht zu orten.

Technische Überlegenheit ist nicht viel wert

Unter anderem sei eine weitere große Schwäche der Russen die Koordinierung der unterschiedlichen Systeme. „Viele Probleme der russischen Armee sind auf schlechte Ausbildung, auf schlechte Führung und taktische Fehler zurückzuführen“, kommt Gressel zu einem erschreckenden Urteil. Und deshalb habe die Ukraine den Russen sogar mit noch älteren Waffen, schlechteren Kampfpanzern und weniger modernen Geräten Paroli geboten. Nach und nach gewinnen die ukrainischen Truppen nun durch die modernen westlichen Waffen die Oberhand. „Die Koordination zwischen Infanterie, Panzern und Artillerie ist bei den Ukrainern viel besser“, ist sich Gressel sicher.

Deshalb seien die taktischen Fehler bei den Russen oft so schwerwiegend, dass ihnen auch eine technische Überlegenheit wenig bis gar nicht nutzt.